Login
Waldarbeit

Niemals alleine im Wald arbeiten!

Forstunfall
Franz Galster/LF
am
25.09.2017

Forchheim - Eine Rettungsübung in schwierigem Gelände zeigt eindrucksvoll auf, was bei Unfällen im Forst zu tun ist.

Forstunfall

Was tun, wenn jemand bei der Waldarbeit in schwierigem, unwegsamem Gelände verunglückt? Zur Rettungsübung hatte Revierleiterin Rita Satzger in den Stadtwald bei Ebermannstadt geladen. Sie ist Ansprechpartnerin für 4000 ha Privatwald, 500 ha Stadtwald und 120 ha Wald im Wiesenttal und hat ihr Büro im Schloss von Pretzfeld. „Bis Mai dieses Jahres gab es in Bayern bereits mehr Unfälle als das ganze Jahr zuvor“, berichtet sie. Ein Grund mehr, rasche und fachgerechte Hilfe zu trainieren.


Nach schweißtreibendem Aufstieg hatten alle Beteiligten den „Unfallort“ erreicht, um die Übung zu beobachten, deren Szenario feststand: In einem Steilgelände mit eingeschränktem Handyempfang verunglückt ein Mann. Ein Kollege hört seine Schreie, eilt zum Opfer und nimmt eine Erstversorgung vor. Er bringt ihn in eine geeignete Ruhelage. Dann holt er den Verbandskasten vom Unimog, legt fachgerecht einen Verband an  und setzt gleichzeitig einen Notruf ab. Er spricht immer wieder beruhigend mit dem Verletzten und versucht sicherzustellen, dass er bei Bewusstsein bleibt.
Nach dem Notruf kommt die Rettungskette in Gang: Mitarbeiter der Bauverwaltung markieren die Wegstrecke und stellen einen Lotsen für die Helfer. 20 Minuten später treffen zwei Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), kurz darauf zwei Mitarbeiter der Bergwacht Forchheim ein. Während die BRK-Helfer die weitere medizinische Versorgung vornehmen, bereitet die Bergwacht das Abseilen mit einer Bergtrage vor. Dann folgt der Transport über schwieriges Gelände zur Straße und zum Sanitätsfahrzeug.

Der Transport des Verletzten bis zum Rettungsfahrzeug erforderte gute 60 Minuten

Rettung im Wald


Weil alles nur eine Übung war, verfolgten viele aufmerksame Beobachter das Geschehen. Neben den Fachleuten vom BRK und der Bergwacht begrüßte Satzger den Leiter des Landwirtschaftsamtes, Rüdiger Schmittnägel, und den Sicherheitsbeauftragten Stefan Hanke vom AELF Bamberg, sowie Stefanie Mayer von der Forstschule Lohr a. Main. Ludwig Thiem von der Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz ist dankbar dafür, dass solche Übungen durchgeführt werden. Er erinnerte auch daran, wie notwendig eine fachliche Ausbildung beim Maschineneinsatz ist und appellierte an Privatwaldbesitzer, auf ihre Sicherheit zu achten.
Der Abtransport des Verletzten bis zum Rettungsfahrzeug des BRK erforderte gute 60 Minuten – und das, obwohl alle Helfer informiert waren und alles reibungslos verlief. Thiem erklärte, dass hier nur eine relativ kurze kritische Strecke am Hang zu bewältigen war, in der Praxis könne das Gelände oft viel schwieriger sein.
Nach einer Brotzeit im Rathaussaal von Ebermannstadt ging es an die Manöverkritik. Satzger lobte das Verhalten des Ersten am Unfallort, der mit Umsicht den Verletzten im Gespräch bei Bewusstsein und Ruhe hielt. „Ruhe bewahren und beim Absetzen des Notrufes an die Leitstelle präzise Angaben machen!“, rät sie. „Wo, wer, wie und was passiert ist“, muss die Leitstelle wissen. „Warten, ob noch Rückfragen kommen!“ Im Zweifelsfall sei es ratsam, gleichzeitig auch die Bergwacht und die Feuerwehr hinzuzuziehen, um nicht Zeit zu verlieren. Sie findet die Arbeit des Lotsen sehr wichtig und die Markierung, soweit möglich, sinnvoll.


Bereits vor Beginn der Arbeit im Wald sollte klar sein, wie eine Information notfalls möglich ist, besonders wenn Funklöcher existieren. Ein aktueller Verbandskasten muss immer greifbar sein, hilfreich sind aktuelle Erste-Hilfe-Kurs-Kenntnisse. Um Unfälle und Haftungsschäden bei Dritten zu vermeiden, müssen Wanderwege gesperrt werden. Hier sind Posten immer erforderlich. Grundsätzlich gilt: „Niemals alleine im Wald arbeiten.“

Auch interessant