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Windbruch

Sturmschäden - die Aufarbeitung ist in vollem Gange

WBV Steigerwald
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
02.11.2018

Nach Fabienne: WBV Steigerwald geht von 25 000 fm Schadholz aus

Burgwindheim/Lks. Bamberg Baumkronen bahnen sich krachend ihren Weg nach unten, der Harvester brummt fleißig vor sich hin und aus mehreren Richtungen hört man Kettensägen surren – Die Waldbesitzer in der Gemeinde Burgwindheim sind in voller Aktion. Und das ist leider auch nötig. Rund fünf Wochen ist es her, dass die oberfränkische Gemeinde deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte. Schuld war Sturm Fabienne, der besonders im Ortsteil Untersteinach für schwere Verwüstungen und leider auch für ein Todesopfer sorgte.

Auch der Wald blieb nicht verschont. Großflächigen Wurf gibt es zum Glück nicht. Vielmehr sind es kleine, aber deutliche Schneisen mit gebrochenen und entwurzelten Bäumen. „Es sieht aus, als wären mehrere Mini-Tornados durchgezogen. Und da wo sie hingekommen sind, sind die Schäden verheerend“, erklärt Benjamin Göbel vom Forstrevier Schlüsselfeld. Auch durch zwei Waldflächen von Thomas und Erwin Dotterweich führen solche Sturmschneisen. Auf rund 3 ha gehen sie von etwa 250 fm Schadholz aus. Und dabei geht es nicht nur um Fichte und Kiefer, auch das Laubholz konnte Fabienne nicht standhalten. Kein Wunder, denn Fabienne kam Ende September. Die Laubbäume waren also noch voll belaubt. „Das wirkt dann wie ein Segel“, erklärt Forstdirektor Hans Schmid vom AELF Bamberg.

„Im Gebiet der WBV gehen wir von einem Schadholzanfall von 25 000 Festmetern aus“, sagt Michael Hornung. Er ist der Geschäftsführer der WBV Steigerwald, zu der etwa 7000 ha Wald gehören. Er schätzt, dass weit über hundert der rund 650 Waldbesitzer betroffen sind. „Weil so viele Bäume gebrochen sind, wird nur etwa ein Drittel des Holzes vermarktungsfähig sein“, vermutet der Vorsitzende der WBV Steigerwald, Harald Pflaum. „Die letzten Jahre hat es uns ganz schön getroffen“, resümiert Hornung. Begonnen habe es in Folge des Trockensommers 2015 mit dem Kiefernsterben. Dann gab es im Osten der WBV massive Hagelschäden – Borkenkäfer sowieso. Und Fabienne ist heuer nicht der erste Sturm, im Januar rauschte Burglind über das Gebiet der WBV. „Zusammen sind das bestimmt 40 000 Festmeter Schadholz. Das sind zwei normale Jahreseinschläge“, fasst Hornung zusammen.

Die Aufarbeitung von Fabienne ist derzeit in vollem Gange. Ist das Schadholz aus dem Wald, stellt sich die Frage, wie es weiter geht – und dann kommt Benjamin Göbel ins Spiel. Gemeinsam mit dem Walbesitzer macht er zuerst eine Bestandsaufnahme um dann die weiteren Schritte festzulegen. „Das muss gut überlegt sein, immerhin entscheiden wir, wie der Wald der Zukunft aussehen soll“, sagt Göbel.

Zuerst ist zu klären, ob es reicht auf die Naturverjüngung zu warten – oder ob durch eine Pflanzung auch gleich neue Baumarten eingebracht werden sollten. Dabei freut sich Göbel immer besonders, wenn Waldbesitzer neben den üblichen Mischbaumarten auch Exoten ausprobieren wollen. Beispielsweise den Gebirgsmammutbaum, die Baumhasel oder die Libanonzeder. „Besonders wichtig ist dabei die richtige Herkunft“, betont er – und meint damit Gebirgsherkünfte. Denn neben heißen und trockenen Phasen im Sommer müssen die Bäume auch Frost aushalten können. Natürlich sollten die Exoten nicht bestandsprägend sein, betont Göbel. Es gehe darum, dass sich die Mischung erhöht. Und wer den ersten Schock verdaut hat, kann den Sturmschaden auch als Chance ansehen: „Das ist ein beschleunigter Waldumbau“, wie einer der betroffenen Waldbesitzer sagte. 

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