Login
Milchviehhaltung

Generelles Anbindeverbot wäre der Todesstoß

Stallgespräch-N-Land_LF_2
Lorenz Märtl
am
11.02.2019

Dies betonte BBV-Kreisobmann Günther Felßner beim jährlichen Stallgespräch des Kreisverbandes.

Kersbach/Lks. Nürnberger Land Ein generelles Anbindeverbot für Milchvieh wäre für BBV-Kreisobmann Günther Felßner der Todesstoß für die kleinbäuerliche Landwirtschaft im Nürnberger Land. Dies betonte er beim jährlichen Stallgespräch des Kreisverbandes, zu dem man auf den Betrieb von Hans und Erika Schleicher, einen für das Nürnberger Land typischen Milchviehbetrieb mit Anbindehaltung, nach Kersbach eingeladen hatte. Betroffen vom Verbot wären vor allem die kleineren und mittleren Höfe, für die sich die Investition in einen Laufstall nicht lohnt oder jene Betriebe, die mitten im Dorf liegen und daher keine Möglichkeit zur Weidehaltung oder zur Errichtung eines Laufhofs haben. Räumliche Enge, finanzielle Ausstattung, geringe Aussicht auf die Genehmigungsfähigkeit von Neubauten oder fehlende Planungssicherheit z. B. durch unsichere Generationenfolge würden größeren Baumaßnahmen entgegenstehen.

Aktuell halten bayernweit noch rund 50 % aller milcherzeugenden Betriebe ihre Kühe in Anbindeställen, was sich auch im Landkreis Nürnberger Land widerspiegelt. Von den derzeit 127 Milchviehbetrieben im Landkreis mit insgesamt 5801 Kühen sind es exakt 60 mit 1367 Kühen (23,3%). Auf Mittelfranken bezogen ist das der höchste Prozentsatz. 2018 wurden hier insgesamt 1626 Betriebe mit 92 862 Kühen gezählt, von denen 13 527 Kühe noch in 553 Anbindeställen stehen. Die Statistik dokumentiert auch, dass der Strukturwandel ungebrochen ist und vor allem Milchviehhalter mit Anbindeställen aufgeben. 2018 waren es 78 Betriebe mit 1645 Kühen. Insgesamt verabschiedeten sich 109 Landwirte von der Milcherzeugung, was auf die Gesamtzahl der Kühe bezogen 1598 weniger bedeutet.
Im Anbindestall der Familie Schleicher stehen derzeit knapp 40 Milchkühe mit einem Stalldurchschnitt von rund 8500 l. Hans Schleicher, der auch im Vorstand der MEG Simmelsdorf sitzt, ist damit hochzufrieden. Den Besuchern präsentiert er im Stall eine Milchviehherde in einem sehr guten Zustand, die sich sichtlich wohlfühlt. Der Stall wurde in den 70er-Jahren noch von Schleichers Vater gebaut und von ihm erweitert. „Für uns zwei reicht es“, sagt er mit einem Blick auf seine Frau. Sie werden irgendwann auch aufgeben, damit haben sie sich abgefunden, nachdem keine der drei Töchter den Betrieb weiterführen wird.

Bei dem Gespräch innerhalb der Kreisvorstandschaft wurde deutlich, dass gerade die vielen kleineren und mittleren bäuerlichen Familienbetriebe das wirtschaftliche Leben im ländlichen Raum wesentlich mitgestalten. „Wer die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Zukunft will, der muss auch weiterhin Milch aus Anbindehaltung tolerieren“, stellte Kreisobmann Felßner unmissverständlich fest. Er warnte abschließend eindringlich davor, die Entwicklung weg von der Anbindehaltung mit einer Fristsetzung – ob vom Staat oder von der Marktseite verlangt – über das Knie zu brechen, wohlwissend. „Wir stehen zur Weiterentwicklung, aber dies ist ein dynamischer Prozess, der behutsam vollzogen werden muss“, so Felßner. Der BBV sei gesprächsbereit, hier gemeinsam mit den Molkereiverbänden praxistaugliche Kriterien für die Kombinationshaltung zu definieren, die zukunftsfähig sind.

Auch interessant