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Ernte 2018

Mehr Vertrauen in Landwirte setzen

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
23.07.2018

Das Fazit des Erntepressegesprächs in Oberfranken: Die Trockenheit macht Praktikern zu schaffen, Grünfutter und Stroh werden knapp.

Wir sind dankbar für die 40 Liter Regen, die zwei Gewitter innerhalb von 24 Stunden gebracht haben.“ Das sagte Harald Unger, auf dessen Betrieb in Leesau (Lks. Kulmbach) das diesjährige Erntepressegespräch des BBV Oberfranken stattfand.

„Bei uns hat es nur fünf Liter geregnet“, wusste BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger. „Und bei uns ist das Wasser sofort wieder verdunstet“, meinte Kreisbäuerin Gisela Opel. Eine typische Situation für ganz Franken. „Wo der Regen halt hingekommen ist“, schilderte Oberfrankens BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif, „von Dorf zu Dorf stehen die Bestände heuer so unterschiedlich, dass es ins Auge fällt.“ Gerade der Mais zeige, wo das Wasser noch ausgereicht habe und wo nicht. Die C4-Pflanze komme mit der seit April herrschenden Hitze noch am besten zurecht.
„Seit Anfang Mai haben wir Hochsommer“, sagte Unger, der im Mai und im Juni jeweils nur 35 mm Regen gemessen hat. Gemeinsam mit seiner Frau Heike hält er 80 Milchkühe. Wären nicht die Reserven aus dem letzten Jahr, würde die Futtersituation schlecht aussehen, denn es fehlt ein kompletter Schnitt. Und schon der zweite Schnitt sei „gar nix“ gewesen.
Für die Mälzerei Bamberg baut Unger auf 25 ha Sommerbraugerste und rund 20 ha Brauweizen an. „Die Ertragsschwankungen wären auszuhalten, wenn die Preise stimmen würden“, sagte Unger, der vor der Presse auch betonte, wie notwendig es wäre, Rücklagen über die Jahre fiskalisch auszugleichen.
Auf dem Jura ist die Ackerkrume zum Teil nur 15 cm hoch, „aber nicht der schlechteste Boden“. Unger ist deshalb zuversichtlich, seine Kühe auch heuer wieder satt zu bekommen. Stroh ist gefragt – nicht nur bei Pferdehaltern. „Wir hatten bei der Wintergerste von sechs Hektar nur neun Rundballen“, berichtet Löwinger. Wenige Körner, kurzes Stroh – das ist in vielen Teilen Frankens der Fall, sagt Greif, der auch die schlechte Wurzelentwicklung im feuchten Herbst 2017 dafür verantwortlich macht. Greif warf auch einen Blick auf die Marktverhältnisse und die Situation auf den Weltmärkten (siehe auch BLW 28, Seite 77). Beispielsweise bei Braugerste seien die Lager leer, aber die Preise noch nicht angesprungen, obgleich die Erträge nach unten korrigiert wurden. Etwa ein Drittel der bayerischen Braugerste stammt aus Oberfranken, informierte Dr. Wilhelm Böhmer, BBV-Direktor von Ober- und Unterfranken.
Auf die Frage einer Journalistin, warum die Bauern nicht bewässern, wird erklärt, dass sich der riesige Aufwand nur bei Gemüse, Kartoffeln und anderen Sonderkulturen lohnt. Auch über die Übergangsjahre der europäischen Agrarpolitik wird gesprochen.
„Wir leiden nicht nur unter der Bürokratie, sondern auch darunter, dass wir der Gesellschaft nichts recht machen können“, sagte Löwinger. Minderheiten diffamierten das Bild der Landwirtschaft. Deshalb sei die Anzahl der Ferkelerzeuger in Oberfranken von 380 auf unter 100 zurückgegangen. „Während früher Ferkel aus Oberfranken exportiert wurden, müssen die Mäster nun schauen, wo sie welche herbekommen“, erläuterte Böhmer. In dem Zusammenhang wurde diskutiert, unter welchen Schwierigkeiten gesetzliche Vorgaben beim Stallumbau berücksichtigt werden können. „Vielfach ist es einfacher, ganz aufzuhören, als einen neuen Stall zu bauen“, hieß es.
Die streng geregelten Bedingungen in Deutschland verteuerten die Produktion und hätten zur Folge, dass die Produktion ins Ausland verlagert werde. Deshalb wäre mehr Verlässlichkeit bei staatlichen Regelungen gefordert. Greif betonte: „Wir fordern mehr Verlässlichkeit der Politik und mehr Vertrauen in die Landwirte.“
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