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Biologischer Pflanzenschutz

Per Drohne gegen Maiszünsler

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
09.09.2019

GPS-gesteuert werden Trichogramma-Kapseln ausgebracht.

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Sulzdorf/Lks. Schweinfurt Mit der Drohne gegen den Maiszünsler: Landwirtschaftsmeister Matthias Reß setzt auf den ökologischen Einsatz der Schlupfwespe (Trichogramma). „Der Maiszünsler bohrt sich von oben nach unten durch die Maispflanze oder in den Maiskolben“, erklärt er seinem Sohn Leonard und Korbinian Saar, seinem zukünftigen Auszubildenden. „Den Maiskolben können dann auch noch schädliche Pilze befallen, Fusarien, die in der Tierfütterung große Schäden anrichten“. Befallene Pflanzen knicken leichter um und sind dann schwerer zu beernten.
Etwa 4 % der weltweiten Maisernte – rund 41 Mio. t – werden jährlich durch den Maiszünsler vernichtet, schätzt Christoph Krapp, Pflanzenbauberater für Franken und die Oberpfalz bei der BayWa, die die Presse zum Drohneneinsatz auf dem Betrieb Reß eingeladen hat.
Um den Maiszünsler ohne Chemie zu bekämpfen, werden Eier und Larven der Schlupfwespe mit einer Drohne ausgebracht. Ungefähr eine Woche dauert es, bis die Schlupfwespenlarven im Maisfeld die Eier der Maiszünsler entdecken. Sie legen ihre eigenen Eier hinein und vermehren sich auf diese Weise weiter, während dem Wirtstier die Lebensgrundlagen entzogen werden.
Monitoring hilft, den optimalen Einsatzzeitpunkt festzusetzen, der zehn Tage vor dem Hauptzuflug des Zünslers ist. Dann kommt zum Beispiel Oliver Reichel von der Firma Bayerndrohne. Er befüllt die Drohne mit Trichogramma-Kapseln und lässt sie GPS-gesteuert über das Feld fliegen. Je nach Maiszünslerflug startet der Behandlungszeitraum Mitte Juni und endet Mitte/Ende Juli. Wegen des kühlen Frühjahrs sind die Zünsler jedoch heuer noch Mitte August aktiv.
70 bis 120 ha Mais pro Tag können beflogen werden, je nach Schlaggröße, Anfahrtsweg zum Einsatzort und Witterung. Pro Hektar werden zwei Mal 110 000 Schlupfwespen im Abstand von zehn bis vierzehn Tagen ausgebracht. „Biologie und moderne Technik bilden ein schlagkräftiges Bündnis, um die Maisernte umweltfreundlich zu sichern“, sagt Andreas Feser, Zielgruppenmanager Smart Farming/Digitale Lösungen bei der BayWa in Franken. „So wird der Maiszünsler nachhaltig bekämpft. Eine Resistenzbildung des Schädlings ist ausgeschlossen“.
Matthias Reß betreibt mit seinem Bruder Michael einen Bullenmastbetrieb, zu dem auch eine Biogasanlage mit 380 kW elektrischer Leistung und 420 kW thermischer Leistung gehört. 52 Haushalte in Sulzdorf sind an das Fernwärmenetz angeschlossen. Bewirtschaftet werden 240 ha, die mit Weizen, Dinkel, Wintergerste für die Rinderfütterung, Erbsen und Luzerne bebaut werden. Maximal 15 bis 20 % Mais werden angebaut. Vorgeführt wurde der Drohneneinsatz auch bei Elsa und Wolfgang Merkel in Igensdorf sowie außerdem bei Martin Scheiner in Stadelhofen.
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