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Stromtrasse

Wertverlust befürchtet

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Stephan Herbert Fuchs
am
02.04.2019

Der Bayerische Bauernverband und die Bürgerinitiative Ölschnitztal machen gegen die Planungen für die Stromtrasse Hof–Schwandorf mobil.

Es wird ernst in Sachen Süd-Ost-Link: Nachdem bis Mitte März die Verfahrensunterlagen für die geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ-Leitung) öffentlich ausgelegen haben, sind nun bis zum 12. April Einwendungen gegen die Planungen im Abschnitt C, das ist der Bereich zwischen Hof und Schwandorf, möglich. „Die Planungen für die Trasse nehmen an Fahrt auf“, sagte Jürgen Becher, Vorsitzender der Bürgerinitiative Ölschnitztal bei einer Infoveranstaltung zusammen mit dem BBV in Stammbach.
Wenn die Leitung tatsächlich gebaut wird, dann ist der Kreis Hof in jedem Fall betroffen. Das bestätigte unter anderem Landrat Oliver Bär. Hauptbetroffene sind nach den Worten von Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kronach und Kulmbach, die Land- und Forstwirte. Die Leitung stelle in ihrer Planung als Erdkabel eine massive Beeinträchtigung und einen Wertverlust der Fläche dar, sagte er. „Alles in allem führt die Trasse letztendlich zu Ertragsverlusten“, so Köppel.
Ganz wichtig für alle betroffenen Landwirte: Nach Ende der Einspruchsfrist wird die Bundesnetzagentur einen Erörterungstermin festsetzen. Zutritt dazu habe allerdings nur, wer eine Einwendung gemacht hat. „Einwendungen sind die Eintrittskarten für den Erörterungstermin“, sagte Köppel und ermunterte die Berufskollegen, tätig zu werden. Der Bauernverband stehe dazu jederzeit helfend zur Seite. Trotzdem sollten die Einwendungen individuell sein. Vorgefertigte Textbausteine würden kaum weiterhelfen.

Es gibt genügend Gegenargumente

Argumente gegen die Trasse gibt es aus Sicht der Land- und Forstwirtschaft genügend. Sie reichen vom Flächenverbrauch, nicht nur für die eigentliche Trasse, sondern auch für Projekt- und Ausgleichsflächen, über Beeinträchtigungen des land- und forstwirtschaftlichen Wegenetzes bis hin zu befürchteter Bodenverdichtung, Bodenerwärmung und Grundwasserbeeinträchtigung. „So ein Eingriff lässt sich nicht einfach abschütteln“, sagte Köppel. Und weiter: „Man kann sich auf keinen Fall zurücklehnen und hoffen, dass der Kelch an einem vorbeigeht.“
Auch der Hofer Landrat Oliver Bär nannte es sinnvoll, dass all diejenigen, die potenziell betroffen sind, ihre Einwände vorbringen. Auch der Landkreis werde gemeinsam mit den Kommunen, wie übrigens auch der BBV, Einwände gegen die Trasse vorbringen. „Wir sind in einem Verfahrensstadium, bei dem es sich lohnt, zu sagen, das und das wollen wir nicht.“ Auch aus Sicht des Landkreischefs gebe es noch viele offene Fragen: Warum muss die Trasse bis zu 30 m breit sein? Warum wird der Verlauf nicht mit den Bundesautobahnen gebündelt? Wie entwickelt sich die Energiepolitik insgesamt weiter?

Aktuell gibt es zwei mögliche Varianten

Aktuell gibt es für die Stromtrasse zwei mögliche Varianten: Eine durch das Fichtelgebirge und eine weitere grob entlang der Bundesautobahn A 9. Die Entscheidung trifft die Bundesnetzagentur. „Nur massive Proteste können den Trassenbau verzögern oder vielleicht auch noch verhindern“, sagte BI-Vorsitzender Jürgen Becher. Scharf ins Gericht ging er mit dem geplanten Beschleunigungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, das Einspruchsmöglichkeiten reduzieren soll. Becher bezeichnete die Leitung einmal mehr als unnötig. „Wir lehnen die Trasse ab, egal, wo sie gebaut wird.“
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