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Pflanzenschutz

Gut für Bienen und Raps

Andreas Grimm - F++hrung Winterraps
Joachim Peukert
am
01.07.2019

Landbautag in Röllbach: Insektenfreundliche Dropleg-Düsen stehen im Fokus

Vortrag Dr. Klaus Wallner

Der diesjährige Landbautag in Röllbach (Lks. Miltenberg) fand großen Zuspruch: Rund 180 Landwirte und Imker kamen zum Aussiedlerhof der Familie Grimm, die auch die Halle für die Veranstaltung bereit gestellt hatte. Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Karlstadt, Ludwig Angerer, begrüßte unter den Ehrengästen den Miltenberger Landrat Jens-Marco Scherf und den Präsidenten des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske aus Schwarzach.

Angerer bedankte sich bei den Familien Frank & Andreas Grimm für die Bereitstellung der Versuchsflächen und die Durchführung der Feldarbeiten. Die Wasserberaterin Evi Heilmeier vom Fachzentrum Agrarökologie am AELF Karlstadt demonstrierte anschließend eine Regensimulation bei Zuckerrübe, Sommergerste, Mais und Grünland. Es folgten Führungen durch die Demosortenversuche Getreide und Winterraps.
Mit großem Interesse verfolgten die Zuhörer den Vortrag von Dr. Klaus Wallner vom Institut für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Der passionierte Imker hat dort Landwirtschaft mit der Fachrichtung Pflanzenproduktion, Pflanzenbau, Pflanzenschutz studiert. Er leitet das Rückstandslabor, das sich mit den Einflüssen beschäftigt, die das Image der Bienenprodukte in Gefahr bringen könnten.
Allein in Deutschland gibt es an die 550 Bienenarten. Die sogenannten Solitärbienen können nur 50 bis 100 m weit von ihrem Nistplatz zu ihren Nahrungsquellen fliegen, im Gegensatz zu den Honigbienen, die durchaus 6 bis 12 km auf Nahrungssuche unterwegs sein können. Dreiviertel aller Wildbienen leben im Boden. Um ihr Überleben zu sichern, bedarf es vieler blühender Pflanzen, Blüten, Stauden, Gärten, Sträucher im Wald und Baumarten wie die Edelkastanie oder Winterlinde.
52 % der Wildbienen seien bedroht. Sie haben ihr Habitat verloren, das heißt, die Nähe zu den Pflanzen, die sie für ihr Überleben brauchen. Ohne diese Bienen sterben durch die fehlende Bestäubung Pflanzen aus. Seit den 60-er Jahren sind 80 % der Hummel- und Bienenpflanzen drastisch zurückgegangen. Es fehle heute vielerorts an der früheren Heubewirtschaftung, die die Artenvielfalt der blühenden Pflanzen und Kräuter erhalten hat. Der Raps sei als eine der wenigen Bienenpflanzen in der Landwirtschaft übrig geblieben.

Dropleg-Düsen halten Blüten wirkstofffrei

Anhand der Rückschlussanalytik mit vielen tausend durchgeführten Proben hat Wallner herausgefunden, dass die Rapsblütenbehandlung die wichtigste Ursache ist für Wirkstoffströme in das Bienenvolk, beispielsweise in die Futtervorräte. Mit den von Wallner mitentwickelten Dropleg-Düsen wird versucht, die Spritzmaßnahme in die Blüte des Rapses so zu gestalten, dass möglichst wenig Wirkstoff zu den Bienen gelangt. Das Spritzmittel wird unterhalb der Blütenebene appliziert. Die Düsen tauchen etwa 40 cm tief in den Bestand ein. „Das heißt, dass die Blüten im Grunde genommen wirkstofffrei sind“, erklärte er.
Der Landwirt Matthias Ullmer aus Heppdiel führte im Anschluss seine moderne Spritzmaschine mit Dropleg-Düsen vor, die sich in Zukunft als eine Alternative im Pflanzenschutz etablieren könnte. Ein Fazit des Landbautages war, dass moderne Landwirtschaft und Imkerei in Bezug auf Natur- und Umweltschutz keine Gegensätze darstellen müssen.
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