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David gegen Goliath

Die Vernunft hat sich durchgesetzt

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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
15.01.2018

In Stadtlauringen wird es keine Ausgleichsflächen für das Gewerbegebiet in Bamberg geben.

In der Auseinandersetzung David gegen Goliath hat die Vernunft gesiegt.“ So kommentierte die Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber einen Präzedenzfall, der Landwirte und Bürger im unterfränkischen Markt Stadtlauringen im Sommer auf die Barrikaden gebracht und für ein spannendes halbes Jahr gesorgt hatte.
Für 40 ha im Gemeindegebiet war beim Landwirtschaftsamt Schweinfurt ein Antrag zur Erstaufforstung gestellt worden, noch bevor die Marktgemeinde informiert wurde. Die Flächen sind im Besitz der Bundesrepublik und werden derzeit von Landwirten im Umkreis bewirtschaftet. Weil die Stadt Bamberg für ein neues Gewerbegebiet (Muna) eine größere Rodung vorhat, schien der Bereich „Altenburg“ im Markt Stadtlauringen als ideale Ausgleichsfläche.
Doch das ließen die Bürger sich nicht gefallen. „Würde der Bereich Altenburg aufgeforstet, wäre die wunderbare Aussicht dahin – und wertvolle Ackerflächen auch“, informierte bei einer Demonstration mit zahlreichen Schleppern Kreisbäuerin Barbara Göpfert, die auch im Gemeinderat aktiv ist. Umgehend haben die Stadtlauringer „ihre“ Politiker eingeschaltet. Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium, Landrat Florian Töpper, Bezirksrat Stefan Funk und das Landwirtschaftsamt haben Seite an Seite mit der Bundestagsabgeordneten und dem Gemeinderat daran gearbeitet, den Fall aus der Welt zu schaffen.
 

Das würde zum Ausverkauf des ländlichen Raumes führen

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„Es kann nicht angehen, dass eine Stadt sich erweitert, und der ländliche Raum für Ausgleichsflächen herhalten muss“, sagte Weisgerber. Das würde zum Ausverkauf des ländlichen Raumes führen. Sie zitierte den Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Marcel Huber, dass Ausgleichsflächen ortsnah zu suchen seien. Im Fall der Stadt Bamberg sei das inzwischen auch gelungen, sagte der berufsmäßige Stadtrat Christian Hinterstein, der extra zu dem Pressegespräch gekommen war.
Stadtlauringens Bürgermeister Friedel Heckenlauer dankte allen, die sich dafür eingesetzt haben, „den Eingriff in die kommunale Planungshoheit und die negativen Auswirkungen für den ländlichen Raum“ zu verhindern. „Meinen Glückwunsch, dass Sie einen Gemeinderat haben, der nicht einfach alles hinnimmt“, sagte Staatssekretär Gerhard Eck. Es gehe nicht an, dass Flächen, die im Eigentum des Bundes sind, gegen den Willen der Bevölkerung vor Ort aufgeforstet werden. „Größere Städte können locker 50 Hektar kaufen“, meinte er. In der Marktgemeinde sei bereits angedacht, die Flächen vom Bund zurückzukaufen – sicherheitshalber. Doch darüber wollte der Bürgermeister weiter nichts verlauten lassen. Denn das Vorzeigedorf hat es bis zur Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ gebracht. Dass hier bereits viel investiert worden ist, sieht man überall.
Dass mit Ausgleichsflächen ganze „Ortschaften plattgemacht“ werden können, befürchtet auch der Staatssekretär, der deshalb in diesem Präzedenzfall eng mit dem Bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zusammengearbeitet hat. „Wir sollten rechtlich Pflöcke einrammen, dass der Ausgleich im gleichen Naturraum notwendig ist. Sonst müssten die Bürger der schönen Stadt Bamberg ja bis in den schönen Markt Stadtlauringen fahren, um sich zu erholen.“ Die einfache Fahrzeit von Bamberg bis Stadtlauringen beträgt übrigens rund eine Stunde bei 70 km.
Eck sagte wörtlich: „Es kann nicht sein, dass sich Städte wirtschaftlich weiterentwickeln und wir im ländlichen Raum – über eine so große Entfernung – dafür Ausgleichsflächen zur Verfügung stellen sollen. Denn wir wollen keinen Ausverkauf des ländlichen Raums.“

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