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Erntevorschau

Franken: Hitze und Trockenheit lassen Getreide früher abreifen

Ernteerwartung Franken
Fritz Arnold
am
25.07.2017

Ansbach-Katterbach - Gute Erträge bringt dieses Jahr die Wintergerste. Bei Weizen und Triticale sehen die Aussichten dagegen nicht so günstig aus, weil sich die Körner infolge des Wassermangels vermutlich nicht voll ausbilden können.

Wie Kreisobmann Ernst Kettemann bei der jährlichen Vorschau des Bayerischen Bauernverbandes auf die Ernte auf dem Hof von Herbert und Peter Sturm in Katterbach betonte, wird der Klimawandel immer offensichtlicher. Seit drei Jahren fehlen nun jeweils 100 l Regen. Der letzte Winter und der März waren trocken, die Niederschläge kamen dann zur Unzeit an Ostern, verbunden mit Minustemperaturen. Ob neben der weithin vernichteten Obstblüte der Frost sich auch auf den Rapsertrag auswirkt, sei noch nicht ganz zu übersehen.

Rein statistisch betrachtet, waren die Regenmengen von April bis Juni in Ordnung, stellte Hartmut Schwinghammer als Pflanzenbauexperte vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach (AELF) fest. Doch während der Hitzewellen im Mai und Juni konnten die Kulturpflanzen kaum mehr von den Anfang Mai und um Pfingsten geballt gefallenen Regenmengen zehren. Deshalb sind laut Kettemann die im Februar verkündeten Prognosen einer Rekordernte längst nach unten korrigiert worden, denn das wegen des Wassermangels rasch abreifende Getreide bildet kleinere Körner aus.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig sagte, kein Berufsstand sei so abhängig von der Witterung und den natürlichen Lebensgrundlagen. Sich per Bewässerung unabhängiger zu machen sei in der Landwirtschaft nicht so einfach wie im Gemüseanbau. Früher, so der Landrat, sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass die Menschen bei Wetterextremen ihr täglich Brot hatten.

Zur Absicherung gegen die Trockenheit werden auf dem Betrieb Sturm in Katterbach seit mehreren Jahren 6 ha Körnermais angebaut. Wächst bei Trockenheit nicht genug Futter für die 75 Kühe samt Nachzucht, kommt der zum Drusch vorgesehene Mais als Futter in die Silos. Zusätzlich hat jetzt auch noch die tief wurzelnde Luzerne auf dem Betrieb Einzug gehalten. Zusammen mit einer Stilllegung von 3 ha und dem Zwischenfruchtanbau werden damit die Anforderungen für das Greening erfüllt. Mit einem einen Meter langen Bohrstock führte Schwinghammer vor Augen, dass die Wasservorräte auf den Weizenfeldern eine Woche nach den letzten Regenfällen bereits wieder verbraucht sind.

Wolfgang Kerwagen, Bereichsleiter Landwirtschaft am AELF, erklärte, dass Mais mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkomme als die meisten anderen Pflanzen. Herbert Sturm wies zudem darauf hin, dass der Mais den Vorteil habe, nur eine Pflanzenschutzbehandlung zu benötigen sowie einer Nitratanreicherung im Boden entgegenwirke. Wo Ackerbauern zusammen sind, kommt die Diskussion zwangsläufig auf die neue Düngeverordnung. Kein Verständnis habe er, so Kettemann, dass zu einer Strohdüngung keine Güllegabe mehr zugelassen ist, obwohl zur Verrottung Stickstoff nötig sei. Zum Strukturwandel sagte der Kreisobmann, dass von den 3500 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis mit durchschnittlich 32 ha 800 keine Viehhaltung mehr betreiben. Mit dazu beigetragen hätten immer neue Auflagen, hauptsächlich in der Schweinehaltung.

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