Login
Haselnüsse und Direktvermarktung

Nougat, Öl, Geist und mehr

Haselnuss-Stiegler_LF-1
Fritz Arnold
am
03.06.2019

Tag der offenen Tür am Betrieb Stiegler, der Haselnüsse erzeugt und veredelt.

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist derzeit denkbar schlecht. Wie man Bauern und Verbraucher wieder besser zusammenbringen kann, dafür ist der Hof von Fritz und Sieglinde Stiegler samt den jungen und älteren Familienmitgliedern in Gonnersdorf bei Cadolzburg ein Musterbeispiel. Während der Hauptsaison von September bis Ende Dezember kommen von Mittwoch bis Samstag täglich 80 bis 150 Konsumenten auf den Hof. Sie kaufen hier nicht nur Rohprodukte, sondern vor allem veredelte Haselnussspezialitäten ein. Außerhalb der Öffnungszeiten können sich die Kunden an Automaten bedienen.

Haselnuss-Stiegler_B2_LF

Zum Tag der offenen Tür kamen nun zwischen 2000 und 3000 Besucher. So beispielhaft der Gonnersdorfer Betrieb für eine Erzeuger-Konsumenten-Beziehung ist, so klar ist aber auch, dass dies so nicht in allen Bereichen der Landwirtschaft umsetzbar wäre. Fritz Stiegler (57) war Pionier: Als sich in Franken ein Ende des Tabakanbaus abzeichnete, pflanzte er Haselnusssträucher an. Doch der Ertrag aus dem Verkauf der geernteten Haselnüsse hielt sich in Grenzen. Der Startschuss für eine Neukonzeption entwickelte sich aus einer Katastrophe heraus, bei der im Jahr 2014 der Hof abbrannte.

Der Landwirt hat sich auch als Romanautor und Verfasser von mehreren Musicals für die Cadolzburger Burgfestspiele einen Namen gemacht. Den Neubau schob vor allem sein Sohn Martin an, der nach seinem Studium in Triesdorf für ein Praktikum in den USA weilte. Dort lernte er, dass es besser wäre, die Haselnüsse selbst zu verarbeiten, statt sie als Rohware zu verkaufen.
Jetzt werden in Gonnersdorf die Haselnüsse geknackt und in der angeschafften Anlage geröstet. Die entwickelte Palette an Produkten reicht vom Haselnussnougat-Aufstrich über Haselnussöl und Haselnuss-Dinkelnudeln bis zum im Kastanienfass gereiften Haselnussgeist sowie ab September auch Lebkuchen.
Auch die Nebenprodukte des Haselnussanbaus werden verwertet. So werden Haselnussschalen zu Grillkohlen umfunktioniert oder dienen im Garten als Mulchersatz. Seit Kurzem genießen 800 Biohühner ihre Freiheit in den Haselnussfeldern. Ihr 18 m langes, fahrbares Zuhause und der eingezäunte Bereich werden alle drei Wochen weitergerückt. In 25 m breiten und 200 m langen eingezäunten Streifen picken die Hühner nicht nur das frische Grün, sondern auch Schädlinge wie den Haselnussbohrer auf. Zudem düngen sie mit ihren Hinterlassenschaften die Haselnussbäume.

Ein Musterbeispiel an möglicher Innovation

Für den Fürther Kreisobmann des Bauernverbandes Peter Köninger ist die Familie Stiegler ein Musterbeispiel an möglicher Innovation. Junior Martin Stiegler hat Landwirtschaft studiert und das für seinen Betrieb herausgesucht, was passt, in diesem Fall Bio, sagte Köninger.
Bei der Eröffnung des Tags der offenen Tür lobten Landrat Matthias Dießl, Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst sowie die Landtagsabgeordneten Hans Herold (CSU) und Barbara Fuchs (Grüne) das „Franken-GeNuss“-Konzept der Familie Stiegler in Gonnersdorf als ein Musterbeispiel, wie man Landwirtschaft und Verbraucher näher zusammenbringen kann.

Neben den 9,5 ha Haselnüssen hat der Hof 31 Pensionspferde, 12 ha Grünland und 35 ha Ackerland. Er befindet sich im dritten Jahr der Umstellung auf Bio.

Auch interessant