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Grundwasserschutz

Wassersschutz mit Ökolandbau?

Grundwasserschutz
Regina Vossenkaul
am
08.01.2018

Eine Tagung in Bad Neustadt macht große Unterschiede und Probleme bei den Betrieben deutlich.

Dr. Joachim Liebler

Wir sind in einer sensiblen Wassersituation in Unterfranken“, sagte Christian Guschker, Projektleiter der Aktion Grundwasserschutz bei der Regierung von Unterfranken, bei einer Tagung der „Initiative Grundwasserschutz durch Öko-Landbau“ in den Räumen des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bad Neustadt. Diesmal standen die Erträge im Ökolandbau im Mittelpunkt der von mehr als 80 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung. Wohin geht die Entwicklung und stimmt die Faustregel für den Öko-Anbau halbe Ernte – doppelter Preis?

Seit 2001 gibt es die Aktion Grundwasserschutz und seit 2008 die Initiative „Grundwasserschutz durch Ökolandbau“, mit denen die Regierung von Unterfranken auf die besonderen Herausforderungen in diesem Bezirk reagiert hat: wenig Niederschläge, dünne Bodenschichten mit schwacher Filterwirkung, durchlässiger Untergrund. Starkniederschläge, Hitzeperioden, Trockenstress und längere Vegetationsperioden sind Folgen des Klimawandels, dessen Bekämpfung laut Kanzlerin Merkel eine „Schicksalsfrage“ ist, wie Guschker erwähnte.

Die Grundwasservorräte sind geschrumpft, weil es auch in den Wintern weniger Niederschläge gab. „Wir hatten seit 2003 keine richtig nassen Jahre mehr.“ Das führte im Frühjahr 2017 in einigen Regionen bereits zu Einschränkungen beim Trinkwasserverbrauch.
Als Hausherr begrüßte Stefan Fella und wies darauf hin, dass es in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld die meisten Biobetriebe in Bayern gibt. 90 000 ha landwirtschaftliche Fläche werden im Landkreis Bad Kissingen von 1170 Betrieben und im Landkreis Rhön-Grabfeld von 1280 Betrieben bewirtschaftet.

Beim Ökolandbau gibt wes genaue Bodenanalysen

Bernhard Schwab, Ökoanbauberater vom AELF Bamberg, wies auf die Steigerung der Ökobetriebe während seiner 26-jährigen Amtszeit hin, was zeigt, dass die Erfahrungen damit gut sind und sich die Betriebe von gegensätzlichen Berichten über Erträge und Unkrautdruck nicht verunsichern lassen. Es gebe allerdings Optimierungsbedarf, denn die Regel „halbe Ernte, doppelter Preis plus Prämien“ gehe nicht überall auf. Es gebe große Unterschiede auf den Höfen, manche kommen sehr gut zurecht, manche kämpfen mit hohem Unkrautdruck und der Nährstoffversorgung.

Im Ökolandbau müssen ganz genaue Bodenanalysen durchgeführt werden, der PH-Wert allein sei nicht aussagekräftig genug. Die Frage sei, wie er zustande kommt, machte Dr. Joachim Liebler vom AELF Uffenheim in seinem Vortrag über Pflanzenernährung klar. Beim konventionellen und beim Ökolandbau gelten die gleichen Naturgesetze – oder? „Ich bin mir nicht mehr ganz sicher“, bekannte Liebler, denn Zuwendung und ständige Beobachtung spielen anscheinend auch eine Rolle. Schädlingen müsse man den Nährboden entziehen nach der Devise „der Schädling ist nichts, das Milieu ist alles“.

2 Mio. Jahre lang sei der Mensch der Nahrung hinterhergelaufen, heute komme der Pizzaservice – das könne nicht gesund sein, denn „die Natur mag es nicht bequem“, gab er zu bedenken. Da müssen auch mal mehrere Analysen auf einem Acker gemacht werden, wenn die Unterschiede zu groß sind. „Wenn Kali, Magnesium oder Bor fehlen, freut sich der Maiszünsler.“ Kobalt, Fluor und Selen seien für die Pflanze nicht essenziell, aber für das Bodenleben.

Man braucht das Vieh

Da im Ökoanbau der „Reparaturstickstoff“ fehlt, ist Wissen darüber gefragt, wie man Unkräuter in Schach hält, wie Humuspflege betrieben wird und welche Fruchtfolge optimal ist. Allerdings können Unkräuter auch Anzeigepflanzen für einen Mangel sein, das sei noch zu wenig erforscht, so Liebler.

Alle 14 essenziellen Pflanzennährstoffe seien wichtig in einem harmonischen Verhältnis, sonst arbeiten die Knöllchenbakterien nicht zufriedenstellend. Die Abhängigkeit der Nährstoffaufnahme von der Temperatur machte Liebler deutlich. Versuche haben ergeben, dass dauerhaft gute Erträge im Ökolandbau ohne Viehhaltung nicht möglich sind, deshalb riet Liebler allen viehlosen Betrieben zu einer Futter-Mist-Kooperation mit Viehhaltern.

Ähnliches war von Gustav Alvermann vom Ökoring Schleswig-Holstein zu hören, der Ernteergebnisse und Anbaubedingungen an Beispielen genauer beleuchtete. „Man braucht das Vieh“, so sein Fazit. Alle von ihm betreuten Höfe haben entweder selbst Tiere oder eine Kooperation oder sind nach 30 Jahren nicht mehr da.

Bei guter Nährstofflage kann ein Öko-Feld bis zu 65 % eines konventionellen Feldes erbringen, trug er vor, der Durchschnitt liege aber eher bei rund 40 %. Ein Beispiel: Ein Ökobauer, der zuvor 20 dt/ha Getreide geerntet hat, konnte nach Misteintrag und Legominosen-Zwischenfrucht 50 dt/ha ernten. Entscheidend ist natürlich auch, ob es in der Vegetationsperiode regnet, die Temperatur stimmt und genug Stickstoff aufgenommen werden kann.

Genaue Versuchsanordnungen und ihre Ergebnisse trug anschließend Dr. Franz Schulz von der Justus-Liebig-Universität Gießen vor. Es folgten danach weitere Ausführungen zur Bodenfruchtbarkeit und Ertragsentwicklung von Werner Vogt-Kaute (Naturland-Verband) und außerdem Prof. Dr. Kalus-Peter Wilbois von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

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