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Schweinezucht - Investitionen nicht zu stemmen

Gabi Bertram
am
11.02.2019

Stallgespräch am Schweinezuchtbetrieb Schramm in Schottenstein.

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Schottenstein/Lks. Coburg Zum Stallgespräch hatte der BBV-Kreisverband auf den Bauernhof von Rolf und Evelyn Schramm in Schottenstein eingeladen. Ihr Hof ist klein und seit dem 18. Jahrhundert in Familienbesitz. Die Schramms züchten Schweine im geschlossenen Kreislauf vom Ferkel bis zum Mastschwein und haben um die 300 Tiere in den Ställen. 1972 wurde hier der erste Schweineoffenstall in Bayern gebaut.

Zum Betrieb gehören noch 30 ha Acker, die für die Futterproduktion und für die Biogasanlage bewirtschaftet werden, eine Photovoltaikanlage für die eigene Stromerzeugung und 6 ha Wald. Rolf Schramm arbeitet darüber hinaus in der Landschaftspflege, seine Frau Evelyn im Landhandel in Birkach. Der Hof ist ein Zuerwerbsbetrieb. Eine 70-Stunden-Woche ist für die Schramms an der Tagesordnung. Für ein paar Tage Urlaub im Jahr muss eine Fremdarbeitskraft bezahlt werden.
Was den Schramms zu schaffen macht, sind die immer höheren Auflagen für die Landwirtschaft, die Zeit, Geld und Nerven kosten und die BBV- Kreisobmann Martin Flohrschütz „Luxusauflagen für eine Standardproduktion“ nennt. Dabei, sagt die gelernte Landwirtin Evelyn Schramm, würde doch jeder Landwirt nach der Devise wirtschaften: „Wenn es den Tieren gut geht und der Ackerboden nachhaltig bewirtschaftet wird, geht es auch dem Bauern gut“. Doch die Amortisierungszyklen werden aufgrund immer wieder neuer Anforderungen und gesetzlicher Auflagen kürzer.
Ständig im negativen Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, massiv kritisiert und verunglimpft zu werden, schimpft der Kreisobmann, belaste die Bauernfamilien zusehends. Wer rosarote Vorstellung vom Schwein auf der grünen Wiese habe, müsse als Verbraucher dies auch zu bezahlen bereit sein. Dazu komme, dass es in anderen EU-Ländern und weltweit beileibe nicht solch hohe Auflagen gebe, was die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft erheblich beeinträchtige. Schon jetzt, so Vize-Kreisobmann Wolfgang Schultheiß, würde jedes vierte Ferkel importiert werden. Die Schweinepreise, sagt Rolf Schramm, seien mit 1,36 € pro kg und damit rund 130 € pro Sau derzeit mal wieder im Keller. Vor allem kleinere landwirtschaftliche Höfe hätten Probleme, wirtschaftlich zu agieren. Von Investitionen für die Umsetzung geforderter Auflagen ganz zu schweigen. Das betrifft unter anderem die Debatte um die Ferkelkastration ebenso wie die Gülleausbringung. Um die 100 000 € Investitionen wären erforderlich. Für die Schramms utopisch.
Einen, wenn auch umstrittenen, Erfolg nennt Flohrschütz die Verschiebung der betäubungslosen Ferkelkastration. Es gehe nicht darum, die Ferkel nicht zu betäuben, sondern darum, ob der Verbraucher letztlich die Mehrkosten einer Vollnarkose bezahlt. Der Landwirt werde per Gesetz zu etwas verpflichtet und bliebe auch noch auf den Kosten sitzen. Und auch die Ferkelpreise sind im wahrsten Sinne des Wortes unter aller Sau.
Ein Schweinemastbetrieb, meint Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein, würde nicht einmal mit 550 Tieren wirtschaftlich arbeiten können. Auch deshalb habe Axel Bracke in Ottowind in einen Stall für 1100 Tiere investieren müssen. Wer die Auflagen erfüllen will – und muss, der müsse in große Einheiten investieren, und genau das wollen aber Verbraucher und Tierschützer wieder nicht. 1998 hatten die Schramms bereits die Baupläne für einen neuen Stall auf dem Tisch, aber eine Dreiviertel-Million-Euro- Investition sei dann doch eine zu große Hürde gewesen.
Flohrschütz fordert von denjenigen, die in der Öffentlichkeit unter dem Deckmäntelchen Naturschutz und Tierwohl die Landwirte immer wieder ins Kreuzfeuer nehmen, mehr Information und Sachverstand statt Populismus und Aktionismus.

In Schottenstein sind Rolf und Evelyn Schramm noch die einzigen Landwirte mit Schweinen im Stall. Milchbauern, sagt der Landwirt, gebe es gar nicht mehr. Und auch der landwirtschaftliche Betrieb der Schramms hat ein absehbares Ende. In 15 Jahren, wenn Rolf und Evelyn in Rente gehen. Keine der vier Töchter hat Ambitionen, den Betrieb zu übernehmen. „Wir sind ein Auslaufbetrieb“, sagt Evelyn Schramm, „und meine größte Sorge ist es, dass wir es bis zur Rente mit all den Auflagen und Verordnungen noch schaffen. Große Investitionen werden wir nicht mehr tätigen."

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