Login
Seltene Rassen

Gelbe Franken sind ein Stück Heimat

Gelbvieh Mittelfranken
Fritz Arnold
am
12.03.2018

Der Gelbviehzuchtverband fordert bei den Mitgliederversammlungen in Ipsheim und Fiegenstall höhere Zuschüsse für den Erhalt der Rasse.

Die Zahl der Gelbviehtiere geht stetig zurück. Die gelben Franken sind mittlerweile eine „absolut gefährdete Rasse“. Zuchtleiter Albrecht Strotz und Zuchtverbandsvorsitzender Hans-Jürgen Regus verstehen deshalb nicht, dass es für die ebenfalls gefährdete Rasse Pinzgauer mehr Zuschüsse gibt, obwohl diese Population noch einen höheren Tierbestand als das Gelbvieh aufweist.

Wie aus den beiden Mitgliederversammlungen der Abteilung Nürnberg des Gelbviehverbandes hervorging, ist die Zahl der Herdbuchtiere zum Stichtag 30. September 2017 nochmals um 117 auf 1507 Herdbuchkühe zurückgegangen. 2001 waren es noch rund 7000 Stück.

Der Rückgang hänge letztlich mit dem Abstand in der Milchleistung im Vergleich zu anderen Rassen zusammen. Während das Gelbvieh auf eine Durchschnittsleistung von 5525 kg Milch im Jahr kommt, sind es beim Fleckvieh 7787 kg Milch und bei den Schwarzbunten 9028 kg Milch.

Mehr vermarktet und höhere Preise erzielt

Gelbvieh Mittelfranken

Beim Zuchtviehverkauf und den dabei erzielten Preisen waren jedoch im letzten Jahr Steigerungen zu verzeichnen. Bei den Auktionen stieg die Zahl der verkauften Bullen um sechs auf elf Stück; beim Jungvieh wurden sogar 63 Tiere mehr vermarktet – insgesamt waren es hier 95 Stück. Auch die Kälberpreise haben sich laut Hans-Jürgen Regus gut entwickelt. Dabei sei festzustellen, dass das zunehmende Heimatgefühl offensichtlich dazu beitrage, dass manche Milchbauern wieder 4 bis 5 % Gelbvieh einstellen.

Mit dem verbesserten Heimatbewusstsein und der wachsenden Bedeutung der regionalen Herkunft von Lebensmitteln hofft der Verband auch, von der sich ausbreitenden Slow-Food-Bewegung profitieren zu können.

Der vor 20 Jahren in Rom entstandenen internationalen Bewegung geht es darum, der heimischen Erzeugung mehr Wertschätzung durch entsprechendes Einkaufsverhalten entgegen zu bringen. Dazu gehöre auch, der ökologischen Nachhaltigkeit, einem geringen Energieverbrauch und handwerklichen Verfahren wieder mehr Bedeutung zuzumessen.

Ein Beispiel dafür sei das gewachsene Bewusstsein für hochwertige Grünlandprodukte wie Milch und Fleisch aus Weidehaltung oder von bodenständigen Rassen. Dabei stehen auch Milch und Fleisch vom Gelbvieh nach dem Grundsatz Qualität vor Quantität im Fokus.

Das Gelbvieh in den Fokus rücken

Dieter Popp aus der Region Altmühlfranken zeigte auf, was dort an Initiativen gestartet wurde. Diese reichen vom Jura-Fleisch und Jura-Milch bis hin zu Genussführer-Gasthäusern und Genussführer für handwerkliche Lebensmittelverarbeitung.

Neben laufenden Aktionen seien in Altmühlfranken Projekte für fränkisches Gelbvieh, das Ansbach-Triesdorfer Rind, alte Obstsorten und fränkische Küchel geplant. Im April gibt es zum Beispiel beim Landgasthof Schäfer in Enderdorf am See ein fränkisches Gelbviehmenü mit vier Gängen. In der Güsseldorfer Gastwirtschaft Zur Einkehr werde heute schon Fleisch aus Gelbvieh besonders ausgewiesen.

In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr zeigte sich Vorsitzender Regus recht zufrieden. Weil es immer wieder genügend geregnet hatte, waren vier bis fünf Schnitte auf den Wiesen möglich und es konnte eine Top-Silage erzeugt werden. Regus stößt sauer auf, dass weite Teile der Bevölkerung glaubten, über die Landwirtschaft Bescheid zu wissen, obwohl sie oft keine Ahnung hätten.

Wie wichtig der Erhalt seltener Rassen ist, würdigten in Grußworten Landrat Helmut Weiß und MdL Hans Herold. Helmut Weiß hält selbst mit schweren sächsischen Warmblutpferden eine Tierart, die fast am Aussterben war. Hans Herold erinnerte daran, dass es in Bayern schon seit 1975 Hilfen zum Erhalt bedrohter Rassen und der bäuerlichen Vielfalt gebe.

Der stellvertretende Kreisobmann Heinz Weiskopf bedauerte, dass die Daten aus dem Mehrfachantrag nicht auf die Formulare für die Düngeverordnung übertragen werden könnten. Eine solche Möglichkeit würde  den Bauern eine Menge bürokratischen Aufwand ersparen.

Weiskopf sieht es als sehr problematisch an, dass sich eine ganze Jahresproduktion an Magermilchpulver in den Lagern befinde. Er appellierte an die Landwirte, nur Kälbermilch zu kaufen, in dem kein Kokos- und Palmfett verarbeitet ist. Würde in der Kälbermilch nur Milchpulver eingesetzt, könnte dies den jetzt wieder unter Druck geratenen Milchmarkt entlasten.

Auch interessant