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Trinkwasser

Hand in Hand mit Bauern

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Sabine Dähn Siegel
am
16.04.2019

Wasserforum: Klimawandel erfordert nachhaltigen Umgang mit Ressourcen

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Für die meisten Menschen hierzulande ist es eine Selbstverständlichkeit, dass gutes Trinkwasser immer zur Verfügung steht. Doch wie lange noch? Die Wetterextreme nehmen zu, die Wasserversorgung und die Erzeugung von Lebensmitteln werden zu Herausforderungen. Mit dem Thema „Klimawandel in Unterfranken – nachhaltig umgehen mit Wasser und Boden“ beschäftigte sich deshalb das 14. Wasserforum Unterfranken in Würzburg. Auf Einladung der Regierung von Unterfranken, die bereits 2001 die Aktion Grundwasserschutz ins Leben gerufen hat, nahmen circa 200 Vertreter von Wasserversorgungsunternehmen, Kommunen, Land- und Wasserwirtschaft am Forum teil.

Unterfranken ein Hotspot des Klimawandels

Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann ließ in seiner Eröffnungsrede keinen Zweifel: In puncto Wasserversorgung „müssen wir uns an die klimatischen Entwicklungen anpassen, damit die Versorgungssicherheit in Zukunft auf dem gewohnten Niveau gehalten werden kann“. Eine Reihe von Fakten und Expertenbewertungen belegten, dass zeitnah regionale Maßnahmen erforderlich sind: Die Erwärmungsrate in der bayernweit niederschlagsärmsten, von dünnen Bodenschichten und klüftigem Festgestein im Untergrund geprägten Region ist doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Hitze, Dürre, aber auch Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu. „Unterfranken ist ein ,Hotspot‘ des Klimawandels“, zitierte Ehmann einen Klimaexperten der Uni Würzburg und fügte an, dass diese Tatsache, „überlegtes und zügiges Handeln“ sowie „eine regionale Sichtweise und regionale Maßnahmen“ verlange.
Professor Harald Welzer von der Uni Flensburg und Direktor der FuturZwei Stiftung Zukunftsfähigkeit betrachtete den Klimawandel und Nachhaltigkeit durch die „soziologische Brille“. Er plädierte für eine Herangehensweise unter dem Motto „Wir schaffen das“ statt der bisherigen „apokalyptisch orientierten“. Wichtig sei, positive Ziele zu formulieren, Bündnisse zu bilden und eigene Handlungsspielräume mit positiven Beispielen zu füllen.

Bewässerungsbedarf steigt jährlich

Mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Grundwasserschutz beschäftigt sich Dr. Heiko Gerdes von der BGS Umwelt GmbH in Darmstadt. Eine seiner zentralen Aussagen lautete: Der Bewässerungsbedarf der Landwirtschaft steigt jährlich, verursacht durch die Änderung der Vegetationsperiode, aber auch durch die wichtiger werdende Frostschutzberegnung. Da diese bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels noch nicht quantifizierbar sind, „werden Risikobetrachtung und Risikomanagement wichtiger“.
Um praxistaugliche Lösungen ging es Andreas Meier, Bereichsleiter Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Unterfranken, der zum Thema „Bodenschutz und Anpassungen im Pflanzenbau“ referierte. Er hatte eine Reihe von Beispielen aus der Praxis parat, wie sich die Bodenerosion/Regenerosivität verringern lässt. Dazu zählen: Reihenkulturen mit Mulchsaatverfahren, bodenschonendes Befahren und Bearbeiten der Böden, Schutz von Oberflächengewässern mittels Zwischenfruchtbau, gewässerbegleitende Grünstreifen, Verkürzen von Hanglängen durch Schlagteilung, Drehen der Bearbeitungsrichtung.

Freiwilligkeit und Entschädigung

Jürgen Heusinger, Bürgermeister von Sulzfeld im Landkreis Rhön-Grabfeld und Vorsitzender der Allianz fränkischer Grabfeldgau, beleuchtete die schwierige Ausgangsposition – Oberflächengewässer in schlechtem ökologischen Zustand, fehlende Strukturen, zu viele Bodeneinträge, beginnende Verlandung eines Badesee durch Boden- und Nährstoffeinträge nach Starkregenereignissen – und ergriffene grundwasserschonende Maßnahmen im Rahmen der Initiative „boden:ständig“. Handlungsgrundlage waren Freiwilligkeit und Entschädigung der Landwirte für grundwasserschonende Bewirtschaftungsmethoden. Ein Baustein im erfolgreichen Maßnahmenbündel sei auch die erfolgreiche Werbung für bis zu 12 m breite Wiesenstreifen an Gräben und Bächen. Die Allianz-Mitgliedsgemeinden fördern Landwirte für Blühstreifen auf insgesamt 100 ha – und zwar „aus dem eigenen Haushalt“, weil die Politik bei solchen Maßnahmen zum Klimaschutz hinterherhinke, kritisierte Heusinger und verwies auf eine weitere Schräglage: Das Problem der Wasserknappheit für die Gemeinden im Grabfeldgau ließe sich durchaus lösen mittels zu verlegender Versorgungsleitung aus Mittelstreu, wo die Quellen eine starke Schüttung aufweisen. Die Crux daran: die Kosten. Ohne Förderung „keine Chance“. Und die Fristen für die bestehenden „Härtefallregelungen“ im Programm des Umweltministeriums seien zu kurz für die erst im Vorjahr gegründete Arbeitsgemeinschaft zur Sicherstellung der Wasserversorgung im Grabfeld. SDS
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