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Unwetter in Franken

Immense Schäden in Land und Wald

Sturmschäden Franken
Otmar Braun
am
24.08.2017

Fürth - Eine Sturm- und Hagelwalze hinterlässt im Landkreis Fürth zerstörte Feld- und Forstkulturen.

Immense Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und in den Wäldern schlug eine Sturm- und Hagelwalze im Landkreis Fürth letzten Freitagabend. Das Unwetter durchzog den Landkreis von Westen nach Osten auf einer Breite von sechs bis acht Kilometer, teilt der Bayerische Bauernverband Mittelfranken mit.
Der Schwerpunkt der Schäden befindet sich in der Marktgemeinde Cadolzburg, Seukendorf, der Stadt Fürth und umliegenden Gebieten. Die Schadenssumme war bis zum Redaktionsschluß noch nicht bezifferbar. Sie dürfte aber deutlich unter den Schäden liegen, die eine weitere Unwetterfront in den bayerischen Landkreisen Mühldorf, Altötting, Rottal-Inn, Passau, Freyung-Grafenau bis an die tschechische Grenze angerichtet hat.
Wie die Vereinigte Hagelversicherung mitteilt, hat die Kaltfront „Kolle“ am Freitag auch im Raum Bad Kissingen/Bad Königshofen Schäden in der Landwirtschaft verursacht. Geschädigt wurden vor allem Wald- und Obstbäume, Maisbestände und weitere Feldfrüchte wie Zuckerrüben und Futterpflanzen.
BBV-Vize-Präsident Günther Felßner und der Fürther BBV-Kreisobmann Peter Köninger machten sich kurzfristig vor Ort ein Bild der Schäden bei betroffenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben bei Seukendorf und Cadolzburg. „Die betroffenen Familien und Bauernhöfe haben jetzt nicht nur die wirtschaftlichen Schäden zu verkraften, sondern stehen vor den Trümmern ihrer bislang erfolgreichen Feldarbeit“, stellten sie fest.
Nach den zwei Trockenheitsjahren 2015 und 2016 hatten sie sich über die guten Bestände gefreut, nachdem heuer der Regen reichlicher ausfiel. Damit sind die Bäuerinnen und Bauern zum Teil nun über drei Jahre hintereinander durch schädigende Witterungsereignisse getroffen.
Der starke Sturmwind blies murmelgroße Hagelkörner wie Geschosse in die Feldkulturen. Dabei wurden beim Mais die Blattflächen zerfetzt sowie die Stängel und selbst die Kolben stark beschädigt. Diese Verletzungen lassen die Pflanzen schnell austrocknen. Die Assimilationsflächen sind zerstört, Pilz- und Fäulnisbildung setzen bald ein.
Diese Flächen müssen frühzeitig – 4 bis 6 Wochen früher als üblich – notgeerntet werden, um noch mehr Verluste zu vermeiden. Die Ernte selbst wird trotz Technik wegen der geknickten und liegenden Pflanzen schwierig. Hier ist mit erhöhten Ernteverlusten zu rechnen. Auch stark geschädigte Futterflächen, wie Kleegras, müssen vorzeitig gemäht und siliert werden.

Sturmholz fordert Schwerstarbeit

Sturmschäden Franken

Der starke Sturmwind schlug Schneisen der Verwüstung im Forst, brach selbst große Bäume in einigen Metern Höhe wie Streichhölzer ab. Manche Kiefern kippten mitsamt den Wurzeltellern um. Was noch an Bäumen steht ist auch häufig stark gebogen oder gekippt und muss ebenfalls entfernt werden, da die Borkenkäfergefahr weiter akut ist. „Die Schäden im Wald machen die Arbeit von mehreren Generationen zunichte. Es braucht Jahrzehnte zur Regeneration eines neuen Waldbestandes“, erklärt Felßner. Davon abgesehen sei die Sturmholzaufarbeitung eine hochgefährliche und unfallträchtige Schwerstarbeit, die nur mit Spezialkenntnissen sicher zu erledigen ist.
Der Bayerische Bauernverband setzt sich mit Nachdruck für schnelle Hilfsmaßnahmen ein und bietet den betroffenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben tatkräftige Unterstützung an. Betriebe, die aufgrund der Unwetterschäden in Futtermangel geraten, werden auf die bestehende BBV-Futterbörse (www.bayerischerbauernverband.de/futterboerse) hingewiesen.
Betroffenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben wird dringend geraten, vor den Aufräumarbeiten der Schäden eine Schadenserhebung/Beweissicherung durchzuführen. Hierzu kann auf die BBV-Schätzer zurückgegriffen werden. Auf jeden Fall sollten auch eigene Fotos gemacht werden.
Im Wald ist vor Beginn der Aufräumarbeiten eine Schadensmeldung an die Steuerbehörden zu veranlassen, um Steuererleichterungen bei der zwangsweisen Holznutzung zu erreichen, die auch für das Borkenkäferholz gelten. Hierbei handelt es sich steuerlich um eine Holznutzung infolge höherer Gewalt, die mit einem vergünstigten Steuersatz veranlagt wird.
Der Bayerische Bauernverband wird gemeinsam mit dem Bayerischen Waldbesitzerverband einen umfassenden Forderungskatalog zur Bewältigung der Unwetterschäden an die Bayerische Staatsregierung richten. Es geht dabei im Wesentlichen um maschinelle Unterstützung von schwerem Gerät, steuerliche Erleichterungen, Erhöhung der Frachtkapazitäten, unbürokratische Herstellung von Lagerplätzen, kompletter Einschlagstopp bei den BaySF, unbürokratische und schnelle finanzielle Soforthilfe-Maßnahmen.

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