Login
Landfrauen

Das Backen als Leidenschaft

Helga Gebendorfer
am
16.10.2017

Enzelhausen - Katharina Betzenbichler liebt das Backen. Spezialität sind Kirtanudeln, Schuxn und Co.

Katharina Betzenbichler aus Enzelhausen liebt das Backen. Spezialität sind Kirtanudeln, Schuxn und Co.
Das Backen ist die Leidenschaft von Katharina Betzenbichler aus Enzelhausen im Landkreis Freising. „Ich habe schon immer gerne gebacken. Als ich früher von der Schule heimkam, habe ich meiner Oma über die Schulter geschaut, wie sie Kirtanudeln gebacken hat. Von da an war mein Interesse geweckt“, erzählt die 52-Jährige. Die gelernte Köchin und Hauswirtschafterin bewirtschaftet mit ihrem Mann Josef einen 35 ha großen Betrieb, der sich mit 32 ha Anbaufläche auf Hopfen spezialisiert hat. Angebaut werden derzeit sechs verschiedene Sorten.

Erst nach der Einheirat 1986 entwickelte sich das Backen zu einem richtigen Hobby. Denn glücklicherweise war ihre Schwiegermutter Anna auch eine Backfreundin und führte sie in erster Linie in die Kunst des Kirtanudel-Backens ein. Nach ungefähr einem Jahr Übung traute sie sich selbst an die Sache, wobei sie bei Rückfragen jederzeit Unterstützung bekam. So lernte sie selbstständiges Arbeiten, auch wenn durchaus auf Anhieb manches nicht so gelungen ist. „Das war aber kein Problem, denn ich hatte immer gute Abnehmer, sodass stets alles aufgegessen wurde“, schmunzelt die Mutter von vier Kindern. Gebacken wurden damals Fensterkiacherl, Vogelkiacherl sowie Kirtanudeln und Schuxn – typische Schmalzgebäcke in der Hallertau. Die Rezepte hatte schon die Schwiegermutter auf den Hof mitgebracht. Nahezu alle zwei Wochen war am Freitag Backtag, wobei meistens von 1 kg Mehl Schmalzgebäck hergestellt wurde.
In dieser Zeit bildete sich die Hopfenbäuerin weiter und belegte unterschiedliche Lehrgänge, darunter einen Torten- und Schmalzgebäckkurs. Dabei eignete sie sich eine Reihe von Feinheiten an und lernte, dass jede Bäckerin ihre eigene Methode hat. „Aus diesem Mix habe ich mir die für mich richtige Lösung im Hinblick auf Rezept und Technik herausgesucht“, verrät Katharina Betzenbichler.

Nachfrage steigt

Betzenbichler

Im Laufe der Jahre wurde die Nachfrage nach ihren Leckereien immer größer, sodass sich die Teigbasis bis auf aktuell 2 kg Mehl gesteigert hat, was 40 Stück Schmalzgebäck ergibt. Aufgrund der großen Familie – die Kinder sind inzwischen erwachsen und haben selbst Familien gegründet – backt Katharina Betzenbichler regelmäßig fast alle zwei Wochen am Samstag Kirtanudeln. „Sie sind bei allen der absolute Renner und schmecken spitze – sowohl im Alltag als auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeiten“, gibt sie Auskunft. Die ersten Kirtanudeln werden noch warm gegessen, der Rest wird eingefroren und bei Bedarf hervorgeholt. Der Zeitaufwand beträgt insgesamt zweieinhalb Stunden, wobei das Gehen des Hefeteigs die meiste Zeit beansprucht.

Wesentlich seltener stehen Fensterkiacherl oder Schuxn auf dem Programm. Letztere wurden früher oft als Brotersatz geschätzt. Das Gebäck ist vielfach in Vergessenheit geraten und so beherrschen nicht mehr viele das Schuxn-Backen. „Umso mehr finden sie reißenden Absatz“, betont die Hopfenbäuerin. Die Besonderheiten: In den Teig kommen Roggenmehl und Sauerrahm. Außerdem werden zum Gehenlassen keine runden, sondern ovale Teiglinge hergestellt, die vor dem Backen ausgewalkt werden. In ihrer Familie kommen Schuxn immer zu Kartoffelsuppe auf den Tisch. Was übrig bleibt, wird zum Bier oder für den Hunger zwischendurch gegessen.

Für besondere Gelegenheiten und als beliebtes Mitbringsel in der Verwandtschaft und Bekanntschaft ergänzt die 52-Jährige das Schmalzgebäck mit Kuchen und Torten. In der Regel macht sie sich alle 14 Tage an zwei bis drei Stück. Dabei versucht sie, die Auswahl abzuwechseln, saisonale Früchte einzusetzen und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. „Wenn der Versuch gelingt, wird das Rezept in meine Backliste aufgenommen“, erklärt sie. Bei Torten bevorzugt sie Sahnetorten. Besondere Sorgfalt wird dabei auf das Aussehen gelegt. Gerne verschenkt die Bäckerin deshalb ab und zu besondere Gebäckformen, wie beispielsweise Rosetten-, Herzform oder auch zu Weihnachten Sternform. Als gelungene Überraschung dient für Kindergeburtstage die Bulldog-Form.

Eigene Backstube

Anfangs hat Katharina Betzenbichler immer in ihrer Küche gebacken. Irgendwann störten sie der eingeengte Platz und der Fettgeruch. Deshalb reifte bei ihr vor 17 Jahren die Idee, im alten Schweinestall im Anschluss an das Wohnhaus eine Backstube einzurichten. „Mein Mann unterstützte mein Ansinnen und half tatkräftig mit, dass der Plan in Erfüllung geht“, berichtet sie. Der Raum ist rund 28 m2 groß und bietet ausreichend Platz für eine große Arbeitsfläche, einen großen Kupferkessel für das Fett zum Ausbacken, für die Back­utensilien, die teilweise an der Wand aufgehängt und damit übersichtlich im Blickfeld sind, für sämtliche Backzutaten sowie einen gewissen Vorrat. Auf den Kupferkessel ist Katharina Betzenbichler richtig stolz. Er ist ein Geschenk ihrer Mutter und wird mit Gas beheizt. Er fasst 7 kg Fett, sorgt für gleichmäßige Hitze und kann auf einmal mit 15 Kirtanudeln bestückt werden. Eine große Erleichterung stellt zudem das Teigrührgerät dar.


Vor sieben Jahren sah die Bäuerin zum ersten Mal auf einem Christkindlmarkt, wie Brot selbst gebacken wurde. „Ich war gleich so fasziniert davon und kaufte mir ein Brotbackbuch, um mir darüber ein Grundwissen anzueignen“, erzählt sie. Ihren ersten Laib Brot backte sie dann im Küchen-Backofen. „Der Versuch gelang und schmeckte gut“, informiert sie. Schließlich entstand der Wunsch nach einem Holzbackofen, den auch ihr Mann sofort befürwortete. Gleichzeitig mit dem Bausatz wurde in eine Teigknetmaschine investiert. In diese passt der Teig auf Basis von 4 kg Mehl, was zehn bis elf Brotlaibe ergibt – so viel, wie in den Holzofen passen.

Der Holzbackofen bekam neben der Hofeinfahrt seinen Platz, passt sich wunderbar in den Garten ein und stellt eine Zierde für den Hof dar. Brotbacktag ist meistens alle sechs Wochen. Aus dem selbst angesetzten Sauerteig entstehen runde und ovale Laibe – vorwiegend Bauernbrot, Kartoffelbrot, Vollkornbrot und Holunderbrot aus Rezepten aus dem Backbuch. „Es funktioniert prima, man muss nur aufpassen, dass die Teigbeschaffenheit nicht zu weich, der Ofen nicht zu heiß und die Backzeit nicht zu lange ist, damit das Brot nicht zu dunkel und die Kruste nicht zu hart wird“, verrät sie ihre Geheimnisse. Auch beim Brot achtet sie auf gute Zutaten, wobei sie zum Beispiel das Mehl in 25-kg-Säcken direkt von einer nahen Mühle bezieht. Nach dem Abkühlen der frisch gebackenen Brote wird ein Großteil eingefroren. Genauso wie das Schmalzgebäck ist es aber bald aufgebraucht.

„Ich würde am liebsten Tag und Nacht backen. Hier kann ich kreativ sein und vieles ausprobieren und das schönste Geschenk ist für mich, wenn meine Backwaren allen schmecken“, zieht die Hobby-Bäckerin Bilanz.

Auch interessant