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Windpark

Dem Gegenwind entgegengestemmt

Windpark Streu-Saale
Regina Vossenkohl
am
16.10.2017

Unsleben - Die Windpark-Genossenschaft Streu & Saale hatte bis zur Eröffnung viele Hindernisse zu überwinden.

Der Windpark Streu & Saale konnte vor Kurzem endlich seiner Bestimmung übergeben werden. Damit leistet auch der Landkreis Rhön-Grabfeld einen Beitrag zur Energiewende, die ohne Windkraft als einem wichtigen Standbein innerhalb des Energiemixes nicht gelingen kann.

Als Ministerpräsident Horst Seehofer von 1.500 Windkraftanlagen sprach, die in Bayern benötigt werden, herrschte allgemeine Aufbruchstimmung im Bereich erneuerbare Energien, unter anderem nach dem Motto „Landwirte als Energiewirte“. Vor diesem Hintergrund gründeten sich 2012 die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energie-Genossenschaften (FWR) in sechs Gemeinden, die als FWR-Windpark eG unter der Leitung von Peter Schmitt 18 Windkraftanlagen errichten wollten. Ein Windpark in der Hand von Bürger-Genossenschaften war die Idee. Und scheinbar beste Voraussetzungen für ein Projekt, das die Genossenschaften gemeinsam mit der Agrokraft GmbH mit den Geschäftsführern Michael Diestel und Mathias Klöffel stemmen wollten.
Doch dann kam die Kehrtwende: im Juli 2013 eine „Verhinderungsgenehmigung“, wie Michael Diestel, der auch Geschäftsführer des BBV-Kreisverbandes Rhön-Grabfeld ist, bei der Einweihungsfeier rückblickend erwähnte. Statt der geplanten 18 Windkraftanlagen sollten laut Genehmigungsbehörde im Landratsamt nur zwölf zugelassen werden und diese mit strengen Auflagen im Falle der Entdeckung einer brütenden Wiesenweihe, was lange Abschaltzeiten im Sommer bedeuten würde. Die Untere Naturschutzbehörde und das Landratsamt waren intensiv in die Planungen einbezogen worden. Umso unverständlicher waren die als völlig überzogen empfundenen Auflagen, zumal die Planer bereits wegen des Vogelschutzes auf sechs der ursprünglich geplanten Windräder verzichtet hatten. Das Entfallen von weiteren sechs Anlagen stellte die Wirtschaftlichkeit in Frage, deshalb wurde das restliche Geld mit Zustimmung der Genossenschaften für eine Klage vor dem Verwaltungsgericht wegen überzogener Auflagen verwendet. Insgesamt hatten die 490 Mitglieder der Genossenschaften und alle Investoren bis dahin rund 1 Mio. € investiert.

Langer Atem war nötig

Windpark-Streu-Saale

Die Genossen hätten einen „gigantischen Gemeinschaftsgeist“ gezeigt, so Diestel, allen voran Peter Schmitt, der nie aufgegeben hat. Als das Projekt „praktisch tot war“, wie Diestel formulierte, kam der Anlagenhersteller „Senvion Deutschland GmbH“ mit ins Boot. Die Finanzierung des am Ende realisierten Windparks mit zehn Anlagen vom Typ Senvion 3.2 mit einer Nabenhöhe von 139 m gelang mit Hilfe der Deutschen Kreditbank.

Angesichts der Klimaerwärmung und der verheerenden Wetterphänomene könne es ein „Weiter so“ nicht geben, erklärte Jochen Magerfleisch, Vizepräsident von Senvion Europa, beim Einweihungsfest, bei dem die vielen Gäste die Gelegenheit nutzten einen Blick ins Innere der Türme zu werfen. „Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um den Ausstoß des klimaschädlichen CO2 zu reduzieren“, sagte Magerfleisch. Raus aus Kohle und Atom sei die Devise. Er bedankte sich für die Riesenunterstützung durch viele Menschen und lobte Projektleiterin Andrea Gütschow, die maßgeblich dazu beigetragen habe, dass das Projekt in acht Monaten Bauzeit fertig war. Die größten Helden seien jedoch die Arbeiter, „die Männer ohne Nerven“.

Den Segen Gottes für das Projekt erbaten in einer kurzen Andacht Dekan Dr. Matthias Büttner und Pfarrer Thomas Menzel, die das Bewahren der Schöpfung als Aufgabe des Menschen sehen. Man habe sich die Windkraft schon immer zunutze gemacht, so Dekan Büttner. „Auch der rote Milan ist lernfähig, aber wir können uns nicht an die Erderwärmung gewöhnen“, ist der Dekan überzeugt. Man habe heute die Einsicht, dass man neue Wege gehen und dabei Schaden und Nutzen abwägen müsse.  

Unslebens Bürgermeister Michael Gottwald freut sich, dass das Projekt über Umwege doch noch geklappt hat. Sein besonderer Dank galt Peter Schmitt und der Agrokraft. „Ohne sie wären wir auf halber Strecke stehen geblieben.“ Der Windpark sei ein weiterer Schritt in Sachen erneuerbare Energien in seiner „Vorzeigegemeinde“ gemeinsam mit Mittelstreu. Der Anblick der Kühltürme des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld habe ihm Angst gemacht – im Gegensatz zum Anblick einer Windkraftanlage. Jetzt sei es aber an der Zeit mit Vorurteilen aufzuhören und Sachargumente zählen zu lassen. Eines sei klar: „Ein Zurück gibt es nicht mehr, irgendwann gehen die fossilen Energieträger sowieso zu Ende.“ Auch der Bürgermeister von Mittelstreu, Matthias Liebst, wünscht sich, dass die Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern wieder geschlossen werden.

Peter Schmitt und Projektleiterin Andrea Gütschow freuen sich über den gelungenen Windpark, dessen kaufmännische und technische Betriebsführung ab jetzt die Fa. Wust – Wind & Sonne mit Geschäftsführer Erich Wust übernimmt. Einige Windkraftgegner hatten sich eingefunden, sie mussten ihre Protestplakate aber vor dem Festgelände ausrollen.

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