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Franken

Trockenheit trifft Futterbaubetriebe

von , am
20.08.2015

<b>Pechgraben/Lks. Kulmbach</b> - BBV Kulmbach kritisiert auch die Dumpinpreise des Lebensmitteleinzelhandels

Was mach´ich denn mit so einem Mais? (v.l.) Betriebsleiter Holger Knörrer ist ebenso ratlos wie seine Berufskollegen Harald Peetz, Gerhard Reif, Kreisobmann Wilfried Löwinger, Kreisbäuerin Gisela Opel und ihre Stellvertreterin Silvia Schramm.
Auf die Trockenheit „mit dramatischen Ausmaßen“ hat die Kulmbacher BBV-Kreisvorstandschaft auf dem Betrieb der Familie Popp-Knörrer im Neudrossenfelder Gemeindeteil Pechgraben hingewiesen. Bei der Pressekonferenz schilderte BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger sowohl die derzeitige Misere der Erzeugerpreise, als auch um die Auswirkungen der Trockenheit. „Im Maintal auf den sandigen Böden ist es extrem“, sagte er. Doch weil im Süden und im Norden Deutschlands heuer viel Regen gefallen sei, werde sich das bei den Erzeugerpreisen nicht auswirken, erklärte er den Journalisten.
„Jetzt trifft es die Futterbaubetriebe“, sagte er. Thomas Erlmann und Harald Unger erklärten, dass die Milchviehbetriebe derzeit gerade kostendeckend produzieren, obwohl die oberfränkischen Molkereien noch relativ lang gute Preise ausbezahlen konnten. „Im Moment schaut es so aus, daß heuer nichts mehr wächst“, meinten auch die beiden. Bereits der erste Schnitt habe nur etwa drei Viertel der üblichen Menge gebracht, der Zweite nur die Hälfte, und seitdem herrsche „Totalausfall“.
„Der Mais ist schon verdorrt, bevor er gescheite Kolben bilden konnte“, das zeigte sich später auch beim Fototermin auf einem Feld, bei dem Holger Knörrer nicht weiß, was er machen soll. „Des dürre Zeug häckseln, bringt nichts“, meinen auch seine Berufskollegen. Wo die Böden besser sind, hoffen die oberfränkischen Landwirte doch noch auf Zuwachs. „Nicht mehr erntewürdig“, sei dagegen später gesäter Grünroggen. Und auch die Umcodierung sei für viele Futterbaubetriebe zu spät gekommen, weil entweder bereits gemulcht worden oder das Futter am Stängel verdorrt sei.
„Gottseidank haben wir im letzten Jahr richtig gut Futter gebunkert“, sagt Knörrer, der mit seiner Familie 50 Milchkühe und die weibliche Nachzucht gut über den Winter bringen möchte. Er hat vorsichtshalber auch das komplette Getreidestroh eingelagert. In der Jungviehration sei ein gewisser Strohanteil immer von Vorteil. „Aber hohe Leistungen bekomme ich damit nicht“, ist ihm klar. „Das ist wie Knäckebrot ohne was drauf“, veranschaulicht Thomas Erlmann.
Bis zum Mai müßte die vorhandene Silage reichen, schätzt Knörrer, „doch dann wird es problematisch“. Denn neue Silage sollte mindestens sechs, acht Wochen silieren, bevor sie verfüttert wird.
„Bauernverband und Maschinenringe haben eine Futterbörse eingerichtet“, berichtet Löwinger. Der Bauernverband fordert zusätzlich: „Falls die Zwischenfrüchte was werden sollten, müssen die zur Futternutzung freigegeben werden“. Vielleicht könnte man auch Körnermais silieren, denn wegen der schlechten Körnerausbildung werde der Drusch nicht lohnen, meint sein Stellvertreter Gerhard Reif.
Heftige Kritik übt die Kreisvorstandschaft an ihren Marktpartnern. „Das Bier wird im nächsten Jahr wieder teurer, selbst wenn wir die Gerste herschenken“, sagt Löwinger. Und Kreisbäuerin Gisela Opel stellt fest: „die übersättigte Gesellschaft ist unser Problem“. Die Lebensmitteleinzelhändler wüssten nicht, was sie mit ihrer skandalösen Preispolitik anrichten: „Die Familienbetriebe in benachteiligten Gebieten werden als erste aufgeben, aber die sind es doch, die regional produzieren und die Landschaft pflegen“. Es tue weh, „wenn unser Lebenswerk verramscht wird“.
Die Kreisbäuerin und ihre Stellvertreterin Silvia Schramm wandten sich auch gegen Lebensmittelverschwendung. „Wir Landfrauen fordern das Fach Alltags- und Ernährungslehre in jedem Schultyp“, sagte sie, „denn unsere Gesellschaft verarmt ohne das Wissen um gesunde Ernährung“.
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