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Stromtrassen

SuedLink betrifft Bauern stark

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaflichen Wochenblatt erschienen.

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von , am
21.04.2017

Retzstad - Landwirte fürchten Schäden und schwerwiegende Beeinträchtigungen für ihre Flächen und Betriebe.

Süd-Link
Die Gleichstromtrasse SuedLink im Blick haben Bayerischer Bauernverband Main-Spessart und MdB Alexander Hoffmann. © BBV Würzburg

Auf dem Köhlerhof in Retzstadt besprachen Bauernverband und Alexander Hoffmann, MdB, die mit der Gleichstromtrasse (SuedLink) geplanten Eingriffe. Eine umfassende Entschädigungspraxis, die sämtliche Beeinträchtigungen beinhaltet und die Betroffenen nicht in die Nachweispflicht zwingt, soll das Verfahren beschleunigen und damit weitere Kosten sparen.
Karl Köhler stellte kurz seinen Hof vor. Zusammen mit Ehefrau Birgit und Sohn Andreas bewirtschaftet er rund 130 ha und betreibt Bullenmast sowie Kälberaufzucht. Sein außerhalb gelegener Betrieb bietet beste Voraussetzungen für eine Erweiterung. Die neben seinem neuen Stall vorbeiführende Stromleitung SuedLink könnte ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, die Erweiterung blockieren und damit langfristig die Existenz gefährden. Insgesamt scheint der rund 1000 m breite Korridor der geplanten SuedLink-Trasse auf der Retzstadter Höhe stark eingegrenzt. Auf der einen Seite liegt der Köhlerhof, auf der anderen Seite begrenzen Wald und weitere Bestandsbauten, ein geplantes Gewerbegebiet sowie Weinbergsflächen die Möglichkeiten der Trassenführung.

Keine schnelle Variante in Sicht

Eine schnelle Lösung konnte auch der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann, der gut informiert war und als Ansprechpartner vor Ort gerne zur Verfügung stand, nicht anbieten. Positiv wäre auf jeden Fall, dass die jetzt vorgesehene Linienführung die betroffenen Gebiete im Landkreis Main-Spessart deutlich minimiert hat, so Hoffmann. Die etwa 1,50 m tief liegenden Leitungen erfordern einen Arbeitsstreifen von etwa 25 Metern und einen später zu schützenden Streifen von rund 15 m.
Auch wenn die Leitungen sich auf 40 bis 70 Grad erwärmen, rechnet Hoffmann lediglich mit einer Erwärmung um zwei Grad an der Erdoberfläche. Schon das halten die Landwirte für zu viel. Schließlich trocknen die dortigen Muschelkalkböden enorm schnell aus. Weil der Regen in der Vegetationszeit meistens fehlt, wäre der Ertrag auf den betroffenen Flächen stark gemindert, sagen die Landwirte. Sehr langfristige Schäden erwarten auch die Winzer. Bei Anpflanzung neuer Weinstöcke würden Jahre vergehen, bis diese wieder in vergleichbarem Ertrag stehen. Deshalb sollten hier alle Möglichkeiten geprüft werden, um oberflächige Abgrabungen zu verhindern.
Hoffmann erläutert die gängige Entschädigungspraxis, die den Ausfallschaden sowie Beeinträchtigungen bis zu drei Jahre nach der Bauzeit einschließt und eine Eintragung als Grunddienstbarkeit erfordert. Ein von Betroffenen nachgewiesener Folgeschaden führt zu einer darüber hinaus zu leistenden Entschädigung, so Hoffmann. Um den einzelnen Grundeigentümer/Landwirt nicht in gutachterliche Auseinandersetzungen und teure Klageverfahren zu zwingen, fordert der Bauernverband eine Beweislastumkehr sowie eine dauerhafte Entschädigung.

Einvernehmliche Lösung wichtig

„Damit die Stromleitung zügig gebaut werden kann, ist eine einvernehmliche Regelung mit den Grundeigentümern und Landwirten wichtig“, sagt Eugen Köhler, Referent der BBV-Hauptgeschäftsstelle Würzburg. Schließlich kostet die Abschaltung der Windkraftanlagen in Norddeutschland, deren Strom aktuell nicht verwertet werden kann, rund 100 Mio. €/Jahr. Dauerhafte Entschädigungen schlagen hingegen mit lediglich rund 150 Mio. € deutlich geringer zu Buche.
Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Bundesnetzagentur einen sehr hohen Einfluss auf die Planungen und Entschädigungspraxis hat. Eine Chance, die auf jeden Fall vom Bundestag genutzt werden sollte. Abgeordneter Alexander Hoffmann bedankte sich für die sachlich geführte Diskussion und bot dem Bauernverband an, für weitere Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Informationsangebot der Betreiber

Die Betreibergesellschaft TennetT/TransnetBW der SuedLink führt sogenannte Antragsworkshops vor Ort durch. Dabei werden alle Interessierten im Vorfeld der formalen Antragskonferenzen umfassend über den Antrag, dessen Aufbau sowie über Beteiligungsmöglichkeiten im formellen Verfahren informiert. Damit möchten die Übertragungsnetzbetreiber allen Beteiligten eine Hilfestellung geben, ihre Hinweise im formellen Verfahren zielführend bei der Bundesnetzagentur einzubringen. Experten aus dem Sued-Link Projektteam und der Arge SuedLink stehen für Fragen und Einzelgespräche zur Verfügung.
Eine Anmeldung für die Workshops ist nicht erforderlich, wie die Taskforce Netzausbau des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in ihrem Veranstaltungskalender schreibt.

Die nächsten Termine finden jeweils ab 18 Uhr

  • am 25. 4. im Hotel Cavallestro, Im Richthofen Circle 5, 97318 Kitzingen;
  • am 27. 4. in der Festhalle Heustreu sowie
  • am 2. 5. in Würzburg in der Festung Marienberg und in Lohr am Main in der Alten Turnhalle statt.
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