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Standpunkte

Es gibt kein Gut und kein Böse

Diakon-GK-2
Sabrina Melissa Melis
am
01.07.2019

„Bauerndiakon“ plädiert für gutes Miteinander von bio und konventionell

Hackerskofen/Lks. Dingolfing-Landau „Klima und Insektenschutz, wir tun was!“, so lautete das Thema einer Wanderung mit Diakon und Landwirt Franz Lammer rund um Hackerskofen mitten im Landkreis Dingolfing-Landau. Veranstaltet wurde der Rundgang gemeinsam von Katholischer Erwachsenenbildung KEB, Bayerischem Bauernverband, Fachverband Biogas und Pfarrgemeinderat. Fazit am Ende war, dass konventionelle und biologische Landwirtschaft durchaus im Einklang ko-existieren können, sich sogar in verschiedenen Bereichen ergänzen.

Der Bauerndiakon aus Niederbayern, wie er gerne genannt wird, ist ganz nah dran an der christlichen Schöpfung, betreibt er doch selbst eine Landwirtschaft. Überrascht war er bei seiner unkonventionellen und durchaus unterhaltsamen Führung von dem Zuspruch an Interessenten, darunter 3. Bürgermeister Günter Maier mit Gemeinderäten, Geschäftsführer Stefan Ramoser und Manuela Wälischmiller von der KEB, BBV-Geschäftsführerin Ingrid Ecker aus Landau und Beate Eichinger, der Umweltbeauftragten der Diözese Regensburg. Vom Fachverband Biogas nahmen Regionalgruppensprecher Franz Winkler und Diplom-Agraringenieur Markus Bäuml teil.

Fast als hätte man es vorhergesehen, fand das Treffen wieder mitten in einer hochsommerlichen Phase statt, in der Meteorologen gerade einen erneuten Hitzesommer prognostizierten. Auf Extremsommer folgt Extremwinter. In Süddeutschland hat sich die Temperatur gegenüber dem langjährigen Mittel um 2,1 °C erhöht und Unwetterereignisse haben sich verdreifacht, hieß es schon in der Einladung zu dem Rundgang.
Der Weltklimarat sieht den Klimawandel als die größte Herausforderung für die Menschheit und gibt Empfehlungen für ein rasches Handeln. Zum einen sollen klimarelevante Gase wie Kohlendioxid deutlich reduziert werden, zum anderen sollen sie dem Kreislauf durch technische Möglichkeiten entzogen werden, die vielfach aber noch erforscht werden müssen. Aber auch Aufforstungen und eine Intensivierung der Landwirtschaft zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion sowie die Erzeugung von Biomasse können auf diesem Weg helfen. In der Praxis ersetzt heute schon Biogas fossile Rohstoffe und erzeugt Energie. Ein anderes damit einhergehendes Thema ist der Erhalt der Artenvielfalt. Wie beides in Einklang gebracht werden kann, zeigte der landwirtschaftlich erfahrene Geistliche – gerade im Nachklang an das bayerische Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ein vielbeachtetes Thema.

Zeiten haben sich drastisch geändert

Anschaulich war schon der Auftakt an der Hackerskofener Kirche. Dort zeigte Lammer die wirtschaftliche und landwirtschaftliche Situation in den Jahren 1959, 1990 und 2019 auf. Im Ort gab es vor 60 Jahren noch 26 Arbeitsplätze, darunter Bauern, Wirt, Schreiner, Schmid, Näherin und sogar zwei Kramer, sprich Einkaufsläden. 38 % gaben die Menschen damals für Nahrungs-, Genussmittel und Getränke aus – wohlgemerkt für den privaten Verbrauch. Es gab Selbstversorger und regionale Vermarktung, jeder hatte Kartoffeln, Milchkühe und Schweine. Bei den 22 landwirtschaftlichen Betrieben war sogar der Feldrain kostbar, sodass darum gelegentlich gestritten wurde. Die Menschen waren 14 Jahre nach dem Krieg froh genug, etwas zu essen zu haben. Ganz anders die Situation heute: Es gibt keine Arbeitsplätze mehr im Ort, einen Nebenerwerbsbetrieb und keine Nutztierhaltung. Landwirte landauf, landab sehen sich mit globalen Märkten konfrontiert, es zählten nur noch der Preis und hoch verarbeitete Lebensmittel.

Zu viel Mulchen gefährdet die Vielfalt

An der nächsten Station wartete ein Bub mit einem Taferl, darauf die Forderung „Rettet die Buchsbäume“. Sinnbildlich zeigt dieses Problem die Bedrohung der Arten durch die Globalisierung. Durch Reiseverkehr und internationalen Handel halten auch Schädlinge Einzug, die früher keine Bedrohung darstellten, auch dies ein wichtiger Grund für das Artensterben. Bei einem kurzen Stopp an einem Feldrain erklärte Lammer, dass diese Raine heute nur noch gemulcht werden. Die Betriebe helfen zusammen und steuern entgegen: „Wenn wir nur mulchen, werden die Pflanzen immer weniger“, warnte der Diakon. Auch die automatische Stilllegung von Wiesen als Dauergrünland stellte er infrage und forderte staatliche Programme. Hier finden sich nicht nur Lebensraum für Insekten und Schutz für Wildtiere. Sie ist auch eine Art Pufferspeicher, dient als Futterreserve bei Knappheit. Nebenbei finden sich seltene Insektenarten wieder, die sonst ihren Lebensraum verlieren würden. Den Klimawandel bezeichnete er als Hauptursache für das Artensterben, das Grün der Landwirte sorge also ganz nebenbei auch für Biodiversität, speichert aber auch klimaschädliche Gase oder sorgt für wichtige Nährstoffe im Boden.

„Für den Artenschutz sind biologisch wirtschaftende Betriebe sehr wichtig. Seit Jahren arbeiten wir mit Biobetrieben aus der Umgebung zusammen“, sagte der Diakon. „Es gibt kein Gut und kein Böse“, so Lammer über konventionelle und Biobetriebe.

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