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Zuckerbranche

Sorge um fränkische Zuckerfabrik

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Sabine Dähn-Siegel
am
13.08.2019

Generalversammlung des Verbands Fränkischer Zuckerrübenbauer: Das erhoffte „Ochsenfurt-ist-sicher“-Statement seitens Südzucker blieb aus.

Klimawandel, gesellschaftliches Umfeld, heimische und Marktpolitik - Lage und Stimmung in der deutschen Landwirtschaft lassen sich nicht schönreden. Auch der Zuckerrübenanbau macht da keine Ausnahme. Dr. Stefan Streng jedenfalls sprach in Veitshöchheim bei seiner Eröffnung der gut besuchten Hauptversammlung des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenbauer, deren Vorsitzender er ist, offen von „Krise“, „Sorgen“, „nicht fairem Wettbewerb“, „Verzerrungen“, mit denen die Rübenbauer zu kämpfen haben. Der Preisabsturz für Zucker an den Weltbörsen seit dem Ende der EU-Zuckermarktordnung, das Überangebot infolge des staatlich subventionierten Anbaus in Indien, Thailand, Pakistan, der EU-weit unterschiedliche Umgang mit der Neonics-Pillierung bei der Aussaat 2019, gekoppelte Beihilfen auf die Rübenflächen in mehr als der Hälfte der EU-Erzeugerländer, aber nicht in Deutschland: All das hat weitreichende Auswirkungen. Auf die noch etwas über 3400 Anbauer in ganz Franken, auf ihren Vertragspartner, die Südzucker AG. Wie alle europäischen Zuckerunternehmen hatte der Konzern in der Zuckersparte heftige Verluste eingefahren. Auch weil seine Verdrängungsstrategie innerhalb der EU nicht aufgegangen war. Anfang des Jahres hatte Südzucker darauf mit einem Restrukturierungsprogramm reagiert, unter anderem mit der Ankündigung von fünf Werksschließungen – mit Warburg und Brottewitz trifft es zwei von insgesamt neun deutschen Werken – und Rückziehern von geplanten größeren Investitionen. Etwa im Ochsenfurter Werk, wo der Neubau eines Verwaltungsgebäudes auf unbestimmte Zeit verschoben und der Umbau des Rübenhofes durch eine günstigere Variante ersetzt werden sollen.

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Diese Restrukturierungsankündigungen hatten bereits in den Winterversammlungen der fränkischen Anbauer Spekulationen ausgelöst, auch der unterfränkische Standort könnte langfristig zur Disposition stehen. „Noch stärker war aber die Kritik am Rübenpreis von Südzucker, der unter dem EU-Markt lag. Zudem wurde bessere Anpassung an den Markt gefordert, etwa durch höhere Lagerkapazitäten oder Erschließen neuer Märkte“, sagte Streng. Inzwischen gebe „die Rohstoffsicherungsprämie in den 2020-Verträgen Planungssicherheit“. Der VFZ-Vorsitzende zeigte sich überzeugt, dass „Rübenanbau in Franken die richtige Wahl“ sei. Das Motto müsse jetzt sein „Flagge zeigen für die fränkische Rübe“. In seinen Grußworten sprach auch der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler eine Reihe von Themen an, die den Landwirten derzeit zu schaffen machen. Mit dem Hinweis auf die Druckversion fiel der Geschäftsbericht von VFZ-Geschäftsführer Dr. Klaus Ziegler gewohnt „blitzlichtartig“ aus: 2018/19 sei der Zuckergehalt zwar gut, der Ertrag gegenüber dem Vorjahr aber um 30 % geringer gewesen. In der Folge sei das Jahresergebnis negativ ausgefallen. „Auf den Punkt gebracht: Wir sind auf Einkünfte aus angelegten Geldern angewiesen. Und auf neue Aufgabengebiete.“ Höhere Verbandsbeiträge werde es nicht geben, so Ziegler. Er appellierte an die Versammlung, „Ruhe zu bewahren in stürmischen Zeiten“.

Sicherheits-Statement gewünscht

In dieser Situation wünsche er sich ein klares „Ochsenfurt-ist-sicher“-Statement, so VFZ-Vorsitzender Streng mit Blick auf Südzucker-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg. Das freilich gab es so nicht, auch wenn Kirchberg in seinem Referat unter dem Titel „Rübenbauer und Südzucker: gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft“ betonte, dass „Ochsenfurt mit an der Spitze der Werke im Südzucker-Verbund steht“.

Etwas Hoffnung, dass die Zuckerpreise 2019/20 „wieder interessanter“ werden, hatte Stefan Uhlenbrock in seinem Vortrag zu verbreiten versucht. Der Marktanalyst von F.O. Licht, Ratzeburg, prognostizierte für das laufende Anbaujahr eine weltweit unter dem Verbrauch liegende Produktion. Somit würden die Lagerbestände abnehmen, die Notierungen nach oben gehen. Die Frage, ab welchem Preis Zuckerexport aus der EU wirtschaftlich Sinn macht, beantwortete er mit einer Beispielrechnung. Sie zeigte: Je schwächer der Euro, desto wettbewerbsfähiger ist EU-Zucker auf dem Weltmarkt.

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