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BBV-Kreisverband Nürnberger Land

Schwarzwildplage: Schäden steigen

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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Erntefahrt Mittelfranken
Erwarten eine durchschnittliche Ernte im Nürnberger Land: (v. l.) Kreisbäuerin Marion Fischer, Kreisobmann und BBV-Präsident Mittelfranken Günther Felßner, Kreisvorstandsmitglied Karl-Heinz Gottschalk, stellvertretender BBV-Kreisobmann Siegfried Schmidt und Kreisvorstandsmitglied Heinz Lämmermann. © Lorenz Märtl
von , am
13.07.2017

Großviehberg - Während auf den Feldern bereits die ersten Mähdrescher brummten, traf sich der BBV Nürnberger Land in Großviehberg bei Hersbruck zur Erörterung der Markt- und Erntesituation 2017.

„Auf den schweren Böden auf den Höhen gut bis sehr gut, in den Tallagen sehr unterschiedlich“, lautete der Tenor. Insgesamt erwarten die Praktiker eine durchschnittliche Ernte.
Angesichts der kleinräumigen Struktur und des hohen Milchviehbestandes liegt im Nürnberger Land der Grünlandanteil bei 50 %. BBV-Kreisobmann Günther Felßner betonte, dass man mit dem ersten Grünlandschnitt insgesamt gesehen zufrieden sein könne. Damit auch die weiteren Schnitte einen guten Ertrag bringen, bräuchte man dringend Regen. „Sonst haben wir in einigen Bereichen Futterknappheit“, brachte es stellvertretender BBV-Kreisobmann Siegfried Schmidt auf den Punkt. Schon jetzt sei beispielsweise in der Gemeinde Leinburg seitens der Pferde- und Reitstallbesitzer die Nachfrage nach Heu enorm.
Gut stehen Wintergerste, Roggen und Triticale und sehr gut die Sommergerste, während Weizen und Dinkel leichte Trockenschäden aufweisen. Experte für Raps ist BBV-Kreisvorstandsmitglied Karl-Heinz Gottschalk, der auf seinen Feldern bei Unterrieden im letzten Jahr deutschlandweit mit über 60 dt/ha die höchsten Erträge einfuhr. So wie sich der Raps derzeit präsentiert, rechnet er mit zwischen 40 und 50 dt/ha. Vor allem bei den Milchviehhaltern ist der Raps gefragt, die damit Soja aus Übersee ersetzen können.

Mais dreimal nachgesät

Die stabilste Frucht – was den Ertrag angeht – ist der Mais. Nachdem er anfangs wegen der Trockenheit etwas geschwächelt hat, steht er nun „gut bis sehr gut“ da. „Für uns eine gute Frucht in der Fruchtfolge“, sagt Kreisobmann Günther Felßner. Trotzdem sei im Nürnberger Land der Maisanbau mit einem Anteil von 14 % an den angebauten Feldfrüchten rückläufig. Daran dürften auch die Wildschweine schuld sein.
„Nach wie vor ein enormes Pro­blem für die Landwirtschaft im Nürnberger Land“, umreißt Günther Felßner die Situation. So musste er heuer dreimal seinen Maisbestand nachsäen, weil immer wieder die Wildschweine einfielen. Aber auch in anderen Kulturen fühlen sich die Wildschweine, die aus dem nahen Reichswald kommen, im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl. Das Problem bekomme man einfach nicht in den Griff. „Die Schäden steigen permanent. Es ist höchste Zeit, dass etwas dagegen unternommen wird, denn die bisherigen Maßnahmen sind nicht ausreichend“, formulierte es Felßner.
Klagen gibt es auch hinsichtlich der Biber, die streng unter Schutz stehen. Angesichts der Ausbreitung in ganz Bayern gehöre der Biber in das Jagdrecht. „Nur dann kommen wir zu vernünftigen Lösungen“, erklärte Felßner.

Magere Preise

Erntefahrt Mittelfranken
Erwarten eine durchschnittliche Ernte im Nürnberger Land: (v. l.) Kreisbäuerin Marion Fischer, Kreisobmann und BBV-Präsident Mittelfranken Günther Felßner, Kreisvorstandsmitglied Karl-Heinz Gottschalk, stellvertretender BBV-Kreisobmann Siegfried Schmidt und Kreisvorstandsmitglied Heinz Lämmermann. © Lorenz Märtl

Nach wie vor unzufrieden sind die Bauern mit den Preisen. Zumindest habe der Milchpreis nach zwei Jahren unter 30 ct/l nun auf 34 ct angezogen. „Es könnte aber ruhig mehr sein“, betonte Schmidt. Milch sei derzeit gefragt, bei Butter habe man die höchsten Preise aller Zeiten. Schmidt ließ keinen Zweifel daran, dass er im Herbst mit 40 ct/l Milch rechne.
Durch die wechselhafte Witterung zu Beginn der Vegetation und die späten Fröste zur Blütezeit ist der Ertrag bei den Sonderkulturen durchwachsen. BBV-Kreisgeschäftsführer Helmut Wolf: „Spargel hat nach einem frühen Beginn und witterungsbedingter Wachstumspause zum Schluss doch noch eine gute Ernte beschert.“ Probleme hatten sowohl die Erdbeer- als auch die Obstbauern. Vor allem bei den Kirschen gab es durch die Fröste Einbußen bis zu 60 %. Der Hopfen habe sich zwischenzeitlich gut entwickelt und verspreche auch heuer wieder gute Preise.
Als erfreulich wertet man den Trend weg von der Ablieferungsmentalität zu mehr Selbstvermarktung. Zugleich ein guter Weg, das Gespräch mit den Verbrauchern zu führen. Günther Felßner: „Wir brauchen diese Kommunikation, denn wir wollen, dass der Verbraucher weiß, woher die Produkte kommen.“
Kritisch sieht Felßner – nachdem die Politik davon Abstand genommen hat – die Anstrengungen des Handels, darauf zu drängen, Milch aus Anbindehaltung nicht mehr zu vermarkten. Angesichts des hohen Anteils von über 50 % im Nürnberger Land würde dies die kleinen Betriebe kaputt machen.
Sorge bereitet dem Kreisobmann auch die Tatsache, dass durch notwendige Ausgleichsflächen immer mehr Ackerland verloren geht. Das Nürnberger Land werde hier zum Selbstbedienungsladen des Ballungsraumes. Man habe nichts gegen notwendige Infrastrukturmaßnahmen, aber dafür noch zusätzliche Ausgleichsflächen zu verlangen, gehe zu weit. Vielmehr sollte man dafür Sonderzahlungen verlangen, die dann in die Landschaftspflege gesteckt werden.

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