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boden:ständig

Pufferstreifen allein reicht nicht

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Externer Autor
am
13.11.2018

Die Regierung von Oberbayern hat die Kartierungsergebnisse im Isental zu Natura 2000 vorgestellt und setzt auf Kooperation.

Die Landwirte haben vorgelegt, jetzt sind die Gemeinden am Zug: Beim Projektboden:ständig“ des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten reicht beim Projekt „Haubach“ im Landkreis Rhön-Grabfeld die Einrichtung von Pufferstreifen nicht aus, um die Nitratbelastung effektiv zu senken. Jetzt sollen bauliche Maßnahmen dazukommen.

Vor Ort arbeitet für „boden:ständig“ das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) mit durchführenden Partnern zusammen. Beim Projekt Haubach liegt das Planungskonzept in der Hand der „Agrokraft GmbH“, einem Zusammenschluss von BBV und Maschinenring. Bei einem Informationsabend wurden die betroffenen Bürgermeister und Ortsobmänner über die bisher gelaufenen und vorgeschlagenen Maßnahmen informiert. Eingeladen hatte das ALE Unterfranken mit Joachim Omert und dem für „boden:ständig“ zuständigen Rico Herlein.
Vier Gemeinden – Herbstadt, Aubstadt, Bad Königshofen und Großeibstadt – durchquert der Haubach, bevor er in die Saale mündet. Im Haubachtal stehen drei wichtige Brunnen für die Wasserversorgung (Wasserzweckverband Gruppe Mitte, WZV) mehrerer Gemeinden, darunter Bad Königshofen. Probleme bereitet der Brunnen 1, der hoch nitratbelastet ist, weil er auch Oberflächenwasser zieht, wie WZV-Vorsitzender und Bürgermeister Thomas Helbling bestätigte. 44,1 mg/l Nitrat zeigt die Statistik für das Jahr 2015, das liegt noch unterhalb der Höchstgrenze von 50 mg/l, aber oberhalb der empfohlenen Menge für Trinkwasser in Höhe von 25 mg/l. Durch Mischen mit dem Wasser aus anderen Brunnen mit wesentlich niedrigeren Werten kann geringer belastetes Trinkwasser geliefert werden.
Seit dem Start von „boden:ständig“ haben die Bewirtschafter im Einzugsbereich des Haubachs Pufferstreifen auf 15,4 ha angelegt. Dafür erhalten sie zunächst für fünf Jahre eine Kulap-Förderung. Man rechne mit einer Verlängerung mindestens um weitere fünf Jahre, war von den Behördenvertretern zu erfahren.
Michaela Stäblein von Agrokraft berichtete über den aktuellen Projektstand, Rico Hertlein und Joachim Omert ergänzten die Ausführungen. Konkrete Vorschläge haben die Projektbeauftragten ausgearbeitet, wobei sie u. a. die Drainagen im Auge haben, die bisher direkt in die Gräben und Bäche führen. Man könnte sie kurz vor der Einmündung aufbrechen und das Wasser in eine bewachsene Feuchtfläche führen. Dort können sich Sedimente absetzen und das Nitrat kann sich abbauen, was in einem stehenden Gewässer innerhalb von einer bis zwei Wochen geschieht. Weitere Maßnahmen wären die Gewässerrenaturierung, die Ausweitung und Verkrautung von Gräben sowie die Wiederherstellung von Auen und sonstigen Feuchtflächen. Ziel ist es, die Fließgeschwindigkeit zu verringern, um dem Wasser Zeit zum Versickern und zum Abbauen der Inhaltsstoffe zu geben.
Für Gewässer dritter Ordnung sind die Gemeinden zuständig, deshalb müssen sie bei diesen landschaftsgestaltenden und gewässerbezogenen Aktionen ins Boot geholt werden. Wie die Gemeinden oder Gemeinde-Allianzen dabei vom Freistaat unterstützt werden, darüber berichtete Simon Mengen vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, der 75 % Zuschüsse für bauliche Maßnahmen in Aussicht stellte.
Es wird nicht leicht sein, einen Konsens zu finden. Herbstadts Bürgermeister Georg Rath gab zu bedenken, dass seine Gemeinde Maßnahmen mitfinanzieren soll, von denen sie nichts habe. Herbstadt gehöre zu einem anderen WZV und die gemeindeeigenen Flächen, für die Feuchtgebiete vorgeschlagen wurden, seien verpachtet. Man könne den Landwirten die Fläche nicht wegnehmen und die Gemeinde auf den Eigenbeteiligungskosten sitzen lassen, so Rath. Schließlich einigten sich die Anwesenden, in einem Bürgermeistergespräch zunächst einen Konsens anzustreben und dann gezielt mit betroffenen Landwirten zu sprechen. Regina Vossenkaul
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