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„Rettet unseren Wald“

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
12.08.2019

Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse geben Positionspapier an Abgeordnete. Die Situation ist dramatisch: Erstmals zeigen Laubbäume Trockenschäden.

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„Rettet unseren Wald - Waldsterben 2.0“ ist ein Positionspapier überschrieben, das die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse in Franken in den nächsten Wochen an ihre Abgeordneten übergeben wollen. Den Auftakt machte der Vorsitzende der Forstlichen Vereinigung Oberfranken (FVO) Wolfgang Schultheiß, der auch Vorsitzender der Waldbauernvereinigung (WBV) Coburger Land ist. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Daniel Angermüller, den WBV-Geschäftsführern Manfred Herter und Ralf Keller sowie den beiden Waldbesitzern Günter Carl und Frank Angermüller hatte er alle örtlichen Abgeordneten und die Presse zum Waldbegang eingeladen. „Die Dürre vernichtet unseren Wald“, das zeigten die Experten in einem Nadel- und einem Laubwaldgrundstück. „Damit geht der Lohn für unsere jahrzehntelange Arbeit verloren“, sagte Schultheiß. Die Waldbesitzer seien frustriert. Sie müssen jetzt ohne Lohn und Erlöse die abgestorbenen Wälder aufräumen. Die Sparbüchse müsse geplündert werden, um diese Arbeiten und die Wiederaufforstung finanzieren zu können.

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„Wir müssen Wälder wiederbegründen und wissen nicht, wie“, sagte Schultheiß. Die Waldwiederbegründung lebe vom Holzverkauf. Doch die Holzpreise seien im Keller. Angesichts dieser Trockenheit müsse man mit mehr Geld und mehr Bäumen kommen.

Schädlinge befallen Laub- und Nadelbäume

Gossenberg sei kein Hotspot, sagte Herter, der meinte, dass sich nördlich von Nürnberg je nach Standort überall dasselbe Bild zeige: „Die Fichten sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen“. Doch im Coburger Land sei die Kiefer dominant, der der Diplodia-Pilz massiv zusetze. Lärchen werden vom Lärchenborkenkäfer getötet. Der Douglasie setze der Kupferstecher zu. Eichen werden von Schwamm- und Eichenprozessionsspinner befallen und in der Folge auch vom Eichensplintkäfer. Altbuchen sterben ab, weil die Feinwurzeln aufgrund der Trockenheit abreißen. Die Rußrindenkrankheit mache dem Ahorn zu schaffen. Birken vertrocknen als Erste.

Daten zur WBV

Die Waldbauernvereinigung umfasst 945 Mitglieder mit einer Fläche von 12 585 ha. Sie vermarktet in normalen Jahren rund 14 000 fm Holz. 2018 wurden 15 500 fm vermarktet, davon 61 % Käfer- und Dürrholz. In der ersten Jahreshälfte 2019 wurden bereits 11 500 fm vermarktet, davon wurden aus Forstschutzgründen rund zehn Prozent energetisch verwertet. „Dürre Bestände unter 35 Jahren können nur noch als Energieholz verwertet werden“, sagte Herter. Wo nur mehr zehn Prozent Nutzholz anfalle, könne keine Kostendeckung bei der Flächenräumung erwartet werden.

Bis zum Jahresende werden rund 20 000 fm Holzanfall erwartet. Weil die Aufnahmekapazitäten der Großkunden begrenzt seien, werden die Lieferanten kontingentiert. Auch die Transportkapazitäten seien begrenzt. Die Holzpreise lägen aktuell zwischen 30 und 45 €/fm( je nach Mittenstärke).

Ökosystem Wald vorgestellt

In dem Positionspapier werden auch die Waldökosystemfunktionen vorgestellt:

  • Wälder filtern Schadstoffe aus der Luft. „Bäume binden CO² und mindern damit den Treibhauseffekt“, sagte Ralf Keller.
  • Der Wald sorge auch für sauberes Wasser. „Der Waldboden filtert das Wasser und speist so Quellen und Grundwasser mit sauberem Trinkwasser“, erklärte Herter.
  • Bei starkem Regen mindere der Waldboden die Überschwemmungsgefahr und bei Hitze die Austrocknung.
  • Außerdem trage er zur Artenvielfalt bei und biete Ruhe, Entspannung und Naturerlebnisse für Millionen von Menschen.
  • „Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung wächst nach und ist vielseitig einsetzbar“, sagte Schultheiß. Bei der Verwendung von Holz lasse sich auf viele Materialien verzichten, deren Produktion sehr energieintensiv ist.
  • Außerdem biete der Wald Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Im Jahr 2019 setze sich das Trockenjahr 2018 mit seinen extremen Auswirkungen auf alle Baumarten fort. Im laufenden Jahr werden sich die Schadholzmengen im Nadelholz deutlich erhöhen, erwarten die Experten. Erstmals treten Trockenschäden auch am Laubholz auf.

Dies führe zu extremen Problemen in der Aufarbeitung und Abfuhr, da die Unternehmerkapazitäten seit Jahren rückläufig seien und den aktuellen Bedarf nicht mehr decken können. Gleichzeitig sei der Holzmarkt durch den europaweit erhöhten Einschlag an Schadholz überlastet.

„Für unsere Waldbesitzer, unabhängig von der Besitzgröße, haben sich dramatische Auswirkungen aus dieser Situation ergeben“, schreiben die drei Vorsitzenden der Forstlichen Vereingigungen in Franken, Walter Nussel (Mittelfranken), Wolfgang Schultheiß (Oberfranken) und Wolfgang Borst (Unterfranken).

Schadensausgleich für geschädigte Waldbesitzer

Sie fordern kurzfristig einen Schadensausgleich für klimageschädigte Waldbesitzer. Mittelfristig bräuchten sie umfassende Hilfe bei der Flächenvorbereitung und der Wiederaufforstung klimatoleranter Wälder. Dauerhaft fordern sie eine „In-Wert-Setzung aller Waldökosystemleistungen und dauerhafte Ökoausgleichszahlungen für unsere Waldbesitzer“. Außerdem müssten die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse als Selbsthilfeorganisationen des Klein- und Großprivatwaldes sowie des Kommunalwaldes gestärkt werden.
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