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Bauerntag

Stimmung auf dem Nullpunkt

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
08.04.2019

Landwirtschaftsministerin Kaniber beim unterfränkischen Bauerntag

Agrarpolitisches Kabarett vom Feinsten war geboten zu Beginn des Unterfränkischen Bauerntages, mit dem traditionell die Müller-Frühjahrsmesse in Holzhausen begann. Firmenchef Karl Müller begrüßte dazu Gäste, Kunden und Lieferanten sowie viele Ehrengäste, darunter die Bayerische Landwirtschftsministerin Michaela Kaniber, Bundesminister a.D. Michael Glos, MdB Dr. Anja Weisgerber, Staatssekretär Gerhard Eck, die Landtagsabgeordneten Barbara Becker, Sandro Kirchner und Paul Knoblach, Landrat Florian Töpper sowie viele Kreisräte und Bürgermeister und „ganz viele Freunde vom BBV“.

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Mit einer Bühnenaktion wollte der BBV für die Themen sensibilisieren, die den Landwirten unter den Nägeln brennen: Bauer Matthias (Schmittful) und Bäuerin Nicole (Kuhn) reden über den Flächenfraß, während die Verbraucher Franziska (Klenkert) und Fabian (Schneider) auf dem Balkon ihrer Mietwohnung vom eigenen Heim träumen. Wenig später planen die Bauern Blühflächen bei ihrer Anbauplanung ein, während die Verbraucher Zubehör für ihren Steingarten, Mähroboter und Laubbläser beim Müller kaufen. Während die Bauern einen Tierwohlstall planen, machen die Verbraucher bei einer Unterschriftenaktion gegen Massentierhaltung und Tierquäler mobil, leisten sich einen Grill für 699 € und Rindersteaks für 3,99 €. Während der Landwirt abends spritzt, um die Bienen zu schonen, hauen die Verbraucher beim Grillen mit Muckenpatschen um sich, „weil sich des Ungeziefer in dem Unkraut (Blühstreifen) so stark vermehrt“. Unter den Klängen von „Spiel mir das Lied vom Tod“ wird erst der an der Bürokratie gescheiterte Blühstreifen, dann der letzte Landwirt betrauert. „Stirbt der Bauer, stirbt das Land“ steht am Schluss auf einem der Transparente, mit denen zahlreiche BBV-Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner in gelben Westen demonstrieren.

Dass die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, sagte später auch Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler. „Jeder zweite Landwirt nimmt teil am Kulturlandschaftsprogramm oder beim Vertragsnaturschutz“, sagte er. „Wer die Freiwilligkeit aufs Spiel setzt, riskiert die Finanzierung.“ In Bayern gebe es die höchste Förderung. Dafür dankte er der Landwirtschaftsministerin, die für Sachlichkeit stehe und dafür, dass kein Keil zwischen Öko- und konventionelle Landwirtschaft, Groß- und Kleinbetriebe, Haupt- und Nebenerwerb getrieben werde. Gute Arbeit habe das Ministerium bei der Neufestlegung der Ausgleichszulage geleistet. „Kritischer wird es mit den Roten Gebieten“, sagte Köhler. Man müsse den Landwirten vor Ort erklären, warum sie in Roten Gebieten seien. In Unterfranken werde bereits hervorragender Grundwasserschutz betrieben. „In den Trinkwasserbrunnen sinken die Nitratwerte“, deshalb könnten die Landwirte nicht nachvollziehen, weshalb nun eine Verschärfung kommen soll.

Grußworte sprach Landrat Florian Töpper, der das gute Miteinander lobte und die Landwirte als Rückgrat des ländlichen Raumes bezeichnete. In einem weiteren Grußwort stellte sich Christian Staat vor, der für die CSU bei der Europawahl kandidiert.

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„Vergelt’s Gott“ sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber für einen starken Mittelstand, für das Engagement der Familie Müller, die die Frühjahrsmesse als Unterstützung für die Bauern und als Treffpunkt etabliert hat. Einen großen Applaus bekamen auch die Seniorchefs Friedel und Leo Müller sowie die Landfrauen, „die Leistungsträger in der Gesellschaft“. „98 Prozent der Menschen in Bayern versuchen permanent, den zwei Prozent Landwirten vorzuschreiben, wie sie zu arbeiten, wirtschaften und zu tun haben. Das geht nicht“, sagte Kaniber unter Beifall. Das Volksbegehren habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

„Der Klimawandel ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagte die Ministerin, die auch „Bauchwehthemen“ aufzeigte, auf welche die Politik reagieren muss. „Die Bauern zu schützen, ist für mich elementar wichtig.“
Die Meinungsführerschaft dürfe nicht anderen überlassen werden. Sie rät, Kommunikation zur Chefsache zu machen. „Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für unsere Bauern“, sagte sie. Sie appellierte an ihre Zuhörer, zur Europawahl zu gehen, „denn wir brauchen Frieden, Freiheit und Demokratie“.
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