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Betriebsbesichtigung

Mit Heil- und Gewürzpflanzen erfolgreich

Kräuter-Betrieb
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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
30.10.2017

Der vlf Mittelfranken hatte zu seiner diesjährigen Vorstands- und Hauptausschusssitzung auf den Aussiedlerhof der Familie Funke eingeladen.

Das ist einer, der ist mit Leib und Seele bei der Sache. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn Wilfried Funke von seiner Arbeit erzählt. Der vlf (Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung) Mittelfranken hatte zu seiner diesjährigen Vorstands- und Hauptausschusssitzung auf den Aussiedlerhof der Familie Funke eingeladen. „So konnten wir gleich vollzählig anfangen“, freute sich Günther Lang später. Der mittelfränkische vlf-Vorsitzende führte durch die anschließende Sitzung, gemeinsam mit Hannelore Paulus, der Vorsitzenden der Frauengruppe.

Doch zunächst folgten die Besucher/-innen gebannt einer interessanten Betriebsführung. „Einfach probieren“ und „sich mit den Kollegen austauschen“, das sind zwei Grundsätze, die das Arbeitsleben von Wilfried Funke und seiner Frau Friederike spannend machen.

Die Diskussionen in der Familie „mach mer’s oder mach mer’s net“ sicherlich auch. Die beiden Söhne Johannes und Stefan haben sich zu einer Zukunft in dem hochspezialisierten Betrieb entschlossen. Stefan studiert derzeit an der Uni Weihenstephan, Johannes arbeitet bereits in Teilzeit mit.

Friederike Funke hält im Büro engen Kontakt zur Abnehmerfirma Martin Bauer KG in Vestenbergsgreuth sowie zu den Biobetrieben, für die der Betrieb Funke als Dienstleister die Lohntrocknung übernimmt. „Sie kriegt alles ab“, sagt Wilfried Funke, doch bei den Besuchern überwiegt der Eindruck „die sind ein richtig gutes Team“.

Heil- und Gewürzpflanzen als Standbein

Kräuterbetrieb

Auf zwei Tischen geben Kostproben einen kleinen Eindruck von dem, was hier geleistet wird. „I bin zwar kein Teetrinker, aber das hier schmeckt mir richtig gut“, outete sich ein klassischer Biergenießer. „Pfefferminze“, grinst Funke und erklärt, wie er Melisse und Minze teils über Wurzelausläufer, teils über Stecklinge in einem sandigen Acker vermehrt, der zuvor „möglichst sauber“ sein sollte.

Während er erklärt, zupfen seine Hände scheinbar ganz unwillkürlich, sorgfältig und behutsam aus einer frisch geernteten Pflanze einen optimalen Steckling. Das geht wie von selbst, darüber braucht er nicht nachdenken.

„Aber die Aussaat!“, seufzt er. Mal 800 g Saatgut pro Hektar, mal 2 kg/ha, das sei selbst für eine Gemüse-Sämaschine problematisch – wenn man denn überhaupt gescheites Saatgut herbekomme. Denn oft ist er auf Wildauslesen angewiesen, für die es in der Region erst die optimalen Anbaubedingungen zu finden gilt. Artischocken, Malven, Brennnesseln, Kapuzinerkresse werden derzeit verarbeitet.

Doch das kann sich schnell ändern. Ein Lehrling, der übernommen wurde und zwischenzeitlich seine Meisterarbeit macht, hat nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung geraten ,„mach 15 Hektar Sonnenhut und schmeiß alles andere raus“. „In einem anderen Jahr wären 12 Hektar Johanniskraut optimal gewesen“, sagt Funke, der seine Verantwortung auch darin sieht, das betriebliche Risiko zu minimieren.
Verantwortung, gegenseitiges Vertrauen und Menschlichkeit prägen auch den Umgang mit den acht Saisonarbeitskräften aus Rumänien, die sich das Jahr über abwechseln.

Gerhinschmalz in die Technik investiert

Heilpflanzen Gewürzpflanzen

„Ziemlich viel Gehirnschmalz“ habe er in die Technik investiert, erklärt er beim Rundgang durch die Trocknungshalle. Vor allem bei dem neuen Bandtrockner war es ihm wichtig, dass das Erntegut so schonend wie möglich bei einem vertretbaren Energieeinsatz getrocknet werden kann. „Und dass schnell wieder alles sauber ist“, sagt er.

Zwei Mann brauchen zwei Stunden, bevor die nächste Arznei auf das Band geladen werden kann, gehäckselt nach Bedarf. „Wurzeln und Lauch werden vorher noch gewaschen.“ Sieben, entstauben, Stiele und Blätter trennen, wiegen, lagern – alle diese Arbeitsgänge sind je nach Pflanze zu optimieren, Rückstellmuster nicht zu vergessen.

Ein großes Problem sei der Pflanzenschutz, denn die zugelassenen Mittel werden weniger. Und die Expertin der Landesanstalt für Landwirtschaft – zuständig für 50 Pflanzen – könne trotz ihres unglaublichen Engagements nichts an der Grundsituation ändern.

Gesundes Erntegut ohne Rückstände – dafür müsse man notfalls Ausfälle in Kauf nehmen. Andererseits berichtet Funke, „was bezahlt wird, wird gemacht“, auch wenn man sich hinterher manchmal fragen müsse, ob das alles sinnvoll war.

Branche Landwirtschaft brummt

Wie sinnvoll der Einsatz im eigenen Verband ist, das wurde bei der Sitzung hinterfragt. Der Einsatz für die möglichst wohnortnahen Schul­standorte zahle sich aus. „Die Frauen-Veranstaltungen laufen super“, so der einhellige Tenor der Kreisgeschäftsführer. „Dann laden wir die Männer mit ein!“, strahlte Hannelore Paulus.

Wie gut die Zusammenarbeit im Landesverband läuft, berichtete der Vorsitzende ebenfalls, bevor er Karl Eisen mit einem Geschenkkorb für sein über 50-jähriges Engagement im vlf dankte. Der 70-Jährige, der beim vlf Dinkelsbühl nicht zur Wiederwahl antrat, wird jedoch auf Landesebene weiterhin dahingehend arbeiten, dass „das Dorf der Zukunft auch noch Platz für seine Bauern hat“. Mittelfrankens VLM-Vorsitzende Elisabeth Henninger lud zum 50-jährigen Bestehen des Meisterverbandes Mittelfranken (VLM), das im nächsten Jahr gefeiert wird.

Grund zur Freude geben die stabilen Ausbildungszahlen. Auch mit den Fachschulbesuchern ist Schulleiter Fritz Gronauer-Weddige ebenso „super zufrieden“ wie die aktuell 50 Studierenden an der HLS, rund 150 Studierende in 6 Klassen der Technikerschule sowie 24 Damen an der Fachakademie. „Nach Triesdorf müssen nicht nur Spitzen-Leute kommen – fleißige, die sich reinschaffen wollen, sind uns sehr willkommen“, sagte er. Und: „Die Branche Landwirtschaft brummt.“

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