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Ausgleichszulage

Almbauerntag - Benachteiligungen beseitigen

Almbauern
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Redaktion Wochenblatt, Wochenblatt
am
30.10.2017

AVO-Vorsitzender Georg Mair spricht beim Alm­bauern­tag in der Samerhalle die ungerechte Degression bei Genossen­schafts­flächen an.

Nach der Hauptalmbegehung bei bestem Wetter im August meinte es Petrus beim Almbauerntag des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) nicht ganz so gut. So mussten beim Festzug von der Kirche in Törwang zur Samerhalle Regenschirme aufgespannt werden.

Doch das Nass von oben hielt sich in Grenzen und die Wegstrecke umfasste ja auch nicht annähernd die 14 km bei der vergangenen Hauptalmbegehung am Samerberg.

Zudem sind die Almbauern und -leute bekanntermaßen wetterfest. Viele von ihnen genossen bereits am Vortag den beliebten Heimatabend in der mit Glocken und Almabtriebsschmuck festlich geschmückten Samerhalle. Diese bildete am Sonntag auch den gebührenden Rahmen für das Erntedankfest des AVO – den Almbauerntag.

AVO-Vorsitzender Georg Mair bedankte sich gleich zu Beginn bei den zahlreichen Helfern, Mitwirkenden sowie bei den Samerberger Bezirks­almbauern als maßgeblich verantwortliche Organisatoren für die perfekte Ausrichtung. Danach ließ er den vergangenen Almsommer Revue passieren, der vom Wachstum und den Niederschlägen her als gut bis sehr gut bezeichnet werden könne.

Mehr Vieh auf den Almen

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Eine positive Entwicklung habe sich mit rund 670 mehr aufgetriebenen Rindern und etwa 440 mehr Schafen auf den 709 bestoßenen oberbayerischen Almen ergeben. Schafe seien vor allem in Regionen wichtig, wo das Rindvieh nicht mehr hinkomme. Und Pferde für die Nachweide absolut sinnvoll: „Leider hatten wir 80 Ross weniger, was nicht unbedingt sein müsste.“

Erfreulich ist für den AVO-Chef, dass der Flächenverlust verringert werden konnte, der 2016 noch im dreistelligen Bereich lag. „Aber auch 72 Hektar Almförderfläche weniger sind immer noch zu viel, sie entspricht der durchschnittlichen Fläche zweier oberbayerischer Almen.“

Die Zahl der Tierverluste war laut Mair heuer höher als im langjährigen Mittel. Es gab schwere Unwetter mit zahlreichen Blitzschlägen. „Sehr mysteriös“ sei ein Ereignis auf einer Alm im Kreis Rosenheim gewesen, bei dem elf Rinder nach einer panischen Flucht abstürzten.

Mehrfach kam es außerdem zu einem Ausbruch des gefürchteten Rauschbrands. Besonders in den südlichen Teilen der Landkreise Rosenheim und Miesbach trat heuer vermehrt eine ansteckende Hornhaut- und Bindehautentzündung der Rinder auf (Infektiöse bovine Keratokonjunktivitis (IKK), auch Pink eye genannt). Sie geht mit einer Eintrübung der Hornhaut einher und kann zur Erblindung führen.

Zu Agrarthemen berichtete Mair von erfreulichen wie unerfreulichen Dingen. Zu letzteren zählt die angestrebte Beseitigung der Degression bei der Ausgleichszulage für Genossenschaften. Besonders im Werdenfels bewirtschaften einzelne Genossenschaften zusammen weit mehr als 100 ha. „Aber viel Almfläche bedeutet auch viel Arbeit, die von vielen Mitgliedern verrichtet wird“, betonte Mair. Diese könnten wohl kaum mit Großgrundbesitzern in einen Topf geworfen werden, hinter jeder Genossenschaft stünden kleine Betriebe.

Heuer im Frühjahr habe sich eine Delegation der EU-Kommission und der Landwirtschaftsministerien von Bund und Land in Garmisch-Partenkirchen vor Ort davon überzeugt und die Ansicht geteilt. Doch nach Aussagen der EU ist der Zeitpunkt für einen entsprechenden Änderungsantrag verpasst worden und kann erst wieder 2020 gestellt werden.

Der AVO werde bei diesem Thema ebenso nicht lockerlassen wie bei der Benachteiligung bayerischer Bauern, die Flächen in Österreich haben, wo die Degression bei 10 ha beginnt. „Wir müssen da dranbleiben“, meinte der AVO-Vorsitzende an Helmut Brunner gewandt.

Grundsätzlich stellte er die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium positiv heraus und dankte für die Unterstützung. Beispielsweise für das „Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft“, das kleinen Betrieben u. a. bei der Umstellung vom Anbinde- auf Laufstall unbürokratische Hilfestellung leiste. „Allerdings sollten die Fördermittel noch erhöht werden.“

Eine Ansicht, die auch Bezirkspräsident Anton Kreitmair und Bezirksbäuerin Christine Singer teilen. Ebenso wie eine deutliche Steigerung der Zahlungen für die ersten Hektare. Beide bekräftigten dies bei der AVO-Hauptausschusssitzung im Berggasthof Duftbräu.

Beim Almbauerntag konnten sie aus terminlichen Gründen nicht anwesend sein. Deshalb nutzten sie auch die Sitzung, um sich beim AVO-Geschäftsführer Michael Hinterstoißer für die fachlich und menschlich stets hervorragende Zusammenarbeit zu bedanken.

Hinterstoißer offiziell verabschiedet

Almbauerntag

Offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde Hinterstoißer dann im würdigen Rahmen des Almbauerntages.

In seine Fußstapfen tritt Johann Stöckl. Er stammt aus einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Landkreis Mühldorf am Inn. Der Agraringenieur leitete bislang den am AELF Weilheim angesiedelten Prüfdienst und ist ab November der Nachfolger von Hinterstoißer am AELF Holzkirchen. Wohnhaft in Inzell betätigt er sich nach eigener Aussage seit Jahren als „Urlaubsalmerer“ auf der Roßalm am Geigelstein. „Ich freue mich schon sehr auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, erklärte Stöckl, als er sich beim Almbauerntag vorstellte.

Beiden wünschte Helmut Brunner alles Gute. Dem einen für die zukünftigen Aufgaben, dem anderen „für den – ich denke Unruhestand“. Denn der Minister kann sich nicht vorstellen, dass Hinterstoißer von seinen Almbauern loslassen kann: „Wie Sie sich für die Bergbauern eingesetzt und was Sie erreicht haben, dafür möchte auch ich Ihnen ganz herzlich danken.“

Mit wie viel Herzblut alle Beteiligten an der Almwirtschaft hängen, spüre man jedes Mal beim Almbauerntag. „Ohne Sie würde die wertvolle Landschaft nicht erhalten und bei dieser Arbeit möchten wir Sie weiterhin nach Kräften unterstützen“, erklärte der Minister. Er betonte, die Förderung kleiner Betriebe weiter ausbauen zu wollen. Gleiches gelte für die ersten Hektare: „Das ist ein Länderausgleich, der mir gefällt – denn das zahlen die Großen und Geld kriegen die Kleinen im Süden.“

In Sachen Wolf habe er schon vor zwei Jahren gesagt, man brauche wolfsfreie Zonen. Dafür hätte es herbe Kritik gegeben. Mittlerweile stünde aber auch in anderen Bundesländern so mancher der Diskussion zum Schutzstatus offener gegenüber. In seinem Haus werde derzeit ein Runder Tisch zum Wolf installiert, an dem auch der AVO sitzen soll.
Nach seiner Festrede nahm Brunner zusammen mit den AVO-Vorsitzenden die Ehrungen vor. Sie bilden den krönenden Abschluss eines jeden Almbauerntages.

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