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Widerstand

Im Konvoi gegen die Stromtrasse

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Stephan Herbert Fuchs
am
22.10.2018

BBV und Bürgerinitiative demonstrieren mit über 80 Traktoren bei Goldkronach gegen die HGÜ-Leitung.

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Mit einer Großdemonstration haben der BBV und die örtliche Bürgerinitiative gegen die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) demonstriert. Landwirte und ihre Familien aus dem Landkreis Bayreuth und den Nachbarlandkreisen Hof und Kulmbach waren mit über 80 Traktoren gekommen, um im Konvoi von den Ortschaften Kottersreuth und Leisau auf der Kreisstraße BT 12 an der Stadt Goldkronach und dem Ortsteil Nemmersdorf vorbei bis zum Kreuzstein zu fahren. Auf diesem Korridor könnte die Trasse nach den vorliegenden Informationen verlaufen.

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Man habe bewusst keine Kundgebung eingeplant, sondern wollte lediglich ein kurzes und prägnantes Zeichen gegen die flächenverschwendende und unnötige Trasse setzen, deren einziges Ziel es sei, Braunkohlestrom von Ost nach Süd zu transportieren, erklärten der stellvertretende Kreisobmann Harald Galster, BBV-Geschäftsführer Harald Köppel und Martin Förster für die Bürgerinitiative Goldkronach. Viele Bauern hatten ihre Fahrzeuge mit Transparenten und großen Plakaten geschmückt. „Monstertrasse – nein danke“, stand darauf, oder: „Die echte Energiewende braucht Stromspeicher und intelligenten Netzausbau, aber keine Gleichstrompassagen.“
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Als Hauptleidtragende einer Erdverkabelung bezeichnete Galster die Landwirtschaft. Die rund 2 m tiefen und etwa 20 m breiten Rinnen, die gegraben werden müssten, würden das Bodengefüge völlig durcheinander bringen. Hinzu komme eine Erwärmung des Bodens in der Nähe der Kabel um bis zu vier Grad Celsius. Nach den Worten von Martin Förster von der Bürgerinitiative „Goldkronach gegen den Südost-Link“ stelle die Leitung falsche Weichen in der Energiepolitik und verbrauche vor allem zu viel Fläche.
Von der Politik äußerte sich lediglich die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU) zu der Aktion. Sie wies darauf hin, dass der Netzbetreiber Tennet die Erdverkabelung mittlerweile mit einer boden- und flächenschonenden Technik ausführen kann. Dass dies dennoch einen erheblichen Eingriff darstellt, räumt sie aber ein. Deshalb habe die Staatsregierung in dem kürzlich geschlossenen Eigentumspakt auch die HGÜ-Leitung besonders herausgestellt und setze sich für wiederkehrende Entschädigungsleistungen betroffener Grundeigentümer ein. „Dadurch sollen dauerhafte Bewirtschaftungsnachteile verhindert werden“, erklärt Brendel-Fischer. Sie bezweifelt allerdings die Entbehrlichkeit der Trasse. Dies hätten mehrere unabhängige Expertisen bestätigt. Dass der alternative Intensivausbau von Biomasseanlagen, Flächenphotovoltaikanlagen und Windkraft als notwendiger Ersatz für Stromimporte auf keine gesellschaftliche Akzeptanz stoße, zeige sich regelmäßig.
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