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Ausstellung

Seltene Rassen - Raritäten in Echt und im Bild

Bergschaf
Ludwiga Friedl, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
09.07.2018

Fotoausstellung im Freilandmuseum Fladungen über seltene Haus- und Nutztierrassen noch bis 27. Juli.

Rund ein Drittel mehr Besucher als an einem gewöhnlichen Sonntag wurden im Fränkischen Freilandmusem Fladungen am „Tag der Alten Haus- und Nutztierrassen“ gezählt. Dabei geht es dort sonntags meistens ohnehin schon recht lebhaft zu. Beim Rundgang durch die historischen Anwesen konnte man Nutztierrassen sehen, die sich bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten finden, weil es nur mehr wenige Exemplare davon gibt. 
Solche, die in der Rhön beheimatet sind, hat der Fotograf Jürgen Holzhausen porträtiert. Seine Foto-Ausstellung „Rassige Raritäten“ wird noch bis einschließlich Freitag, 27. Juli, im Obergeschoss des Eingangsgebäudes des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen zu den normalen Öffnungszeiten des Museums gezeigt.

Bedrohte Tierrassen ausgestellt

Seltene Rassen

Live gackerten, gurrten, wieherten, muhten und mähten die „Rassigen Raritäten“, die sich hinter den Museumszäunen von den Besuchern bestaunen ließen. Elektrozäune wurden zusätzlich aufgebaut, weil sie aus der modernen Tierhaltung nicht wegzudenken sind. Selbst wenn kein Strom drauf ist: Die Tiere und die Menschen haben davor Respekt und wahren sicheren Abstand. 

Elf Muttern der Rasse Coburger Fuchs werden am Schwalbenhof von Elisabeth und Karl-Ludwig Weber gehalten, die mit ihrem Sohn Balthasar eine GbR bilden. Dort werden auch fast 60 Kühe des Gelben Frankenviehs gemolken. Das Gelbe Frankenvieh ist während der Saison ebenfalls im Museum vertreten, so wie Rhönschafe und die Fränkische Landgans, die vor Kurzem Nachwuchs ausgebrütet hat.

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut, die Frankenziege oder die Thüringer Waldziege wurden extra zum Tag der alten Haustierrassen gebracht. Neben dem Rhönschaf gab ins Museum es noch Braune Bergschafe und Waldschafe. 

Auch bei den Kleintieren waren spannende Entdeckungen zu machen, zum Beispiel interessant gemaserte Marmortauben, Rhönkaninchen oder das Mechelner Huhn, das fast doppelt so groß ist wie die beiden Hühnerrassen daneben. Wobei: „Das Vorwerk Huhn heißt genauso wie Dein Staubsauger!“, lacht ein Besucher seine Frau an. „Und es pickt auch jedes Körnchen uff“, beobachtet er. Doch bevor er laut darüber nachdenkt, nächstes Mal statt des Staubsaugers Hühner anzuschaffen, weist sie auf die Hinterlassenschaften der Hühner hin, die von einem Staubsauger nicht zu beseitigen wären.

Wissen geht verloren

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Mit den alten Haustierrassen geht auch viel Wissen verloren. Josef Kolb steuert dagegen, wo er kann. Auf spielerische Weise bezieht er die Kinder beim Schafscheren ein. „Des is der Wolfgang“, stellt er den Mann am Rasierer vor, „und der ist von Beruf Pfarrer?“ „Nein“, meldet sich ein mutiges Mädchen, „ich glaube, dass er Scherer ist.“ Wolfgang Koepke lacht und schert die Lämmer so behutsam, dass ein Junge feststellt, „der schält des wie eine Mandarine“.

Ruhig und ohne Gegenwehr lässt das Lamm die Prozedur über sich ergehen, während Josef Kolb erklärt, dass die Lammwolle zu kurz zum Stricken ist. Trotzdem müssen die Lämmer geschoren werden, damit die Haare nicht zu lang sind für das Lammfell, das beim Schlachten übrig bleibt. Unbehandelte Wolle soll angeblich gegen Ohrenschmerzen helfen, doch die Kinder wollen sie auch zum Basteln benutzen.

Mit Rhönschafen Landschaft pflegen

Seltene Rassen

450 Mutterschafe umfasst die Herde inzwischen, die Kolb aus Restbeständen aufgebaut hat. „Die Idee: eine alte Haustierrasse wieder zu nutzen und durch ihren Erhalt auch die Kulturlandschaft zu bewahren.“ So steht es in einem Flyer über Kolbs Bio-Hof, der überdies auch ein Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau ist.
Rund 100 ha Dauergrünland, ein- und zweischürige Wiesen, werden über die Schafhaltung genutzt. Auf etwa 50 ha Ackerflächen baut Kolb 25 % Sommergetreide, 20 % Leguminosen, 50 % Wintergetreide und 5 % Kartoffeln an. „Seit zwei Jahren haben wir auch 150 Hühner und Hähnchen einer Zweinutzungsrasse im Bestand“, sagt Zita Kolb. Zusätzlich werden 40 Zucht- und 100 Mastgänse gehalten.
Ihr Rhönschafladen in Oberelsbach-Ginolfs hat jeden Tag von 7.30 bis 10.30 Uhr geöffnet. Dort können Urlaubsgäste auch nach telefonischer Voranmeldung Schafe besichtigen, die teils in Hüte-, teils in Koppelhaltung gehalten werden.

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