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Wald

Gefahr durch Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner-Raupen_LWF
Jürgen Leykamm
am
17.06.2019

Der Eichenprozessionsspinner ist längst gerettet. Stand der unscheinbare Falter einst auf der roten Liste bedrohter Arten, haben die vier letzten warmen Jahre seine Ausbreitung begünstigt, die Bekämpfung ist äußerst schwierig. Was möglich ist, zeigte nun ein Abend am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Roth.

Roth - Die Hoffnung, dass ein kalter Winter dem Falter ein Ende setzen könnte, nahm den Zuhörern Gabriela Lobinger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) gleich zu Beginn: „Die Larve übersteht auch Temperaturen bis zu minus 28 Grad“. Für den Menschen gefährlich wird es, wenn sie geschlüpft ist. Dann vollziehen die Raupen ihre Prozessionen, bilden giftige Brennhaare aus, bis sie sich schließlich in Gespinsten verpuppen. Der ausgeflogene Falter wiederum wird von nächtlichen Lichtquellen angezogen, weswegen gerne Eichen in Siedlungsgebieten befallen werden. Die Nester bleiben jahrelang an den Bäumen hängen. Mit Fressfeinden alleine sei dem Schädling nicht beizukommen, so Lobinger. Wer unliebsamen Kontakt zu ihm oder seinem Nest hatte, kann dies an Reizungen von Haut und Schleimhäuten, Augenentzündungen, Fieber oder Kreislaufproblemen spüren. Die Sensibilität nehme dabei bei jedem Aufeinandertreffen auch noch zu.

Die jetzige Rechtsunsicherheit trifft vor allem private Waldbesitzer. Wer auf der sicheren Seite sein wolle, müsse vor allem aufklären: Etwa mit einem Schild vor der Gefahr warnen. Ein Eigentümer, der dies versäumt hatte, sah sich mit einer Schadensersatzklage eines Heuschreckenzüchters in sechsstelliger Höhe konfrontiert, berichtete Harald Schiller, kommissarischer Leiter des Forstbetriebs Allersberg – das Gras einer benachbarten Wiese machte als Futter den Tieren des Züchters den Garaus.

In den vierstelligen Bereich können die Kosten für die mechanische Entfernung durch Absaugen gehen, was aber nur eine maximale Erfolgschance von 80 % biete. Dringend abzuraten sei vom Abflammen der Nester, „denn die explodieren dann förmlich!“ warnte Lobinger. Reagiert werden müsse an Badeseen, notfalls auch mit Insektizid. Im Rother Freibad setze man auf wöchentliche Kontrolle und Absaugen. „Von der Spritzerei halte ich überhaupt nichts“, sagte Richard Radle, Kreisgeschäftsführer des Bundes Naturschutz. Ein Versuch mit Gifteinsatz im Schwabacher Stadtwald habe gezeigt: „Die seltenen Arten sind alle gestorben, der Eichenprozessionsspinner hat überlebt“.

Claus Rammler von der Höheren Naturschutzbehörde machte ähnliche Erfahrungen an seinem Heimatort Absberg. Spritzen sei lediglich eine gute Methode für Firmen, um Geld zu verdienen. Wer im eigenen Wald Platz für Kindergartenkinder schaffe, müsse sich unter Umständen mit klagenden Eltern auseinandersetzen. Hier gelte es zu lernen, Vorsicht walten zu lassen – ebenso wie bei Zecken. Jürgen Leykamm

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