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Seltene Rassen

Erhalten durch Aufessen

Triesdorfer-Tiger_LF
Fritz Arnold
am
06.03.2019

„Erhalten durch Aufessen“ ist für Fürths stellvertretenden Landrat Franz Xaver Formann eigentlich ein Widerspruch. Und doch bringt es die Problematik rund um den Erhalt der gefährdeten Rinderrasse „Triesdorfer Tiger“ auf den Punkt.

Oberasbach/Lks. Fürth Denn wenn es mit der Zahl der gehaltenen Rinder wieder aufwärtsgehen soll, müssen sich genügend Konsumenten finden, die bereit sind, für das besonders wohlschmeckende Rindfleisch der vom Aussterben bedrohten Rasse etwas mehr zu bezahlen.

Eine gewisse Ermutigung lieferte nun ein „Tigeressen“ in Oberasbach. Zu einer Hofbesichtigung beim Biobauern Wolfgang Kleinlein, aus dessen Zucht ein erster Tiger-Ochse anschließend verspeist wurde, kamen rund 60 Besucher. Sie kamen vor allem von der Slow Food Nürnberg, die sich um ein besseres Bewusstsein für eine qualitativ hochwertige Ernährung bemüht.
Wie die Erläuterungen von Wolfgang Kleinlein, Konrad Wagner als Zuchtleiter für die Fleischrinderrassen in Bayern sowie Ursula Pfäfflin-Nefian, die sich federführend um den Aufbau von Vermarktungsstrukturen bemüht, zeigten, beißt sich der Tiger gewissermaßen in den Schwanz. Um eine ausreichende Basis zu bekommen, wie sie für den Erhalt einer Rinderrasse nötig ist, müssten wieder mehr Landwirte Triesdorfer Rinder züchten. Dafür wäre es nötig, dass die Erzeuger für das schmackhafte und langsam bei der Weidemast heranwachsende Ochsenfleisch fünf Euro für das Kilo Schlachtgewicht bekommen. Die üblichen Rindfleischpreise von 3,50 €/kg reichen dafür nicht aus. Andererseits, würden Fleischvermarkter nur einsteigen, wenn ein kontinuierliches Angebot vorhanden sei. Zu den Pionieren bei der Haltung von Triesdorfer Tigern gehört jedenfalls der Oberasbacher Betrieb Kleinlein. Zehn seiner 50 Kühe gehören dieser Rasse an. Wäre ein lukrativer Absatz von Ochsen gesichert, könnten hier im Jahr alle ungefähr fünf geborenen männlichen jungen „Tiger“ als Ochsen gemästet werden. Bisher gehen sie aber als Kälber in die Bullenmast von konventionellen Betrieben.
Doch nach dem erfolgreichen Testessen wächst nun die Zuversicht. Im „Schwarzen Adler“ wurde aus dem Ochsenfleisch ein Tigermenü mit Roastbeef an Feldsalat mit Honig-Senf-Dressing. Tiger-Burger und Roulade auf Rotkohl mit Kartoffelklößchen sowie ein Dessert zum Preis pro Person von 39,90 € kredenzt. Oberasbachs Bürgermeisterin Birgit Huber zeigte sich wie die anderen Gäse angetan vom Geschmack und war stolz auf das Projekt in ihrer Stadt. Schließlich ist das Ansbach-Triesdorfer-Rind in die „Arche des Geschmacks“ von Slow Food aufgenommen.

Die Rasse Triesdorfer Tiger war entstanden, als der Ansbacher Markgraf 1740 holländisch-friesische Rinder und dann noch Simmentaler aus der Schweiz zu einer Drei-Nutzungs-Rasse zusammenführte. Diese verbreitete sich rasch in ganz Franken und erreichte mit 200 000 Stück um das Jahr 1900 ihre größte Verbreitung. Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft gingen die Bestände kontinuierlich zurück. Anfang der 1990er-Jahre waren es gerade noch 40 Ansbach-Triesdorfer Tiger. Seitdem gelang es dem Verein zum Erhalt der Rasse, den Abwärtstrend umzukehren. Doch der jetzt wieder auf 160 bis 180 Tiere angestiegene Bestand reicht nach Zuchtleiter Konrad Wagner nicht aus, um die Rasse zu sichern.

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