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Aktionstag

Nicht jeden grünen Halm bekämpfen

Mechanischer Pflanzenschutz
Stephan Herbert Fuchs
am
03.07.2017

Bayreuth - An den Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) des Bezirks Oberfranken fand ein Aktionstag zur Unkrautregulierung statt.

Gerade während der Milchkrise haben sich viele Landwirte mit dem Gedanken getragen, auf Bioproduktion umzustellen, um einigermaßen auskömmliche Preise zu erzielen. Doch was ist dann mit der Unkrautbekämpfung? Muss man in jedem Fall spritzen, oder kann man durch Hacken und Striegeln auch mechanisch wirksame Unkrautbekämpfung betreiben?
Bei einem gemeinsamen Aktionstag beschäftigten sich die Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) des Bezirks Oberfranken, der Maschinenring Bayreuth-Pegnitz (MR), das Amt für Landwirtschaft Münchberg (AELF) und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mit Möglichkeiten der Unkrautregulierung und beleuchteten das Thema dabei von den verschiedenen Seiten.
Striegeln und Hacken, das sei nur ein Teil der Unkrautregulierung, so Philipp Minier von der Bioland-Beratung Bamberg. Beim Biobetrieb sei die Gesamtheit aller Maßnahmen entscheidend, sagte der produktionstechnische Berater, der etwa 225 Betriebe in ganz Nordbayern betreut. Die gesamte Bodenbearbeitung gehöre genauso dazu wie eine ausgewogene Fruchtfolge. Überhaupt liege für ihn die Lösung in der Fruchtfolge, denn man müsse schließlich nicht jeden grünen Halm bekämpfen.
Grundbaustein in der Fruchtfolge des Biobetriebs ist das Kleegras, so Landwirtin Julia Hartmann, die in Bad Berneck bei Bayreuth zusammen mit ihren Eltern einen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen und 70 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon 10 ha Mais, betreibt. 2012 wurde der Betrieb von konventionell auf biologisch umgestellt. „Bei uns ist Kleegras immer die Vorfrucht von Mais, weil es genug organische Masse hat, sodass das Bodenleben arbeiten kann“, sagte Julia Hartmann.

Auch die Biomilchviehbetriebe wollen auf Silomais nicht verzichten

Beim Maschinenring stellt man sich darauf ein, dass die Anzahl ökologisch arbeitender Betriebe kontinuierlich steigt. „Auch die Biomilchviehbetriebe wollen auf Silomais nicht verzichten“, sagte Martin Freiberger vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz. Er ging deshalb davon aus, dass die mechanische Unkrautbekämpfung beim überbetrieblichen Einsatz künftig die gleiche Entwicklung nehmen wird wie beim chemischen Pflanzenschutz in der Vergangenheit.
„Es geht ganz klar in die Richtung, Pflanzenschutz ohne Chemie zu betreiben“, sagte Werner Heller von der Landesanstalt für Landwirtschaft. Gespritzt werden müsse trotzdem, und zwar mit einer deutlich verbesserten und vergrößerten Technik. Die Auflagen würden immer rigoroser, deshalb müsse der Bauer immer sauberer spritzen. Nicht nur, weil die Öffentlichkeit sensibler geworden sei und Verstöße bußgeldbewehrt sind, Verstöße seien immer auch Cross-Compliance-relevant. Deshalb setze die Spritztechnik aktuell immer stärker auf intelligente und sensorengesteuerte Einzeldüsenschaltung, auf eine optimierte Gestängesteuerung, auf einen verbesserten Anwenderschutz etwa bei der Befüllung und Reinigung und nicht zuletzt auch auf das autonome Fahren. „Technisch ist alles möglich, aber es muss auch bezahlt werden“, so Heller.
Jeder Landwirt, der spritzt, dürfe nie aus dem Auge verlieren, dass die meisten Pflanzenschutzmittel dem Gefahrenstoffrecht unterliegen, darauf machte Gernot Sühler von der der Berufsgenossenschaft der SVLFG aufmerksam. Gerade bei Pflanzenschutzmitteln könnten Spätfolgen ein Thema sein, deshalb sollten die Bauern nicht nur Preis und Wirkungsweise im Blick haben, sondern immer auch den Personenschutz.
Sühler erinnerte auch daran, dass die richtige Lagerung der Mittel in einem abschließbaren, gekennzeichneten Schrank mit einem geprüften Feuerlöscher in unmittelbarer Nähe Cross-Compliance-relevant ist.
 

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