Login
Erosionsschutz

Wie kann man Ansbach schützen?

Fritz Arnold
am
27.11.2017

Für die Bedrohung durch Starkregen und Erosion haben Landwirtschaftsschüler und ein Landwirt zusammen ein Konzept erarbeitet.

Erosion Ansbach

Wie kann verhindert werden, dass Extremniederschläge wie am 29. Mai 2016 große Schäden verursachen und die Fluten samt mitgeführten Schlamm in Vorgärten und auch Keller der angrenzenden Siedlung am Stadtrand von Ansbach eindringen? Mit dieser Frage haben sich inzwischen die Stadt und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) intensiv auseinandergesetzt. Vor allem die Landwirtschaftsschüler und Landwirt Werner Herding aus Grüb, der die oberhalb liegenden Flächen bewirtschaftet, waren es, die das nun der Öffentlichkeit vorgestellte Konzept erarbeiteten.

Wie die stellvertretende Klassensprecherin Gaby Hein erläuterte, haben insbesondere die Studierenden der Landwirtschaftsschule untersucht, welche Kulturen am ehesten in der Lage sind, die auf die Äcker niedergehenden Regenmengen zurückzuhalten und die Abschwemmung von Boden und Erde möglichst zu verringern und zu mindern.

Wenn es ganz extrem ist und innerhalb einer Stunde über 100 l Regenwasser auf den Quadratmeter  niedergehen, kann die Fluten nicht einmal eine Wiese oder Wald aufhalten, sagte Wolfgang Kerwagen vom AELF. Doch es gehe darum, Bewirtschaftungsweisen zu finden, dass der Boden möglichst viel Wasser aufnehmen kann, bevor es zu einem oberflächigen Abfluss kommt.

Zwischenfruchtanbau

Erosion Ansbach

Mittel der Wahl ist vor allem der Anbau von Zwischenfrüchten, der den Boden den Winter über bedeckt, erläuterte Landwirt Werner Herding, der die Flächen an der Konrad-Knörr-Straße gepachtet hat. So hat er auf dem Areal in sechs verschiedenen Mischungen insgesamt 20 Zwischenfruchtarten angesät. Mit „Multikulti“ kommt bei einer Mischung die Vielfalt im Namen treffend zum Ausdruck, in der unter anderem Alexandrinerklee, Seradella, Phacelia, Lein, Senf, Ölrettich, Bitterlupine, Wicke und Sonnenblume enthalten sind.

Neben der Wasserrückhaltung hat die Winterbegrünung per Zwischenfrucht weitere Vorteile. Denn sie dient als Bienenweide, Wildäsung, sammelt Stickstoff aus der Luft und fixiert ihn für die nachfolgende Frucht und sorgt durch die Durchwurzelung für eine gute Bodenstruktur.

Laut Werner Herding ist die Gefahr der Erosion besonders gegeben, wenn der Boden nicht durch Pflanzen bedeckt ist. Neben dem Mais im Frühjahr ist dies auch bei anderen im März/April bestellten Sommerfrüchten oder auch im August/September, wenn Wintergetreide frisch gesät ist, der Fall.

Deswegen wird jetzt im Maisanbau immer mehr dazu übergegangen, den Mais in den vom Frost im Winter  abgefrorenen Zwischenfruchtbestand einzusäen. Dabei bleiben Pflanzenreste auch auf dem Boden liegen und vermindern den oberflächigen Wasserabfluss, berichtete Herding.

Dabei kam er auch auf die aktuelle Diskussion um Glyphosat zu sprechen. Wenn nach milden Wintern die Zwischenfrucht und das Ausfallgetreide nicht abgefroren ist und Glyphosat nicht mehr zur Verfügung stehen sollte, sei der Landwirt zum Pflügen vor der Maissaat gezwungen, sodass dann die Gefahr der Abschwemmung von Erde bei starkem Regen weitaus größer ist.

Im untersten Bereich der nach unten zunehmend hängigeren Fläche hat Bauer Werner Herding zusätzlich Luzerne eingesät. Auf dem rund 20 m breiten Erosionsschutzstreifen kann keine Erde abgeschwemmt werden und bremst zusätzlich den Wasserabfluss von oberhalb. Der Luzernebestand bleibt voraussichtlich fünf Jahre lang stehen und der Aufwuchs wird an die Rinder verfüttert.

Einig waren sich die teilnehmenden Pflanzenbaufachleute, dass ein oberflächiger Wasserabfluss bei Stark­regenereignissen nur gebremst, aber nicht völlig verhindert werden kann.  Es sei nicht zielführend, nur auf uns Landwirte zu zeigen, sagte ein Bauer. Vielleicht, so seine Ansicht, sei bei der Planung der Bebauung des Hanges nicht genügend an eine Wasserrückhaltung gedacht worden. Thomas Vorholzer vom Tiefbauamt der Stadt sagte dazu, dass heute bei der Planung der Siedlung sicher anders vorgegangen würde.

Auch interessant