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Präventivseminar

Weide und Wolf – geht das?

Wolf-Präventionsseminar-Oberailsfeld_LF-1+2
Rosi Thiem
am
05.08.2019

Viele Schäfer und Ziegenhirten, aber auch Halter von Weiderindern sehen auf ihre Betriebe große Probleme und Herausforderungen zukommen.

Wolf-Präventionsseminar-Oberailsfeld_LF-3

Oberailsfeld, Behringersmühle/Lks. Forchheim Der Wolf ist da. Und die dauerhafte Anwesenheit des Wolfes erfordert Maßnahmen. Renate Baierlein, die zuständige Ansprechpartnerin vom AELF Kitzingen mit Dienstort Bayreuth, machte dies zum Anlass, 50 Weidehalter zu einem Präventionsseminar einzuladen. Das Interesse war enorm, so dass am Nachmittag noch sehr viele betroffene Weidehalter aus ganz Oberfranken zusätzlich hinzustießen. Viele Schäfer und Ziegenhirten, aber auch Halter von Weiderindern sehen auf ihre Betriebe große Probleme und Herausforderungen zukommen.

Im Falle eines Verlustes belaste die Weidetierhalter nicht nur der materielle Schaden, sondern auch der persönliche Bezug zu ihren Tieren. Auf der eigentlichen Speisekarte eines Wolfes stehen Rothirsch, Wildschwein und Reh. Die Wölfe als große Beutegreifer sind sehr anpassungsfähig, sie lernen schnell, wo und wie sie Nahrung finden. Viele sind sich einig, der Wolf muss im Rahmen gehalten werden. Irina Horrix und Markus Martini vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) referierten unter anderem über die Thematik – was tun bei Übergriffen? Horrix machte darauf aufmerksam, dass der Kadaver am Fundort belassen werden muss, geschützt vor der Witterung oder anderen Tieren. Eine zeitnahe Meldung an das LfU ist unbedingt erforderlich. Damit soll es möglich sein, den eventuellen Wolf auch tatsächlich nachweisen zu können. „Konflikte lassen sich nur gemeinsam lösen“, sagten sie. Baierlein zeigte die Möglichkeiten der Entnahme des Wolfes, auch schon im Einzelfall nach einem einmaligen Übergriff auf.
Sie erklärte, dass die aktuelle Entschädigung von nachgewiesenen Rissschäden über das Landesamt für Umwelt erfolgt. Die Mittel stammen aus einem Präventionsfonds. Hieraus werden Bereitstellungen von Präventivmaterial wie Zaunmaterial und Betriebsberatungen finanziert. Die leihweise Vergabe von Zaunmaterial kann in nachgewiesenen Wolfsgebieten – Veldensteiner Forst, Rhön, Nationalpark Bayerischer Wald und Truppenübungsplatz Grafenwöhr – erfolgen. Siegmund Kolb AELF Coburg, stellte unter anderem das noch nicht so bekannte Bergbauernprogramm vor. Rinder werden entschädigt, wenn der Wolf als Verursacher feststeht, erklärte Baierlein auf Anfrage und verwies zusätzlich auf die Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft:
Seit dem 15. Juli können Wanderschäfer eine Aufwandsförderung von 36 €/Mutterschaf unter folgenden Bedingungen erhalten: Eine Herde von mindestens. 200 Mutterschafen, die am 15. Juli 2019 über 1 Jahr alt sind, im Wolfs- oder Wolfspräventionsgebiet in der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober sowohl im Jahr 2018 wie auch 2019 weideten/weiden,. Die Wanderschäfer dürfen maximal 40 ha im Eigentum oder gepachtete Dauer- oder Grünlandflächen besitzen und sie müssen Maßnahmen zum Wolfsschutz durchführen. Die Sommerweiden dürfen weder Eigentum noch gepachtete Flächen sein. Der Antrag muss bis zum 31. August schriftlich bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vorliegen.
2020 wird es, laut Baierlein, voraussichtlich im Lauf des kommenden Jahres – vorbehaltlich der Genehmigung durch die EU – eine 100%-Förderung von verschiedenen Investitionsmaßnahmen im Herdenschutz in der Gebietskulisse eines offiziell bestätigten Wolfsgebietes seitens des StMELF geben.
Im Moment gibt es 550 Schafhalter in ganz Oberfranken. Diese Zahl der Halter hat seit 2005 um 23 % abgenommen. Die Zahl der Mutterschafe sank in diesem Zeitraum um 32 % und liegt jetzt – 2019 – bei 14 500. „Für den Naturschutz ist es tragisch, wenn ein Schäfer aufhört“, folgerte Baierlein und brachte damit zum Ausdruck, dass der Artenschutz und die Artenvielfalt von der Beweidung profitieren.
Stefanie Morbach von WikiWolves stellte die Möglichkeiten ihrer jungen Initiative vor. Hier bieten ehrenamtliche Helfer unter anderem Hilfe beim Zaunbau oder Nachtwachen gefährdeter Weidetiere an. Günther Herkert von Patura zeigte am Nachmittag an den Hängen von Oberailsfeld, wie schwierig eine Zäunung in steilen und trockenen Weidegeländen ist. „Eine Schwachstelle im System sorgt dafür, dass der Zaun nicht mehr versorgt ist“, mahnte er. „Der Wolf testet gnadenlos den Zaun.“ Der Zaun muss täglich kontrolliert werden, erklärte er den versammelten Weidetierhaltern, es gebe auch keinen einhundertprozentigen Schutz. Strom kann nicht an rostigen Erdstäben fließen. „Ein feuchter Boden hat die beste Leitfähigkeit und die höchste Effizienz“, veranschaulichte er. Herkert nahm sich einige Stunden Zeit, um den Tierhaltern Unsicherheiten am Weidezaun aufzuzeigen. „Wildtiere auszuzäunen ist eine andere Liga, als Haustiere einzuzäunen“, resümierte er. Rosi Thiem
Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

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