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Waldbesitzerinnen

Die Frau von Welt arbeitet im Wald

Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
27.05.2016

Ketschendorf - 3000 Frauen sind allein in den Landkreisen Bamberg und Forchheim Waldbesitzerinnen. Für sie gab es vor Kurzem den ersten Informationstag.

Einen Informationstag für Waldbesitzerinnen hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg/Forchheim erstmals angeboten. „Allein in den Landkreisen Bamberg und Forchheim gibt es 3000 Frauen, die Wald besitzen“, sagt der Leiter des AELF Dr. Andreas Knorr. Doch die haben sich bei bisherigen Veranstaltungen offenbar nicht angesprochen gefühlt. Deshalb wurden sie nun ganz gezielt eingeladen zu dem gemeinsamen Infotag in Ketschendorf mit der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und den Waldbesitzervereinigungen (WBV) Bamberg, Fränkische Schweiz, Kreuzberg und Steigerwald.
„Gezielt ansprechen“ war die Idee der Bamberger WBV-Vorsitzenden Angelika Morgenroth, die Niels Drobny vom Cluster Forst und Holz unterstützte. Er brachte für jede Teilnehmerin einen Wald-Ordner mit Basisinformationen mit.
Frauenfreundlich war auch das Programm mit Kinderbetreuung und Modenschau. Und das kam gut an: „So sexy kann Schutzbekleidung sein!“, staunte Helga Ebitsch. Auch Petra Weidner freut sich, dass die moderne Schutzausrüstung nicht mehr so schwer und sehr funktional ist. Einig sind sich die beiden Frauen, „wir gehen nicht in den Wald ohne Schnittschutzausrüstung, wenn die Motorsäge oder die Seilwinde mit dabei ist“. Die Informationen über Arbeitssicherheit wurden dennoch aufmerksam angenommen.
Aber auch die Förster an den vier Stationen im Ketschendorfer Wald konnten sich über einen hohen Grad an Aufmerksamkeit und aktivem Mittun freuen. Die stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link vertrat Landesbäuerin Anneliese Göller. Sie freute sich, dass sich so viele Frauen aktiv informieren, weil auch politisch vieles im Umbruch sei beispielsweise im Jagdrecht, in der Forstpolitik oder bei der Naturschutznovelle. „Vorsorgen, damit  keine Unfälle passieren, sodass wir keine Heil- und Reha-Maßnahmen brauchen“, rät Link und wünschte einen regen Austausch.
Bürgermeister Michael Karmann, der mit seinem Stellvertreter Erich Werner die Frauen in der „optimalen location“ begrüßte, rät den Frauen, „Netzwerke zu bilden“ und den Beruf als Berufung zu verstehen. Warum der Veranstaltungsort optimal gewählt war, das erklärte sich später von selber im Gasthaus Kramer. In der gemütlichen Scheune konnten sich die TeilnehmerInnen mittags aufwärmen und mit Rinderbraten stärken.
Zum anderen Teil erklärte Forstmann Peter Schreier, dass das rund 100 ha große Waldstück bis vor zehn Jahren im Besitz einer Immobilienmaklerin war, bevor die Gemeinde Buttenheim damit ihren Waldbesitz verdoppeln konnte. Immer am „Donnerstag ist Waldtag“ habe sich die Frau intensiv um ihren Wald gekümmert und begeistert dazugelernt.
Was Naturverjüngung ist, konnten die Frauen heute an ihrem Erbe sehen. Doch zunächst ging es ans Bestimmen: Welche Baumarten wachsen hier? Die Forstleute hatten dafür Standortkarten mitgebracht. „Der Standort beantwortet die Frage nach den möglichen Baumarten“, sagte Schreier.
„Wenn ich nur Stein hab - was pflanz ich da rein?“, fragte eine Frau, die auf dem Jura zu Hause ist. Ihr zeigte der Förster eine Stelle, an der einmal ein Zaun gestanden hat. Den staunenden Frauen zeigte sein Kollege Mathias Burkhard, welche Arten hier wachsen, und erinnerte sie an die staatliche Förderung, die es für Waldpflegemaßnahmen gibt.
Ohne menschliches Eingreifen würde hier ein „Eichen-Hainbuchenwald“ stehen. Doch auch weitere Baumarten „suchen sich einen Platz, wenn sie eine Chance kriegen“, sagten die Forstleute. Sie erklärten, wie sie solche Chancen schaffen, indem sie für Licht und Standraum sorgen.
Angesprochen werden auch umstrittene Fragen: „Das Rehwild sucht sich Pralinen“, erklärt Burkhard, die Eigenart, dass Rehe scheinbar gezielt seltene Baumarten verbeißen. Deshalb werden mehrere Möglichkeiten zum Baumschutz diskutiert.
Dass Schützen und Nützen auf der gleichen Fläche möglich ist, das ist ein Dauerthema. Konkret gezeigt wird es beispielsweise an zwei benachbarten Eichen: Die „kerzengerade“ schätzen die Fachleute auf einen Wert um die 2000 €, die benachbarte „zwieselige“ dürfe stehen bleiben, sie sei dick genug, dass der Schwarzspecht und die Fledermaus reinkann, wo der ausgebrochene Zwiesel fault.
Umstritten ist auch der Harvester-Einsatz, gerade bei den Frauen, die schweres Gerät im empfindlichen Ökosystem Wald mit Sorge sehen. Dass er „ohne bleibende Schäden“ möglich ist, zeigen Patrick Hammerschmidt und Ingrid Palecek von der WBV Bamberg auf einem Waldstück, das vor anderthalb Jahren mit moderner Großtechnik durchforstet wurde. „Weil die vergangenen drei Winter schwierig waren, haben wir überwiegend von Juni bis September Holz gemacht“, berichten sie. Auf trockenem Boden war das Holzrücken kein Problem. Das Prozedere auch nicht: Die WBV macht Pläne und bereitet die Bäume vor; mit dem O.k. des Besitzers kann der Harvester-Einsatz starten. Dafür hat sich die WBV zertifiziert, um auch rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Denn „wir wollen nicht nur einmal zu Ihnen rauskommen“, wie Hammerschmidt sagt. Im Einvernehmen mit den Besitzern wird auch das Holz vermarktet. Dank guter Preise war es in den letzten Jahren möglich, dass sich notwendige Pflegemaßnahmen rechneten. Das Erste-Hilfe-Set können die Waldbesitzerinnen getrost in der Jackentasche lassen. Denn der Harvester hilft vor allem beim Unfallschutz. Dennoch wird später bei einer Forstmodenschau alles gezeigt, „was die Frau von Welt im Wald braucht“.

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