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Tabakanbau

Von Franken bis nach Ägypten

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Tabakanbau
Tabakanbau-Experten im Gespräch: (v. l.) Senior Adam Spachmüller, dessen Sohn Johannes Spachmüller und Leitender Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf AELF Roth-Hersbruck. © Lorenz Märtl
von , am
12.09.2017

Haag - Johannes Spachmüller erzeugt im Landkreis Roth Tabak für Shisha-Raucher rund um den Globus.

Im Hofladen der Familie Spachmüller in Haag – direkt gelegen am Ortsende an der B 466 von Schwabach und Gunzenhausen im Landkreis Roth – geht neben einem großen Sortiment regionaler Produkte vor allem das über die Ladentheke, was auf dem Hof je nach Saison angebaut, erzeugt und veredelt wird. Eigene Erzeugnisse sind vor allem Spargel und Haselnüsse.
Das Produkt, das bei Weitem die größte Anbaufläche in Anspruch nimmt, wird man im Laden vergeblich suchen: Tabak. Der tritt nach der derzeit laufenden Ernte und Rohverarbeitung auf dem Hof, die noch bis Ende September andauert, per Lastwagen den Weg nach Antwerpen an. Von dort wird er nach Ägypten verschifft, wo er zu Wasserpfeifentabak veredelt wird.
In Ägypten schwärmen Veredler in den höchsten Tönen von der besonderen Qualität des Tabaks aus Franken. Die schätzen aber auch die Wasserpfeifenraucher in Shisha-Bars rund um den Erdball.
Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die nach der Streichung der EU-Subventionen 2005 bereits totgesagte, jahrhundertealte Tradition des Tabakanbaus im Schwabacher Land gehalten, obwohl damals viele Pflanzer aufgaben und sich innerhalb eines Jahres die Anbaufläche um über 40 Prozent verringerte.
20 Pflanzer, organisiert in der Erzeugergemeinschaft Bayern-Tabak, teilen sich heute eine Anbaufläche von rund 330 ha, von der im letzten Jahr 898 t Tabak geerntet wurden. Eine ähnlich gute Ernte wird in diesem Jahr erwartet.
Johannes Spachmüller, mit seinen 25 Jahren einer der jüngsten Tabakpflanzer Deutschlands, setzt die Tradition fort. Seine Eltern Adam (66) und Elisabeth (62) haben ihm bereits die volle Verantwortung für den Betrieb übertragen – eine Entscheidung, die deutlich macht, dass sie davon überzeugt sind, wie der Junior die Zukunft des Hofes gestalten wird.

24 Hektar Tabakanbau

Tabakernte
Derzeit läuft die Tabakernte auf den Feldern von Johannes Spachmüller. Für die Saisonarbeiter ist die Arbeit Routine. © Lorenz Märtl

Von den 46 ha Nutzfläche des Hofes entfallen mit 24 ha mehr als die Hälfte auf Tabak, 2,5 ha auf Spargel und – mit steigender Tendenz – 2,2 ha auf Haselnüsse. Mais (6,5 ha) und Weizen (4,5 ha) stellen die Fruchtfolge sicher. Der Rest verteilt sich auf Wald (6 ha) und Wiese (1 ha).
Johannes Spachmüller lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass für ihn der Tabakanbau auch in Zukunft im Vordergrund stehen wird. Diesen kennt er von Kindesbeinen an und sein Vater war für ihn der beste Lehrmeister.
Nach seiner Ausbildung zum Gemüsebauern auf einem Betrieb im Knoblauchsland, dem Praxisjahr und dem Grundkurs in Herrsching folgte die Technikerschule in Triesdorf, die er als staatlich geprüfter Techniker für Landbau abschloss. Werner Wolf, Leitender Landwirtschaftsdirektor und Leiter des AELF Roth/Hersbruck, verfolgt den Weg des jungen Tabakanbauers mit besonderem Interesse. Er sieht in ihm einen Garanten dafür, dass der Tabakanbau im Schwabacher Land eine Zukunft hat. Johannes Spachmüller ist überzeugt, dass er den richtigen Weg gewählt hat und der Tabakanbau auch in Zukunft ein wichtiges Standbein seines Betriebes ist.

Hoher Arbeitsaufwand

Tabak zählt zu den Kulturen mit dem höchsten Arbeitsaufwand. Für 1 ha sind bis zu 800 Arbeitsstunden nötig, für 1 ha Getreide nur acht Stunden. Bereits im zeitigen Frühjahr beginnen die Vorbereitungen. 1 g Tabakpflanzensamen besteht aus 6000 Körnern, 5 bis 6 g reichen aus für 1 ha Ackerfläche, für den man rund 30 000 Pflanzen benötigt. Für die Anzucht der neuen Pflänzchen, die bisher in einfachen Folienhallen erfolgte, hat Spachmüller heuer ein hochmodernes Gewächshaus errichtet. Davon erhofft er sich eine große Arbeitserleichterung.
Da Tabak sehr frostempfindlich ist und Wärme braucht, werden nach den Eisheiligen im Mai die Setzlinge mit der Pflanzmaschine direkt in den Ackerboden gepflanzt.
Nach dem Anwachsen heißt es, die Reihen unkrautfrei halten, was vier- bis fünfmal maschinell und oft zusätzlich auch mit der Hand erfolgt. Wenn sich dann ausgiebig Regen und schwülwarme Witterung abwechseln, kann man auf eine gute Ernte hoffen, die meist schon im Juli beginnt und sich bis Ende September hinzieht.

Tabak brechen

Die Ernte („Tabak brechen“) ist nach wie vor reine Handarbeit. Spachmüller hat dafür bewährte Saisonkräfte aus Polen und Rumänien – mit Familienanschluss, Unterkunft und Verpflegung auf dem Hof inklusive. Sie wissen, dass die reifen Blätter eine möglichst schöne gelbe Färbung und eine einheitliche Struktur aufweisen sollen. Rechtzeitig wurden die Blüten abgeschnitten, damit sie nicht auf die von unten nach oben reifenden Tabakblätter fallen und diese fleckig werden lassen. „Grumpen“ und „Sandblatt“ werden zuerst geerntet, „Haupt-“ und „Obergut“ folgen.
Bereits auf dem Feld werden die Blätter gebündelt und direkt nach dem Transport auf den Hof in eine der Trocknungskammern gebracht. Die langsame Trocknung, die bis zu sieben Tage dauert, ist ein diffiziler Prozess, der mitentscheidend ist für die notwendige Qualität des Wasserpfeifentabaks.
Das erfordert vor allem Erfahrung, denn die Farbe soll letztendlich als Ausdruck bester Qualität „gold-gelb“ sein. „Etwas anderes wäre ganz schlecht“, erklärt Senior Adam Spachmüller bei der Kontrolle einer Trockenkammer, deren Tür er nur ganz kurz einen kleinen Spalt öffnet. Der prüfende Blick sagt dem Fachmann, dass die Trocknung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Ideal ist ein Feuchtigkeitsgehalt um die zwölf Prozent.
Aus der Trockenkammer kommt der Tabak in die Sortierung, die sich im ehemaligen Kuhstall befindet. Hier sorgt Elisabeth Spachmüller mit fachlichem Blick dafür, dass in den riesigen Kartons nur beste Qualität landet. Nach der Verwiegung landet die Rohware in Kottensdorf. In der Verwiegehalle der Erzeugergemeinschaft Bayern-Tabak erfolgt dann eine letzte Kontrolle von Gewicht und Feuchtigkeitsgehalt, bevor die Kartons regis-
triert, versiegelt und auf den Weg gebracht werden.

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