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Initiative

Großprojekt gefährdet Existenzen

Salatreihen
BBV Nürnberg
am
16.04.2019

Fränkische Gemüsebauern gegen niederländische Salatproduktion.

Nürnberg/Wiesentheid Die familiengeführten Gemüsebaubetriebe aus dem Nürnberger Knoblauchsland verfolgen die Planungen des holländischen Großinvestors „Deliscious“ in der unterfränkischen Gemeinde Wiesentheid im Landkreis Kitzingen mit allergrößter Sorge. Die Dimensionen der Hydroponikanlage, die auf einer Infoveranstaltung in Wiesentheid von den Brüdern Mark und Roy Delissen präsentiert wurde, haben viele der einheimischen Gemüsebaubetriebe erschreckt.
Bereits seit 2015 erzeugt ein Gemüsebaubetrieb in Franken im gleichen Anbauverfahren Salate mit Wurzelballen (Salatrio). Während in Wiesentheid eine solche Anlage mit einer Größe von fast 100 000 m² geplant ist, bedienen die bereits vorhandenen Erzeugungskapazitäten von 18 000 m² den gesamten bayerischen Markt. Darüber hinaus werden von dem bestehenden bayerischen Betrieb bereits jetzt schon einige Märkte in Baden-Württemberg mit diesen Produkten beliefert. Die geplante Salatfabrik hätte eine Kulturfläche, die in etwa sechsmal so groß wäre. Die Folge wäre ein fataler Verdrängungswettbewerb für den gesamten bayerischen Markt, der zu Lasten von vielen, seit Generationen existierenden bayerischen Familienbetrieben gehen würde. Mehr noch: Eine Produktionsfläche in dieser Größenordnung hätte Auswirkungen weit über die bayerischen Grenzen hinaus. Zudem wird ein Betrieb dieser Größenordnung auch den Salatanbau im Freiland verdrängen.
Darüber hinaus befürchten die fränkischen Gemüseanbauer, dass dieses Großprojekt ein Präzedenzfall wird – und damit zum Türöffner für weitere ausländische Investoren. Eine solche Entwicklung hätte massive Auswirkungen auf die nach wie vor von Familienbetrieben geprägten Strukturen im Gemüsebau, sowie die Erzeugung von Gemüse und frischen Lebensmitteln ganz generell.
„Die Gemeinde Wiesentheid wird aufgefordert, das Projekt nicht zu unterstützen!“, schreibt der BBV Nürnberg in einer Pressemitteilung. Bei der anstehenden Entscheidung sollten vielmehr die Zukunftsperspektiven der heimischen Familienbetriebe berücksichtigt werden. Bestens ausgebildete Gemüsegärtner erzeugen seit Generationen standorttreu und nachhaltig hochwertige Lebensmittel. Gleichzeitig haben sich die Betriebe stetig weiter entwickelt, „wir haben leistungsfähige und zu einem großen Teil genossenschaftlich organisierte Vermarktungsstrukturen etabliert“. Durch diese Anstrengungen konnten sich diese regionalen Gemüsebaubetriebe zu einem wichtigen Partner für den Lebensmitteleinzelhandel in der Region entwickeln.
Damit werde auch dem Verbraucherwunsch nach qualitativ hochwertigem und regional erzeugtem Gemüse von heimischen, familiengeführten Betrieben voll und ganz entsprochen. Durch das Projekt des niederländischen Großinvestors werde nun das gemeinsame und regionale Engagement vieler Gemüsebaubetriebe missbraucht, um unter dem Deckmantel regionaler Produktion Profit zu schlagen.
„Uns ist bewusst, dass die Gemeinde Wiesentheid hier nicht alleine Sorge tragen kann“, heißt es in der Pressemitteilung. Vielmehr sei die Politik gefordert, die bayerischen Strukturen zu schützen und die Sorgen der traditionellen Familienbetriebe ernstzunehmen.

Die geplante Salatfabrik hätte einen katastrophalen Verdrängungswettbewerb zur Folge.

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