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Fränkischer Karpfen

Wassermangel macht zu schaffen

Fränkischer Karpfen
Stephan Herbert Fuchs, Jürgen Leykamm
am
19.09.2017

Die fränkischen Teichwirte haben die Karpfensaison eröffnet. Ein niederschlagsarmer Winter und ein trockener Sommer verhindern eine Rekordernte.

Fränkischer Karpfen

Ähnlich wie das Schäufele gehört auch der Karpfen zu den fränkischen Nationalgerichten. Alle Karpfenfreunde in Franken können sich heuer auf eine ausgezeichnete Qualität freuen: „Der Fisch ist hochrückig, schön bespiegelt, hat einen Fettgehalt zwischen 2,5 und 6 Prozent und schmeckt einfach gut“, sagte Karl-Peter Schwegel aus Wiesentthal bei der Eröffnung der oberfränkischen Karpfensaison auf seinen Teichanlagen in Mengersdorf bei Obernsees.
Die erzeugte Menge wird nach offiziellen Angaben bayernweit heuer allerdings geringfügig unter dem langjährigen Schnitt von 6000 t pro Jahr liegen. Schuld daran seien der wasserarme Winter und der teilweise trockene Sommer, die den Besatz mancher Teiche verhindert haben. Aus Oberfranken kommen rund 10 % der erzeugten Karpfen. Bevor die Teiche abgefischt werden, wachsen die Fische drei Jahre heran und erhalten als Beifutter ausschließlich Getreide.
Schwegel ist einer der wenigen Karpfenteichwirte, die in Oberfranken im Vollerwerb wirtschaften und der alleine auf 6 t erzeugten Speisekarpfen pro Jahr kommt. In der Regel vermarktet Schwegel direkt auf den Wochenmärkten von Bayreuth, Forchheim, Erlangen, Neunkirchen am Brand sowie auf Sonntagsmärkten.
Mit ihrer extensiven und naturnahen Teichwirtschaft sorgen die Karpfenerzeuger nicht nur für eine besonders nachhaltige Erzeugung, sondern auch für die Erhaltung einer einzigartigen und charakteristischen Naturlandschaft, sagte der oberfränkische Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Zudem seien die Karpfenteiche auch wertvolle Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Das wird an den vier Teichen von Karl-Peter Schwegel in Mengersdorf besonders deutlich. Wo bis 2007 ein Maisacker war, sind jetzt die vier Teiche, in deren Umgriff sich bereits Schwarzstörche, Eisvogel und Ringelnatter niedergelassen haben. „Erst durch die Bewirtschaftung werden die Teiche ökologisch wertvoll“, betonte Dr. Peter Thoma aus Thiersheim, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken.


Der Kormoran fischt auch ab


Die Karpfensaison wurde auch im mittelfränkischen Obersteinbach feierlich eröffnet. Teich- und Gastwirt Georg Gsänger erklärte, dass auch dort die Gewässer unter der Trockenheit leiden. Teilweise sei der Wasserstand auf seinen insgesamt 2,5 ha großen vier Teichen um einen halben Meter tiefer als sonst. Einen hat er bereits abgefischt – und von 200 eingesetzten mittelgroßen Karpfen nur 150 große bekommen. Der Kormoran lasse grüßen. Vor zwei Jahren, als Gsänger noch auf die kleinen (K1) Exemplare setzte, sei das Ergebnis vernichtend gewesen. Denn diese schmeckten dem Raubvogel besonders gut: Nur 50 von 1000 Karpfen überlebten.
Die Wasserknappheit allerdings macht ihm zu schaffen. Der Steinbach, der seine Teiche speise, sei „zum Rinnsal“ geworden, so Gsänger. Verschärft habe sich die Situation durch ein im Zuge des B2-Ausbaus angelegtes Biotop. Das Wasser soll hier eigentlich nur durchgeleitet werden, werde aber in Zeiten mangelnder Niederschläge einfach „nicht mehr hergegeben“, sagte der Teichwirt, der so das Nachsehen hat.
Bei der Aktion „Heimischer Fisch frisch auf den Tisch“ nehmen im Landkreis Roth 33 Gastwirte und 6 Teichwirte teil. Wer auf „Karpfen-Genießer-Tour“ geht, kann sich dort auch bei einem Gewinnspiel beteiligen und auf Essensgutscheine hoffen.
Unterstützung für die Teichwirte gibt es derzeit durch ein Förderprogramm, das Anreize zur Sanierung bieten soll, wie Wilhelm Baier erläuterte, Fachberater für Fischereiwesen beim Bezirk Mittelfranken. Auch Betriebsnachfolgen könnten so erleichtert werden.

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