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Hofladen

Erdbeeren von der Ranch

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Joachim Peukert
am
08.07.2019

Die Brüder Höfler produzieren neben Obst auch Gemüse und Weihnachtsbäume.

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Erdbeeren haben gerade Hochsaison im Hofladen der Erdbeer-Ranch im unterfränkischen Alzenau im Landkreis Aschaffenburg. Angefangen hat die Erfolgsgeschichte der Brüder Herbert und Werner Höfler, nachdem sie in den elterlichen Betrieb 1984 und 1989 eingestiegen sind.

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Bereits 1963 begannen die Eltern nach einer Aussiedlung mit dem Anbau von Erdbeeren. Damals hatten sie noch eine klassische Landwirtschaft mit Hühnern, Schweinen, Kühen und Getreideanbau. In den frühen 90-er Jahren wurde der Hofladen mit Beginn der Spargelzeit geöffnet und nach der Erdbeerernte geschlossen. Eine stetige Erweiterung des Produktsortiments mit zum Beispiel Himbeeren, Salaten, Tomaten, Gurken, Paprika, Kürbis und Weihnachtsbäumen führte dazu, dass der Laden immer ein bisschen länger offen geblieben ist, und Anfang der 2000-er Jahre ganzjährig geöffnet wurde. Damit musste eine GmbH gegründet werden, die auch Handelsware vermarktet.

Herbert & Werner Höfler (6)

Herbert Höfler hat den Alzenauer Hofladen mit Spargel- und Erdbeeranbau. Sein Bruder Werner ist Inhaber des Obsthofes am Schlossbruch und kümmert sich um die Apfelvermarktung. Seine erzeugten Äpfel werden aber auch im Hofladen verkauft. Mittlerweile kommt die Kundschaft sogar aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis, Gelnhausen, Hanau und sogar vom Taunus. Sie fährt regelmäßig in den Kahlgrund, und dann ist die Erdbeer-Ranch eine der Anlaufstationen, wie wahrscheinlich einer der Imker oder der fränkischen Winzer auch.

Nur ein paar Meter vom Hofladen entfernt befindet sich ein großes Erdbeerfeld. Morgens um 6 Uhr fangen die acht polnischen Erntehelfer/-innen zu pflücken an, damit zur Hofladenöffnung um 8 Uhr schon die süßen roten Früchte frisch im Hofladen verkauft werden können. Auch Erdbeerselbstpflücker können ihre Körbchen dort füllen.

Robuste Sorten dank Züchtung

Auf 3 ha Fläche werden Erdbeeren angebaut, über eine sehr lange Zeit die Sorte Elsanta, die nicht mehr angepflanzt wird. Heute haben sich im frühen Erntebereich die Clery, und die Malwina im späten Bereich als Standardsorte durchgesetzt. 2019 wurde mit der Clery der Anfang gemacht, dann kam die Asia als mittelfrühe Sorte und schließlich die Faith. Am Ende schließt die Malwina die Erdbeersaison ab. Die Züchtung stellte in den letzten Jahren sehr gute Sorten zur Verfügung. „Die Blattgesundheit ist besser geworden, während die Elsanta noch eine Sorte war, die gerne mal einen Mehltau bekommen hat. Damit hat die Clery überhaupt keine Probleme“, sagt Werner Höfler. Die innere und äußere Qualität ist auch über die Züchtung besser geworden. Die Jungpflanzen werden von mehreren Lieferanten bezogen wie Jörg Hirsch im Ried und die Firma Grätke im Münsterland.
Zum ersten Mal wurde dieses Jahr die englische Sorte Malling Centenary ausprobiert. „Botrytis ist ein großes Thema beim Erdbeeranbau“, sagt Höfler, „zur Pilzbekämpfung werden Blütenspritzungen durchgeführt“. In der Blütezeit ist das Risiko relativ hoch, dass sich die Pflanzen eine Pilzinfektion einfangen. Diese Zeiträume werden mit den drei Fungizidklassikern Switch, Luna Sensation oder Teldor abgedeckt.

Fruchtfolge für
gesunden Boden

„Wir versuchen, die Bodengesundheit über eine möglichst lang gestellte Fruchtfolge zu erhalten.“ Schon bei der Auswahl der Vorfrucht sollen die Wurzelkrankheiten, soweit es geht, zurückgedrängt werden. Der Senf eigne sich als Vorfrucht gut, weil er den Boden mit seinen Pfahlwurzeln tief lockert und für eine gute Struktur sorgt. „Man kann im Endeffekt nur über eine gute Humusversorgung und eine gute Bodenstruktur versuchen, diese Wurzelkrankheiten ein bisschen in Schach zu halten“, sagt Höfler. Für die Vermarktung im Hofladen baut Herbert Höfler auch 4 ha Spargel, 0,2 ha Himbeeren, 0,5 ha Salat, 0,5 ha Kürbis sowie Tomaten, Gurken und Paprika in vier Folientunneln zu je 200 m2 an.
Zum Obsthof am Schlossbruch von Werner Höfler gehören 2,4 ha Apfelplantage, 2,0 ha Streuobst, 1,5 ha Walnuss und 0,5 ha Kürbis. Wie sich die Situation der Rekrutierung von Erntehelfern in den nächsten Jahren abzeichnet, kann niemand vorhersagen. Momentan laufen auf politischer Ebene intensive Gespräche mit Drittländern. Es sei jetzt schon möglich, Studenten aus der Ukraine in den Semesterferien für die Erntearbeit zu beschäftigen.
Wenn Mitte Juli die diesjährige Erdbeersaison vorbei ist, freuen sich schon viele Kunden der Erdbeer-Ranch auf die bevorstehende Apfelerntesaison im Herbst. Dann werden die hauseigenen Bioäpfel im Hofladen angeboten. Seit 2004 kommen auch Kunden, um ihre Äpfel von den Höflers pressen zu lassen. Sie können ihren Saft in Fässern wieder mit nehmen. Alternativ werden im Hofladen Bags in 3, 5 und 10 Literbehältnissen zum Kauf angeboten.
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