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Tag des Wassers

Wasserschutz - auf einem guten Weg

Wasserschutz
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Ludwiga Friedl, Wochenblatt
am
26.03.2018

Bauernverband und Regierung von Unterfranken stellen erfolgreiche Projekte zum Wasserschutz vor.

Zum Tag des Wassers wurde bei einem Pressegespräch in Thüngen (Lks. Main-Spessart) gezeigt, wie sich Landwirte in Unterfranken für den Schutz des Wassers engagieren. Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler begrüßte dazu mehrere Experten, die freiwillige Projekte erläuterten, die deutlich über bestehende Auflagen hinausgehen. Die bereits erzielten guten Ergebnisse verdeutlichten wie wichtig es ist, dass Landwirte, Landwirtschaftsberatung/-verwaltung und Wasserwirtschaft an einem Strang ziehen.

Köhler sprach allerdings auch deutlich die Problematik an, die dahintersteht: „Laut UN haben weltweit 2,1 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer gesicherten Trinkwasserversorgung.“ Dazu gebe es viele Ideen, die in Deutschland längst realisiert werden. „Beispielsweise machen wir seit Jahrzehnten konservierende Bodenbearbeitung. Und jetzt nimmt man uns Glyphosat“, sagte er kopfschüttelnd. Auch Erosions- und Uferrandstreifen seien wichtige Instrumente. Jeder Quadratmeter, der zugebaut werde, könne kein neues Grundwasser bilden.

In Unterfranken sei mit 0,4 GV/ha nicht der hohe Viehbesatz das Pro­blem, sondern fehlende Niederschläge. „Doch wir Landwirte sind mit Herzblut dran und haben viel erreicht.“ Das Werntalprojekt stellten Dr. Paul Kruck, Bürgermeister der Stadt Karlstadt, und Peter Schwappach von der Regierung von Unterfranken vor. Bei einer Kartierung zeigte sich, dass beste Äcker am wenigsten zur Nitratneubildung im Grundwasser beitragen.

Deshalb wurden Extensivierungsmaßnahmen auf den schlechteren Böden gefördert, beispielsweise die Umwandlung von Acker zu Grünland und der Verzicht auf Weizen, Roggen, Kartoffeln und Mais. Statt dessen werden mehr Braugetreide, Sonnenblumen und alte Getreidearten angebaut. Zwischenfrüchte nutzen und konservieren Stickstoff über den Winter. Mulchsaatverfahren setzen weniger N frei. Zur Ernte 2016 wurden 123 Flurstücke mit 452 ha beprobt, daraus ergab sich ein durchschnittlicher N-Überschuss von 21 kg N/ha.

2017 waren es bei 298 Flurstücken mit 797 ha gar nur 16 kg N/ha, „also vorbildlich niedrig angesichts der erlaubten 50 Kilo N pro Hektar“.
Als Fazit nach 15 Jahren Werntalprojekt sagte Schwappach: „Die Differenzierung der Böden nach Auswaschungsrisiko ist sinnvoll. Ackerbau ist auf vielen Flächen weiterhin möglich. Gezielte Extensivierungsanreize auf schlechten Standorten machen Sinn. Die freiwillige Kooperation zwischen Wasserversorger und Landwirten funktioniert.“

Bürgermeister Dr. Paul Kruck als zuständiger Wasserversorger gab einen Überblick über die verschiedenen Brunnen im 4200 ha großen Einzugsgebiet und die Kosten der freiwilligen Fördermaßnahmen. Sie summieren sich auf rund 0,17 €/m³ bei Trinkwasserkosten von 2,40 €/m³, also deutlich effektiver als eine Wasseraufbereitung, die 40-80 ct/m³ kosten würde. Bei einem Brunnen mit einem Wasserdargebot von 1 Mio. m³/Jahr summiere sich das eingesparte Nitrat auf 18 t/Jahr. Bezahlt gemacht habe sich der Wasserberater.

Spezielle Sorten für Wasserschutzbrot

Das Backgetreideprojekt der Aktion Grundwasserschutz (Wasserschutzbrot) stellte Christian Guschker vom Sachgebiet Wasserwirtschaft an der Regierung von Unterfranken vor. Laut einer Quellstudie in der Rhön werde die Grundwasserneubildung geringer werden. Für die 560 Brunnen bei 300 Versorgern fehlen die Nassjahre. Die gute Nachricht: Die Nitratgehalte im Rohwasser sinken seit 25 Jahren.

Für das Wasserschutzbrot bauen die Landwirte gezielt Sorten wie Patras und Kerubino an und verzichten auf die Spätdüngung. Elf Landwirte, drei Mühlen und zwölf Bäcker mit 60 Verkaufsstellen sind derzeit dabei. „Das Nadelöhr sind die Abnehmer, nicht die Landwirte“, sagte Guschker, der immer noch auf der Suche nach Partnern ist.

Was die Wasserberater am Fachzentrum Agrarökologie für den Gewässer- und Erosionsschutz leisten, stellte Klaus Bernhart dar, der Leiter des AELF Karlstadt. „Die Qualität der Grund- und Oberflächengewässer soll besser werden“, sagte er. Dafür werde gezielte Beratung zur Vermeidung von Einträgen angeboten. Beispielsweise am Projekt boden:ständig Sulzdorfer Badesee, an den Saalezuflüssen, am Haubach und am Kahlgrund.

Dabei sei immer eine freiwillige Bündelung der Kräfte das Ziel von Eva Heilmeier, Julian Hofmann, Rainer Schubert und Anton Lesch. Als positive Beispiele nannte Bernhart rund 500 km Gewässerschutzstreifen, ein stetiger Zuwachs beim Anbau von Zwischenfrüchten auf nunmehr 27 500 ha, der Ökolandbau auf 41 000 ha (11 % der LF in Unterfranken) und die starke Ausdehnung von Blühflächen auf 3400 ha in Unterfranken. Obwohl es Geduld erfordere, bis die Verbesserungen erreicht werden, stellte Bernhart fest, „wir sind auf einem guten Weg“.

Das Pilotprojekt Wildlebensraum Bütthard erläuterte Andreas Maier, der Leiter des AELF Würzburg. Dabei wurde im Einvernehmen von Jägern, Landwirten und Wildlebensraumberatern ein Biotopverbund mit 21 ha geschaffen (2,2 % der LF). Auf 26 km Randstrukturen finden sich nun etwa 150 zusätzliche Pflanzenarten. Gezielt wurden Pufferstreifen für den Gewässerschutz angelegt, die sich auf den Lößböden umgehend bezahlt gemacht hätten.

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