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Podiumsdiskussion

Rote Karte für Nationalpark

Podiumsdiskussion
Stephan Stöckel
am
06.07.2017

Neufang/Lks. Kronach - Auf einer Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmer einig: Ein Nationalpark Frankenwald kommt nicht infrage!

Der geplante Nationalpark Frankenwald ist ein Thema, das die Menschen in der Region auf den Nägeln brennt. In Scharen waren sie der Einladung des BBV Kronach und der Waldbesitzervereinigungen zu einer Podiumsdiskussion in Neufang gefolgt. Ob Waldbesitzer, Forstunternehmer, Sägewerksbesitzer, Mitarbeiter in der Forstverwaltung oder Naturschützer – alle waren sich einig: Der Frankenwald kommt als Nationalpark nicht infrage. „Wir haben schon jetzt ein breites Portfolio von Schutzgebieten im Frankenwald. Wenn wir diese nutzen sowie Tourismus und Fremdenverkehr fördern, dann ist uns allen mehr gedient, als wenn wir anfangen, Flächen stillzulegen“, sagte Prof. Hubert Röder von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf unter dem Beifall der 700 Zuhörer. Zum Abschluss der Veranstaltung erteilten die Besucher im proppenvollen Saal dem geplanten Projekt symbolisch die Rote Karte. Umweltministerin Ulrike Scharf hatte ihre Teilnahme an der Diskussion wegen anderer Termine absagen müssen.

Als Moderator fungierte der Kulmbacher CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Freiherr von Lerchenfeld, der eine Woche zuvor im Wallenfelser Ortsteil Neuengrün den Verein „Unser Frankenwald“ aus der Taufe gehoben hatte, der sich gegen einen möglichen Nationalpark positioniert. Der Baron freute sich über den hohen Zuspruch, den der Verein findet: „Wir hatten rund 100 Gründungsmitglieder. Jetzt greifen wir schon die 500er-Marke an.“

Röder betonte, die Stilllegung von 10.000 ha Wald werde zu Holzimporten aus Osteuropa mit schlechteren Umweltstandards führen.

Einig war sich der Experte mit Dr. Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), der betonte: „Der Frankenwald als Wirtschaftswald ist naturschutzfachlich nicht geeignet für einen Nationalpark.“ Zugleich betonte Schäffer, dass sich der LBV einen dritten Nationalpark in Bayern wünsche. Infrage kämen Steigerwald, Spessart oder Rhön mit ihren großen Laubholzbeständen.

Laut Röder, der auch Sprecher des Clusters Forst und Holz in Bayern ist, erzielen die Betriebe aus diesem Bereich in den Landkreisen Hof, Kronach und Kulmbach einen Umsatz von 704 Mio. € und bieten 4.750 Arbeitsplätze. Das nahm Oskar Ebert vom Verein „Unser Steigerwald“ zum Anlass, um festzustellen: „Die Umweltministerin hat uns eine Vitaminspritze für die Region versprochen. Eine solche gibt man Leuten, die kränkeln, aber nicht einer gesunden Region.“

Für den Nationalpark werden 10.000 ha Staatsforst benötigt. Nach Ansicht Röders kriege man die nur als Flickenteppich zusammen, was der Leiter des Forstbetriebes Rothenkirchen, Peter Hagemann, nur bestätigen konnte: „In den Tälern befinden sich über 100 verschiedene Waldbesitzerenklaven.“

Für den Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn passt der Nationalpark nicht zum Frankenwald, „weil der seit Jahrhunderten ein Wirtschaftswald ist“. Leonhard Nossol von der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein skizzierte das Bild einer Rohstoffverknappung, die zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den Sägewerken und letztendlich zu einem Verdrängungswettbewerb führen werde. Reinhard Müller-Gei, Geschäftsführer eines Sägewerkes in Wallenfels, konnte ihm nur zustimmen. Christian Holoch aus Mitwitz, Betriebsleiter eines großen Forstbetriebes, sagte: „Die Sägewerke brauchen das ganze Jahr über Holz.“

Als Alternative sprach sich Forstunternehmer Ralf Kremer aus Steinbach dafür aus, sich gemeinsam mit der Gastronomie Gedanken über touristische Angebote zu machen. Bürgermeister Jens Korn plädierte dafür, Forschungs- und Weiterbildungseinrichtungen in die Region zu holen.

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