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Protest

Traktoren gegen den Nationalpark

Demo Nationalpark Frankenwald
Stephan Herbert Fuchs
am
08.06.2017

Neukenroth - Mit einer Demo gegen den möglichen Nationalpark Frankenwald meldete die Land- und Forstwirtschaft lautstarken Protest an.

Eine solche Demonstration hat der kleine Ort Neukenroth nahe der Stadt Kronach wohl noch nie gesehen. Mehrere hundert Land- und Forstwirte mit rund 120 Schleppern, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Holztransportern haben Stimmung gegen einen möglichen Nationalpark Frankenwald gemacht. Hintergrund war der gleichzeitige Besuch der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf, die die Planungen für einen Nationalpark vorstellte.

Der Verkehr auf der mitten durch den Ort führenden Bundesstraße B85 kam dabei für längere Zeit komplett zum Erliegen. Die Teilnehmer der Demo ließen dabei unter anderem Motorsägen aufheulen und machten ihren Unmut über die Pläne mit Transparenten, Trillerpfeifen und Signalhupen Luft.

Vom großen Zuspruch in Neukenroth waren selbst die Organisatoren vom BBV überrascht. „Ich bin stolz auf euch“, rief der stellvertretende Kreisobmann Klaus Siegelin ins Megafon. Besonders ins Visier der Demonstranten geriet dabei der örtliche Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner (CSU). Er hatte den Frankenwald als möglichen Nationalpark überhaupt erst ins Gespräch gebracht. „Baumgärtner und Co machen unseren Frankenwald k.o.“ stand nun auf Transparenten zu lesen, oder „Ich dachte er heißt Baumgärtner und nicht Baumvernichter“.

Für die Ministerin wurde dabei erstmals deutlich: Ein möglicher Nationalpark Frankenwald stößt in Oberfranken auf massiven Widerstand. „Nationalpark? Kein Bedarf Frau Scharf“, wurde auch sie auf Transparenten namentlich genannt.

Mit Pfiffen empfangen

Umweltministerin Scharf, die von den Demonstranten mit Pfiffen empfangen wurde, hatte bereits Mitte Mai angekündigt, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten bayerischen Nationalpark mit aufzunehmen. Als Standort sind derzeit noch weitere drei Regionen im Gespräch: die Donauauen, die Rhön und der Spessart. In Neukenroth hob sie die positiven Seiten eines möglichen Nationalparks hervor. Zugleich versicherte sie, man werde nicht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheiden. „Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit.“ Einen Nationalpark bezeichnete sie als „Entwicklungssprung für den Frankenwald.“ Die Entscheidung über den Standort des dritten bayerischen Nationalparks will die Staatsregierung bereits im Juli treffen.

Mit der Auftaktveranstaltung sei eine Informationsbasis geschaffen worden, auf der nun eine ausführliche Diskussion aufbauen könne, sagte der Landtagsabgeordnete Baumgärtner. „Ich denke, wir sollten gemeinsam diskutieren und abwägen, welche Chance ein Nationalpark für die Region sein kann.“ Ihm sei es wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass er einen ergebnisoffenen Dialog mit den Kommunalpolitikern, Vereinen, Verbänden und Interessensgruppen sowie den Bürgern der Region angestoßen habe und er bis heute nicht auf eine Antwort ja oder nein zu einem Nationalpark im Frankenwald festgelegt sei, so Baumgärtner.

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