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Weinbau

Franken keltern koscheren Wein

Gabriele Brendel
am
07.08.2017

Iphofen - Dem Weingut Hans Wirsching gelingt der erste Silvaner nach strengen jüdischen Regeln

Wein, koscher, Andrea Wirsching, Fränkische Weinkönigin

Das Weingut Hans Wirsching in Iphofen hat seinen ersten koscheren Wein der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 2016er Silvaner wurde nach den strengen jüdischen Speisegesetzen erzeugt und kann deshalb sogar am Pessach-Fest, dem höchsten jüdischen Fest, ausgeschenkt werden.
„Es braucht Mut und gute Nerven, um einen koscheren Wein zu erzeugen. Es freut mich deshalb sehr, dass eine fränkische Winzerfamilie diesen Mut aufbringt. Jetzt gibt es nicht nur koscheren Riesling von der Mosel (Nik Weis, Weingut St. Urbans-Hof) und von der Saar (Max von Kunow, Weingut von Hövel), sondern auch einen fränkischen Silvaner“, sagte Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.
Koscherer Wein sei in der Herstellung sehr aufwendig. Alle Geräte zur Lese und zur Verarbeitung der Trauben müssten unter Aufsicht eines Rabbiners gesäubert werden, die Flaschen dürfen nicht mehrmals befüllt werden und im siebten Jahr dürfen keine Trauben gelesen werden, so Dr. Schuster. 

Große Herausforderung

Für das fränkische Weingut, das rund 80 ha Weinberge bewirtschaftet, war die Weinproduktion mit ihren besonderen Vorschriften schon eine Herausforderung. Eine große Verantwortung lastete dabei auf Kellermeister Dr. Klaus-Peter Heigel. Anders als bei allen anderen Weinen in seinem Keller durfte er weder die gelesenen Trauben, noch den Most oder Wein sehen.
Erst den fertig abgefüllten Bocksbeutel durfte er wieder in die Hand nehmen. Da der Saft nur mit orthodoxen Juden in Kontakt kommen darf, reiste für alle Arbeiten ein Rabbiner aus Luxemburg an, der mit den Arbeiten in einem Weingut bereits seit 15 Jahren vertraut ist.
Schon die Ernte machte deutlich, dass bei diesem Wein einfach alles anders ist. „Die Trauben wurden mit dem Vollernter gelesen, bei dem die Rückfahrkamera abgeklemmt war“, berichtet Klaus-Peter Heigel. Anschließend wurde der Wein in einem ganz neuen Edelstahltank, in dem noch nie Wein gewesen war, vergoren. War einmal etwas nicht ganz klar, so wurde vom Rabbi ein Foto gemacht und dem Kellermeister gezeigt. Um sicher zu gehen, dass die Premiere auch klappt, wurde der Wein je zur Hälfte koscher und nicht koscher ausgebaut. Somit wusste der Kellermeister immer, in welchem Stadium sich der Wein gerade befindet.
Die 4800 Bocksbeutel werden in erster Linie an die jüdischen Gemeinden in Deutschland gehen. Weitere Anfragen gibt es bereits aus den USA und von einigen deutschen Weinhändlern.
Ausschlaggebend für die ungewöhnliche Weinproduktion waren mehrere Israelreisen von Weingutchefin Andrea Wirsching. „Ich habe mich in das Land und seine Menschen verliebt“, sagte Wirsching. So war es für sie naheliegend, sich bei den „Twin-Wineries“ zu beteiligen.
Seit 2008 besteht diese Initiative, die deutsche und israelische Weingüter zu einem freundschaftlichen und fachlichen Austausch zusammenbringt.

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