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BBV-Sitzung

Stromtrasse, Gänse und Strategien

Erweiterter Vorstand
Stephan Herbert Fuchs
am
23.05.2017

Hirschaid - Die geplante Gleichstromtrasse, Probleme mit Schwarzwild und Gänsen sowie die künftige Ausrichtung des Bauernverbandes, das sind nur drei in einem ganzen Strauß an Themen, die den Bauern in Oberfranken auf den Nägeln brennen. Bei der Sitzung des erweiterten BBV-Bezirksvorstandes mit Präsident Walter Heidl in Hirschaid wurden die drei genannten Themen gleich mehrfach von den Kreisobmännern angesprochen.

Vor allem landwirtschaftliche Flächen seien von der geplanten Stromtrasse enorm betroffen, sagte Karl Lappe, Kreisobmann aus Bayreuth. Er befürchtet, dass der Nordosten des Landkreises von der HGÜ-Leitung (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung), die als Erdverkabelung gebaut werden soll, tangiert sein wird. Generell wird die Notwendigkeit der Trasse im Landkreis Hof infrage gestellt. „Bis die Trasse kommt, ist sie veraltet oder hinfällig“, sagte Gerhard Hick, stellvertretender Kreisobmann aus Hof. Er sprach von einer „Idiotie“, die so nicht weitergehen dürfe. Man werde deshalb auch bis zum Schluss dagegen ankämpfen. So erwarteten es auch die Mitglieder, denn: „Wenn wir gar nichts machen, dann laufen uns die Mitglieder noch davon.“
Auf totale Ablehnung stößt die Trasse auch in Wunsiedel. „Keiner will sie, weder die Bevölkerung, noch die Landwirtschaft“, sagte der stellvertretende Kreisobmann Stephan Regnet aus Bernstein. Er verwies auf 17 Bürgermeister aus dem Landkreis sowie auf den Landrat, die sich bereits einmütig dagegen ausgesprochen hätten. Im Kulmbacher Land ist die Stromtrasse ebenfalls ein Thema. Mit der Forderung nach Entschädigung für die Zerstörung und notwendige Wiederherstellung der Ackerflächen sowie der Forderung nach einer Pacht auf Dauer sei der Verband aber auf einem guten Weg, meinte Wilfried Löwinger, Kreisobmann von Kulmbach. Diese wiederkehrende Leistung soll abgelten, dass der Bauer die Erdverkabelung auf seinem Acker mit allen damit verbundenen Einschränkungen, etwa auf Zufahrtswegen, dulden muss, so Löwinger.
Besonders betroffen ist Oberfranken von einigen Tieren, die den Landwirten das Leben schwer machen. Im Landkreis Bamberg sind es nach den Worten des neuen Kreisobmanns Edgar Böhmer die Wildgänse. Für sie lege der Naturschutz im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen künstliche Inseln an, sodass sie dort ungestört brüten können. Problem sei es aber, dass sich die Gänse auf die junge Saat, egal ob Weizen, Zuckerrüben oder Mais, stürzen. Ähnlich sei die Situation rund um den Förmitzspeicher im Landkreis Hof, so der stellvertretende Kreisobmann Gerald Hick. Auch hier machten sich zunehmend Wildgänse breit.
Als absolut dramatisch bezeichnete Jagdbeauftragter Franz Böhmer aus dem Landkreis Lichtenfels die Schwarzwildsituation in Oberfranken. Erste Jagdgenossenschaften seien bereits pleite, Notvorstände hätten eingesetzt werden müssen, Schätzungen und Vor-Ort-Feststellungen hätten von den Landratsämtern gemacht werden müssen.
Derartige Probleme müssten wahrgenommen und rasch angegangen werden, sagte BBV-Präsident Walter Heidl. Es könne nicht sein, dass für die Gänse alle denkbaren Projekte realisiert werden, während die Bauern mit den Problemen klarkommen müssen. Eine immense Herausforderung werde schließlich auch die Rückkehr des Wolfes werden, befürchtete Heidl. Während es in den neuen Bundesländern bereits Populationen gebe, sei der Wolf bisher nur durch Bayern gestreift. Es müsse aber allen klar sein: Eine extensive Weidehaltung werde es mit dem Wolf in Bayern wohl nicht mehr geben.
Gedanken über die Zukunft des Bauernverbandes machte sich Klaus Siegelin, stellvertretender Kreisobmann von Kronach. Der Verband sollte sich mehr zukunftsmäßig ausrichten, und zwar auf die Betriebe, die nach vorne schauen und entsprechend wirtschaften und nicht auf diejenigen, die den Status quo erhalten möchten. Siegelin: „Das Wirtschaften sollte für den Verband immer im Vordergrund stehen, das vermissen wir stellenweise.“

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