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Nationalpark

Auch Frankenwald auf der Liste

Frankenwald
BLW
am
29.05.2017

Frankenwald - Die Region wird von der Staatsregierung als weiterer möglicher Nationalpark ins Gespräch gebracht.

Neben Spessart und Rhön ist nun auch der Frankenwald als dritte fränkische Region ins Visier der Nationalparksucher geraten. Er wird auf Wunsch aus der Region in die laufende Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern einbezogen. Das teilte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf mit: „Ich freue mich über dieses positive Signal aus der Region. Der Frankenwald soll in die Suche nach einem Standort für einen dritten Nationalpark in Bayern aufgenommen werden.“ Scharf dankte in diesem Zusammenhang vor allem dem CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner. Dessen Engagement im Frankenwald habe den Weg für weitere Schritte bereitet.  
Baumgärtner sieht in der Region im Frankenwald „im Kern vier ausgeprägte Kompetenzen“: eine wunderschöne und wertvolle Natur, eine äußerst innovative Industrie, starke mittelständische Unternehmen sowie engagierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Eine mögliche Nationalparkkulisse Frankenwald wäre Teil des Naturraums Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge und würde grenznah zu Thüringen liegen. Das Gebiet Frankenwald ist naturschutzfachlich charakterisiert durch störungsarme und wenig zerschnittene große Waldgebiete. Naturschutzgebiete, Naturwaldreservate und Teile eines FFH-Gebiets kommen im Gebiet vor. Der Frankenwald zeichnet sich durch ein bundesweit herausragendes Schwarzstorch-Vorkommen aus. Ein Nationalpark Frankenwald wäre ein Entwicklungsnationalpark. Das grenznahe Nationalparkgebiet wäre an das bundesweite Biotopverbundsystem Grünes Band angebunden.
Die beiden bestehenden Nationalparke in Bayern in Berchtesgaden und dem Bayerischen Wald ziehen pro Jahr knapp 3 Mio. Gäste an. Die Wertschöpfung geht inzwischen auf jährlich 70 Mio. € zu – Geld, das in den Regionen bleibe, so die Umweltministerin. Außerdem entstünden wertvolle Arbeitsplätze in der Region und in den Nationalparken selbst: Allein in den Nationalparken Bayerischer Wald rund 200 und in Berchtesgaden rund 90.
Für einen Nationalpark sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben mindestens 10 000 ha Fläche erforderlich. Die Einbeziehung des Frankenwalds in die Nationalpark-Suche habe keine Auswirkungen auf den laufenden Dialog mit den anderen Regionen, wird vonseiten des Ministeriums betont.
„Die CSU hat offensichtlich Torschlusspanik bei der Nationalparksuche“, vermutet der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag und umweltpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Dr. Christian Magerl. Nur so kann er sich den jetzt spät ins Gespräch gebrachten Standort Frankenwald erklären. Da die CSU bei den anderen Standorten auf Widerstand stoße, suche sie für die im Juli geplante Entscheidung verzweifelt nach Alternativen.
„Naturschutzfachlich unterscheidet sich dieses Gebiet nur wenig vom vorhandenen Nationalpark Bayerischer Wald“, so Magerl unter Verweis auf den hohen Fichtenbestand in dem klassischen Wirtschaftswald. Bayern bekäme mit dem Frankenwald letztlich nur einen „Entwicklungsnationalpark“, der erst auf sehr lange Sicht von Wert wäre.
Eine Machbarkeitsstudie für den Frankenwald würde Magerl indes unterstützen – „wenn die CSU-Regierung endlich alle infrage kommenden Standorte gleich behandelt und auch den Steigerwald mit untersucht.“ Die Landtags-Grünen sehen im Steigerwald nach wie vor das naturschutzfachlich größte Potenzial.
Auch nach Ansicht der SPD-Umweltpolitiker ist der Frankenwald nicht als Standort für einen Nationalpark geeignet. Der oberfränkische Landtagsabgeordnete Klaus Adelt hält die Ankündigung von Umweltministerin Scharf, die Region in das Auswahlverfahren aufzunehmen, für ein durchsichtiges Manöver: „Die Ministerin geht nicht nach fachlichen Gründen vor, sondern fügt sich brav in die Wünsche der örtlichen CSU-Abgeordneten. Dort wo kein Widerstand zu erwarten ist, wird ein Nationalpark propagiert – und sei der Standort noch so ungeeignet.“

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