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Teichwirtschaft

Fischotter - ganze Teiche leer gefressen

Teichgenossenschaft-Oberfranken-JHV19(shf)_LF
Stephan Herbert Fuchs
am
18.02.2019

Genossenschaftsmitgliederversammlung weist auf immer stärker werdende Bedrohung durch Fischotter hin und hofft auch auf Anerkennung der Teichwirtschaft als immaterielles Unesco-Kulturerbe.

Während die oberfränkischen Teichwirte die Kormoran- und Graureiher-Problematik einigermaßen im Griff haben, werden die Schäden durch Fischotter immer schlimmer. Bei der Mitgliederversammlung der Teichgenossenschaft Oberfranken in Himmelkron sprach der Vorsitzende Dr. Peter Thoma aus Thiersheim von einem „Riesendrama“.
Ein ganzer Teich, komplett vom Fischotter leer gefressen, diese Erfahrung musste selbst der Vorsitzende jetzt machen. „Die Schäden sind unbeschreiblich“, sagte Thoma. Der Otter werde die komplette Fischerei ruinieren, wenn nicht schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden, so Thoma, der das Raubtier auch als „Sargnagel der Fischerei“ bezeichnete.

Kormoranproblem einigermaßen im Griff

Einigermaßen im Griff habe man dagegen die Kormoran-Problematik. Als Grund dafür nannte der Vorsitzende die Allgemeinverfügung zum Abschuss des Vogels. „Wir sind damit in der Lage, uns zu wehren“, sagte Thoma. Gleiches gelte für den Graureiher, den die Teichwirte nach entsprechender Erlaubniserteilung mittlerweile ebenfalls schießen dürfen. Ein größeres Problem stelle dagegen der Silberreiher dar, bei dem die Vergrämung nicht erlaubt ist.
Ein Ziel für die kommenden Monate ist die Anerkennung der Teichwirtschaft als immaterielles Kulturerbe der Unesco. Eine solche Anerkennung wäre auch mit einem entsprechenden Schutzstatus verbunden, sagte Thoma. Als immaterielles Kulturerbe werden kulturelle Ausdrucksformen bezeichnet, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen und die von Generation zu Generation weitervermittelt werden. Die flächengebundene Teichwirtschaft gehöre unbedingt dazu, so der Vorsitzende. Er appellierte an alle Teichwirte, auch künftig auf höchste Qualität zu achten, denn nur durch Qualität könne man sich von den Billigimporten aus östlichen Ländern abgrenzen.
Einen Einschnitt muss die oberfränkische Teichwirtschaft derzeit durch personelle Veränderungen an entscheidender Stelle hinnehmen. So wurde Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler nach 15 Jahren an der Spitze des Bezirks in den Ruhestand verabschiedet und zum Ehrenmitglied der Teichgenossenschaft ernannt. Der Bezirk ist traditionell sehr eng mit der Fischerei verbunden, weil bei ihm die Fachberatung für Fischerei angesiedelt ist.
Denzler habe allen neuen Ideen der Teichwirte offen und kooperativ gegenübergestanden, Traditionen fortgeführt, aber auch neue Akzente gesetzt, sagte Hartmut Koschyk, früherer Bundestagsabgeordneter und Finanzstaatssekretär, aber auch früherer Vorsitzender der Teichgenossenschaft in seiner Laudatio. Denzler habe während seiner 15-jährigen Amtszeit vieles für die Teichwirtschaft und für die Fischerei in Oberfranken getan und sich damit hohe Verdienste erworben.
Ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet wurde der langjährige Leiter des Referats Fischerei und Fischwirtschaft beim bayerischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Franz Geldhauser. Der Fischereireferent habe für Oberfranken stets ein offenes Ohr gehabt, sagte der frühere Leiter der Fischereifachberatung Dr. Robert Klupp. Geldhauser habe die Teichbauprogramme im Regierungsbezirk ganz wesentlich mitgestaltet. „Dr. Franz Geldhauser hat der Fischerei den Stellenwert gegeben, den sie auch verdient“, so Klupp:
Die dritte Persönlichkeit, die von der Teichgenossenschaft verabschiedet wurde, ist der langjährige Beirat Michael Lindenberger aus Heroldsbach im Landkreis Forchheim. Zum Nachfolger des 82-Jährigen wählten die Mitglieder Martin Heilmann, ebenfalls aus dem Landkreis Forchheim. Bei den turnusgemäßen Neuwahlen gab es keine Veränderungen. Dr. Peter Thoma wurde als Vorsitzender, Manfred Popp aus Benk und Karl-Peter Schlegel aus Wiesenttal als Stellvertreter und Otto Norbert Grußka aus Rödental jeweils einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Leistungen besser herausstellen

Die Teichwirtschaft zu bewahren und zu fördern, das sei das Ziel, das den Bezirk und die Teichgenossenschaft verbinde, sagte der Direktor der Bezirksverwaltung Peter Meyer. Die hiesigen Teichwirte sollten künftig noch stärker herausstellen, dass in Oberfranken die besten Karpfen produziert werden, so der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann. Von der traditionell großen Bedeutung der Teichwirtschaft sprach auch der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. „Teichwirte sind es, die Tradition und Zukunft verbinden“, so Söllner.
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