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Innovativer Vordenker

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Lorenz Märtl
am
15.07.2019

Gemüsebauer Peter Höfler hat rund um seine Gewächshäuser wahre Naturparadiese entstehen lassen nach dem Motto „Jeder Quadratmeter zählt“.

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Dass sich intensiver Gemüseanbau und Biodiversität nicht ausschließen, beweist die Höfler Gemüse GbR in Schnepfenreuth rund um ihre Gewächshäuser auf eindrucksvolle Weise. Was hier in den letzten Jahren umgesetzt wurde, sieht Peter Höfler jun. als „eine Win-win-Situation für die Natur und deren Lebewesen und die Gemüsegärtner“. Nun soll sein vorbildliches Beispiel für den Artenschutz Schule machen. Unter dem Motto „Jeder Quadratmeter zählt“ rührt er derzeit eifrig die Werbetrommel, es ihm nachzumachen, „denn dieses Thema, zu dem jeder seinen Beitrag leisten muss und kann, betrifft uns alle“, sagt Peter Höfler.

Artenvielfalt ist hier schon lange Thema

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Im Knoblauchsland ist das Thema Biodiversität nicht erst seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ aktuell. Peter Höfler, der auch Kreisobmann des Bauernverbandes für Nürnberg Stadt ist, verweist darauf, „dass wir Knoblauchsländer uns schon lange damit befassen, denn die Erhaltung der alten Kulturlandschaft liegt uns am Herzen. Sie ist ein wesentlicher Grund für die außergewöhnlich hohe Population von Bodenbrütern.“
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Was die Förderung der Artenvielfalt betrifft, ist Höfler ein innovativer Vordenker. In Dr. Reinhard Witt, einem freiberuflichen Biologen und naturnahen Grünplaner, der sich seit über 35 Jahren intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzt, hat er den richtigen Partner gefunden. Witt gilt auf diesem Gebiet als Koryphäe. Ab 2013 entstanden aus den ungenutzten Nebenflächen und monotonen Rasenflächen unter seiner Planung und Bauleitung artenreiche bunte Blumenwiesen, Säume und Hecken aus heimischen Wildsträuchern sowie Feuchtbereiche.

Ein Paradies für Tiere
und Pflanzen

Die Zahlen sind beeindruckend: 5630 m² Wildblumensäume und Wildhecken, 600 m² Naturteiche und Feuchtflächen, 3320 m² nährstoffreiche Blumenwiesen, 480 m² Blumen-Schotter-Rasen sowie 4994 m² Magerwiesen und Trockenstandorte. Weiter wurden 608 Wildgehölze mit 108 Arten, 32 regionale Obstbäume und 2196 Wildstauden mit 127 Arten gepflanzt sowie 16 350 Frühlingsblüher gesetzt. Totholz, Steinhaufen, Nisthilfen und Insektenhotels bieten zudem weiteren Lebensraum für Rebhuhn, Wild- und Sandbienen, die auf der Roten Liste stehende Natternkopf-Mauerbiene, Feldlerche, Ortolan, Distelfink, Laubfrosch, Tagfalter.
Gerade der letzte Abschnitt hat Modellcharakter. Als man 2015 ein neues Gewächshaus, eine Maschinenhalle und Mitarbeiterwohngebäude plante – auf einem Umgriff von 4,3 ha, davon 3 ha Gewächshaus – konnte man auf zusätzliche Ausgleichsflächen verzichten. Denn über die Bayerischen Kompensationsverordnung, eine Eingriffsausgleichsrechnung, in der nach einem Punktesystem heimische Blühpflanzen einen sehr hohen Wert haben, gelang es, den Ausgleich auf der vorhandenen Fläche zu schaffen. Weil deren Wertigkeit so hoch ist, konnte zusätzliche, wertvolle Fläche für die Produktion erhalten werden. Einen weiteren Vorteil sieht Höfler darin, dass hochwertige Flächen für die Biodiversität entstanden sind, die zudem weniger Pflegeaufwand erfordern.

Mehr Akzeptanz in der Bevölkerung

Die Vielfalt der Blühpflanzen, deren Farbenpracht sowie die Insekten- und Tierwelt, die hier neuen Lebensraum gefunden hat, begeistern auch die Spaziergänger und Radfahrer, die im Knoblauchsland unterwegs sind. Auf großen Schautafeln werden sie darüber informiert was hier alles so wächst, summt und zwitschert. Peter Höfler hat festgestellt, dass dies für eine gewisse Akzeptanz sorgt, „denn die Gewächshäuser kann ich nicht wegzaubern, die brauche ich für unseren Betrieb“.

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