Login
Weinlese

Franken zählt zu den Gewinnern

Wein-Herbst-Bilanz
Gabriele Brendel
am
06.11.2017

Die fränkischen Winzer ziehen nach einer frühen, anstrengenden Weinlese Bilanz. Wetterkapriolen stellten mehrfach eine große Herausforderung dar.

Als eine der frühesten Weinlesen aller Zeiten wird die Ernte 2017 in die Annalen eingehen. Bereits Ende August wurden die ersten Trauben für Federweißen geerntet. Mitte Oktober zogen der Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes Artur Steinmann, der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Dr. Hermann Kolesch und der Leiter der Kellereifachberatung beim Bezirk Unterfranken, Hermann Mengler, schon die Herbstbilanz.

In der Wein-Oase der Familie Huppmann-Baumann in Würzburg-Heidingsfeld stellten sie Zahlen und Fakten vor.  
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird von rund 487 000 hl Weinmost ausgegangen. Auf den Hektar umgerechnet sind es durchschnittlich 81 hl. Das durchschnittliche Mostgewicht liegt bei 84° Oechsle, wobei ein Anteil von 45 bis 60 % der geernteten Menge für Prädikatsweine geeignet ist.

„Für mich war es eine der frühesten und anstrengendsten Ernten aller Zeiten. Die Witterungsbedingungen mit immer wieder auftretenden Regenfällen sorgten für eine sehr konzentrierte Lese. Es war große Sorgfalt im Weinberg angesagt. Ich bin stolz darauf, wie unsere Winzer diese Weinlese gemeistert haben,“ bilanziert Weinbaupräsident Artur Steinmann.

Wetterkapriolen hatten die fränkischen Winzerinnen und Winzer im Laufe des Jahres wiederholt vor große Herausforderungen gestellt. Regional traten gravierende Schäden durch Spätfrost im April, sowie Stark­regen und Hagel im Sommer auf. Letztendlich wurde auch die Lese immer wieder von Regenfällen unterbrochen. Aber nicht nur das Wetter setzte den Winzern arg zu. Es war auch ein Kampf gegen die Essigfäule, die Kirschessigfliege, Mäuse, Wespen, Vögel und Wildschweine.

Kristallklare Weine

„Noch vor 20 Jahren wäre ein solcher Jahrgang beinahe tödlich gewesen, denn die sorgfältige Selektion wurde damals noch nicht in der Form wie heute durchgeführt. Die Lese war in diesem Jahr nervenzehrend, aber unsere Winzer wussten mit den Problemen umzugehen“, sagte Fachberater Hermann Mengler.

Zur Vorstellung der Herbstbilanz hatte er fünf Jungweine mitgebracht. Ob Bacchus, Müller-Thurgau, Silvaner, Sauvignon Blanc oder Riesling – alle Weine beeindruckten durch ihre Reintönigkeit, ihr intensives Aroma und ihre spielerische Leichtigkeit. „Es sind keine Alkoholbomben, sondern kristallklare Weine, elegant und grazil. Sie sind eine tolle Ergänzung zu den Jahrgängen 2015 und 2016“, lautet das Fazit von Fachberater Hermann Mengler.

Überall Einbußen, aber in Franken Zuwachs

In Deutschland wird in diesem Jahr von der „kleinsten Ernte aller Zeiten“ gesprochen. In Europa ist es die kleinste Ernte seit 2000. Nach den ersten Schätzungen wird die Weinmosternte in Deutschland – durch Frostschäden, Hagel und fäulnisbedingte Traubenselektion – heuer nur bei rund 7,5 Mio. hl liegen (–18 %).

In der gesamten Europäischen Union wurde 2017 rund 14,4 % weniger Weinmost eingelagert als 2016. Vor allem die großen Erzeugerländer wie Italien, Frankreich und Spanien haben massive Ernteeinbußen zu verzeichnen.

In Franken wird hingegen mit einer Mengensteigerung von 2 bis 3 % gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Vor diesem Hintergrund ist für LWG-Präsident Dr. Hermann Kolesch ganz klar: „Franken ist der Gewinner 2017!“

Auch interessant