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Rinder

Seltene Rassen - ein Tiger wird wiedergeboren

Fritz Arnold
am
16.04.2018

Durch Rückkreuzung soll das beinahe ausgestorbene Ansbach-Triesdorfer Rind wieder aufleben.

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Fast war das Ansbach-Triesdorfer Rind, auch kurz Triesdorfer Tiger genannt, ausgestorben. Doch die seit Jahren laufenden Versuche zu einer Rückkreuzung scheinen nun entscheidende Schritte voran zu kommen. Wie auf der Jahresversammlung des Vereins zur Erhaltung der Rasse in Leibelbach berichtet wurde, gibt es derzeit etwa 100 Rinder mit dominanten „Tiger“-Genen. Sie stehen in 40 Betrieben im westlichen Mittelfranken. Um das Jahr 1900 soll es noch 190 000 Rinder dieser Rasse gegeben haben.

Bei der Veranstaltung wurde Professor Dr. Richard Herrmann als Vorsitzender ebenso bestätigt wie sein Stellvertreter und Zuchtleiter Albrecht Strotz, der dieses Amt auch im Rinderzuchtverband Franken innehat. Es sind vor allem zwei Gründe, die positiv stimmen: Ab Herbst gibt es ein eigenständisches Herdbuch für Triesdorfer Tiger, in die die Kühe mit den Merkmalen der Rasse aufgenommen werden. Hinzu kommt der Aufbau einer Erzeuger- und Vermarktergemeinschaft unter der Leitung von Ursula Pfäfflin Nefian aus Gutenstetten. Nach ihren Worten liefern die Rinder dieser seltenen Rasse auch wegen der artgerechten Weidehaltung eine besonders gute Fleischqualität, die von Händlern, Metzgern, Gastwirten und Kunden geschätzt wird.
Wie Pfäfflin Nefian berichtete, ist nicht nur ein Biohändler stark an Tieren der Rasse interessiert, sondern auch konventionell wirtschaftende Betriebe könnten mehr Schlachttiere verkaufen als vorhanden sind. Pro Kilo Schlachtgewicht werden Preisaufschläge von jeweils 45 ct sowohl für „Tiger“-Fleisch aus Biobetrieben als auch aus konventioneller Landwirtschaft bezahlt, denn es gibt weniger Tiere, als abgesetzt werden könnten. Die geplanten „Tiger-Rindfleischwochen“ stehen unter dem Motto „Bewahren durch Aufessen“.
Das Ansbach-Triesdorfer Rind war vor 150 Jahren die vorherrschende Rinderrasse in der Region. Sie entstand durch die Einkreuzung verschiedener Rassen, zunächst von holländisch-friesischen Rindern und dann vor allem von „Berner Schecken“ und gelbweißen Simmentalern. Auf Geheiß des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich und seinem Sohn Carl Alexander waren damals Zuchttiere zunächst bis aus Holland und der Schweiz nach Triesdorf getrieben worden.
Das Ergebnis der Zuchtarbeit war eine „Drei-Nutzungs-Rasse“, die sich neben einer verbesserten Fleisch- und Milchleistung vor allem durch eine bessere Eignung als Zugtiere auszeichnete. Denn mit ihren dunklen harten Klauen kamen sie besser mit den damals steinigen Wegen zurecht.
Als es jedoch durch eine verbesserte Kühlung möglich wurde, mehr Milch abzusetzen, setzte sich das Fleckvieh immer stärker durch. So sind nur noch Restbestände der ehemaligen Rasse vorhanden, die nun durch Rückkreuzungen erhalten werden soll.
Ein wichtiger Schritt ist dabei die Aufnahme von Kühen in ein Herdbuch. Deshalb weilte auch Konrad Wagner vom Fachzentrum für Mutterkuh- und Fleischrinderhaltung in Schwandorf in Leibelbach und erläuterte die Aufnahmebedingung in das durch das neue EU-Tierzuchtrecht mögliche neue Herdbuch.
Bei der Suche nach vorhandenen alten Zuchtlinien wird vor allem auf die typischen Kennzeichen geachtet. Allerdings ist das Erscheinungsbild sehr uneinheitlich. Es gibt nämlich Schecken, Mohrenköpfe und gesprenkelte Tiere.

Vor allem die Kleinfleckung war es, die zum umgangssprachlichen Namen „Triesdorfer Tiger“ führte. Zudem haben die Rinder ein charakteristisches, dunkles Flotzmaul. Die Farbabstufungen des Fells variieren von Hellgelb bis zu dunklem Rotbraun, ebenso ist der Anteil der braunen Flecken sehr variabel. Es treten mehrheitlich weiße und mehrheitlich braune Tiere auf. Auffälligste Abgrenzung zum Fleckvieh ist hierbei, dass auch der Kopf gefleckt ist.

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