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Waldbewirtschaftung

Nationalpark Rhön bleibt Reizthema

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
22.01.2018

Bei einem Gespräch in Oberthulba stellen Gegner und Befürworter ihre konträren Standpunkte dar.

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Gegen falsche Informationen wandte sich nun der Verein „Unsere Rhön – gemeinsam stark“ bei einem Mediengespräch. Vorangegangen war ein Vortrag Anfang Dezember, bei dem Prof. Dr. Hubert Röder sein Gutachten vorstellte, in dem er eindeutig gegen einen Nationalpark Rhön argumentiert. Darin heißt es in der Zusammenfassung: „Insgesamt erfüllen die ausgewählten Flächen in der Rhön nicht die Voraussetzungen zur Ausweisung oder zur Entwicklung eines Nationalparks nach geltenden Bestimmungen (insbesondere §24 BNatSchG). Die aktuellen naturschutzfachlichen Eigenschaften des Zielgebietes werden in der Kernzone eines Nationalparks negativ beeinflusst.“
Der Professor für Betriebswirtschaft nachwachsender Rohstoffe an der Fachhochschule Triesdorf-Weihenstephan stellt den Bayerischen Staatsforsten ein gutes Zeugnis aus: „In die Waldbewirtschaftung integrierter Naturschutz auf der gesamten Waldfläche (Integrationsmodell) ergibt höhere naturschutzfachliche Leistungen als ein Totalschutzgebiet (Segregationsmodell).“ Auch die Klimaschutzleistungen der Wälder in der Rhön könnten durch einen Nationalpark nicht ersetzt werden.
Wörtlich heißt es in dem Gutachten: „Die Stilllegung der Kernzone eines Nationalparks beeinträchtigt den regionalen Arbeitsmarkt und das Wertschöpfungsnetzwerk des Clusters Forst und Holz. Die Ausweisung eines Nationalparks in der Rhön gefährdet kurzfristig 545 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (SvB) und langfristig bis zum Jahr 2050 1117 SvB im Cluster Forst und Holz der Zielregion. Dies wäre kurzfristig mit einem Rückgang der regionalen Umsätze von 28 Mio. €/a und langfristig bis 2050 von 57 Mio. €/a verbunden.“
Dagegen setzen die Nationalpark-Befürworter die Außenhandelsbilanz für Laubstammholz, die sie jedoch „falsch interpretieren“, wie Erwin Kruczek, der zweite Vorsitzende des Vereins „Unsere Rhön“, sagt. „Sägefähiges Laubstammholz aus der Rhön wird fast ausschließlich von Säge- und Furnierbetrieben in Unterfranken verarbeitet.“ In den Export gehe Buchenindustrieholz, das in Österreich zu Fasern für die Bekleidungsindustrie verarbeitet wird und von der heimischen Sägeindustrie auf Grund der geringen Qualität nicht von Interesse ist.

Wenn der Nationalpark kommt, können wir zusperren

Werner und Sigrun Hohmann führen am Ritterhof in Wüstensachsen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einem forstlichen Lohnunternehmen. „Wenn der Nationalpark kommt, können wir zusperren“, sagen sie, die auch Verantwortung für ihre vier Beschäftigten tragen. Wolfram Vorndran spricht für ein Sägewerk in Oberleichtersbach: „Wenn der Rohstoff fehlt, haben wir keine Möglichkeit zu kompensieren.“ Das Bündnis sieht Möglichkeiten, wegfallende Holzmengen aus Kommunal- und Körperschaftswäldern zu ersetzen. Dem stellt der Verein entgegen, dass „alle Besitzkategorien in der Rhön ihre Holzeinschlagspotenziale bereits vollständig und nachhaltig nutzen“. Ausnahme sei der Klein(st)-Privatwald, in dem der Einschlag erst recht nicht gesteigert werden könne, weil die Waldparzellen zu klein und die Eigentumsverhältnisse unsicher sind.
„Jetzt sind bei uns Wildkatze, Schwarzstorch und Milan da – trotz der Bewirtschaftung“, sagt Reinhard Landgraf, der sich grundsätzlich für Naturschutz im Sinne von „schützen durch nutzen“ ausspricht. Ausdrücklich begrüßen die Vereinsmitglieder auch die Idee von MdL Sandro Kirchner, einen Haushaltstitel für das Biosphärenreservat einzurichten, dessen Möglichkeiten aus ihrer Sicht noch nicht ausgeschöpft sind.
Auch über die Situation am Arbeitsmarkt bestehen unterschiedliche Auffassungen. Die Vereinsmitglieder sehen die Arbeitsplätze von Beschäftigten, die in der Kernzone eines Nationalparks arbeiten, bedroht. Die nachgelagerten Wertschöpfungsstufen wären ebenfalls betroffen, wie Herbert Nowak am Beispiel der Europaletten schildert. Mit großer Skepsis sehen die Vereinsmitglieder Arbeitsplätze, die sich Nationalpark-Befürworter im Tourismus erhoffen. Sie fordern eine „umfassende Beurteilung eines möglichen dritten Nationalparks in der Rhön“, der zwingend eine sozio- und umweltökonomische Gesamtrechnung über die entstehenden regionalen Effekte enthalten sollte.

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